Infrastruktur Neue Arbeitsplätze für Lonsee

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Lonsee / Von Pia Reiser 27.06.2018

Lonsee hat einen dicken Fisch an der Angel: Ein großer, süddeutscher metallverarbeitender Betrieb will sich auf dem Gemeindegebiet ansiedeln. Im Januar 2018 kam die Anfrage des Betriebs über die Wirtschaftsförderung des Alb-­Donau-Kreises an die Gemeinde, berichtete Bürgermeister Jochen Ogger am Montagabend in der Gemeinderatssitzung. Es geht dabei um eine Fläche von rund sieben Hektar und um etwa 250 Arbeitsplätze, die in der Firma im Endausbau entstehen können.

Doch damit der Betrieb bauen kann, muss die Gemeinde zunächst ein Industriegebiet ausweisen und erschließen. Das Industriegebiet ist im Ortsteil Luizhausen geplant, direkt an der B 10, südlich des schon bestehenden Gewerbegebiets Luizhausen-Ost. Dafür stellt die Gemeinde nun einen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf, das wurde am Montagabend in der Gemeinderatssitzung einstimmig von den Gemeinderäten und Bürgermeister Ogger beschlossen.

Produktion bereits Herbst 2019

Der Bürgermeister warb in der Sitzung für das Projekt: „Ich denke, wir brauchen die Einnahmen, um unsere Infrastruktur in den sieben Teilorten zu finanzieren.“ Dass der Ortschaftsrat von Luizhausen mehrheitlich für das Projekt gestimmt hat, wertete Ogger als gutes Signal. Er betonte auch die Anzahl der Arbeitsplätze, die  in der Gemeinde entstehen können. Zu den 540 bestehenden würden bis zu 250 dazu kommen, und das schon sehr bald.

Denn bereits 2019 will die Firma mit der Produktion beginnen, die Zeit drängt also. Der Bebauungsplan und der Flächennutzungsplan sollen deswegen auch im Parallelverfahren gleichzeitig geändert werden.

Eigentlich plante die Gemeinde, das Gewerbegebiet in Luizhausen nach Osten hin zu erweitern. „Aber der Eigentümer war nicht bereit, zu verkaufen“, erklärte Jochen Ogger den Gemeinderäten. Eine Erweiterung nach Norden sei wegen der Topografie nicht möglich, also blieb nur das Gelände in Richtung Süden. Dieses wird über eine sechs Meter breite Straße an den bereits bestehenden Erlenweg angeschlossen. Am Ende der Straße wird eine Wendemöglichkeit für Sattelschlepper geschaffen, sodass der Bebauungsplan für das Industriegebiet insgesamt eine Fläche von rund 7,4 Hektar umfasst.

Warum man denn nicht das noch unbebaute Gelände der Heidelberger Druckmaschinen AG in Erwägung gezogen habe, das die Gemeinde zurückkaufen könnte, fragte Gemeinderat Christian Haj­duk (UWG). „Die Erschließung würde in die Millionen gehen“, sagte Bürgermeister Ogger. Denn um Zugang zu dem Gewerbegebiet zu schaffen, müsste man eine neue Zufahrtsstraße bauen, außerdem führen eine Hochspannungsleitung mit einem breiten Schutzstreifen sowie eine Gasleitung durch das Gelände.

Also Luizhausen. Roland Schmuck vom Ingenieurbüro Wassermüller erklärte den Gemeinderäten die Planungen genauer. Etwa ist die Ausweisung als Industriegebiet geplant, und nicht als Gewerbegebiet wie im restlichen Bereich Luizhausen-Ost. Der Grund: Die Firma möchte im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten, dementsprechend ist die Lärmbelastung auch nachts höher. In einem Industriegebiet sind laut Schmuck in der Nacht bis zu 70 Dezibel erlaubt, in einem Gewerbegebiet nicht mehr als 50 Dezibel. Da die Wohnhäuser von Luizhausen dann aber rund 700 Meter von dem Industriegebiet entfernt sind, ist sich Schmuck sicher: „Da wird es zu keinen Konflikten kommen.“ Er rechnet außerdem mit etwa 30 bis 40 Lkws, die am Tag von oder zu der Firma fahren.

Die Produktionshalle auf dem Gelände wird etwa 21 Meter hoch sein. Zum Vergleich: Die Hallenhöhe vom Bio-Großhändler Weiling nebenan beträgt zehn Meter. „Aber die Höhe wird nicht so wahrgenommen werden“, sagte Schmuck, da die Halle etwas in das Gelände eingegraben werde.

Das Regenwasser müsse die Firma auf ihrem Gelände selbst zurückhalten, reinigen und über Erdmulden versickern lassen. Gemeinderat Eberhard Lenz (BL) äußerte Bedenken bei der Entwässerung: „Was ist, wenn wieder so ein Regen kommt wie Anfang Juni, schaffen das die Sickergruben?“ „Die Firma muss die Entwässerung auf ein zehnjährliches Regenereignis auslegen“, erklärte Schmuck. Man könne jedoch nicht für alle Katastrophenfälle vorsorgen. Von Seiten des Natur- und Landschaftsschutzes sieht Schmuck keine Probleme, eine Artenschutzprüfung werde noch durchgeführt.

Schließlich fragte Christian Hajduk (UWG) noch, wer die Kosten für die Erschließung trage. „Wir zahlen es, aber wir werden das natürlich auf den Kaufpreis umlegen“, erklärte Ogger.

Der Entwurf des Bebauungsplans wird nun ab Montag, 9. Juli, einen Monat lang öffentlich ausgelegt, die Bürger können ihre Stellungnahme dazu abgeben. Anfang des kommenden Jahres soll dann mit den Erschließungsarbeiten in Luizhausen-Ost begonnen werden.

Grafik Neues Industriegebiet
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