Natur Naturschützer im Kampf gegen die Zackenschote

BUND-Mitglied Joachim Merkle lässt sich von den heißen Temperaturen nicht bremsen: Mit viel Elan und Spaß hilft er, die Zackenschoten auszugraben.
BUND-Mitglied Joachim Merkle lässt sich von den heißen Temperaturen nicht bremsen: Mit viel Elan und Spaß hilft er, die Zackenschoten auszugraben. © Foto: Vanessa Arslan
Dietenheim / Vanessa Arslan 09.06.2018

Im Frühjahr versinken Teile der Böschungen am Illerkanal in einem Meer aus gelben Blüten. Schuld daran ist die orientalische Zackenschote, die sich hartnäckig ausbreitet. Sie sieht dem Raps zum Verwechseln ähnlich und verdrängt einheimische Pflanzen durch ihr schnelles Wachstum. „Alles begann vor etwa 20 Jahren“, sagt Ulrich Müller über die Geschichte zur Ausbreitung des genügsamen Unkrauts. Er steht auf einem Schotterweg am Illerkanal auf der Höhe Jedesheim und zeigt auf ein Feld aus gelben Pflanzen am anderen Ufer.

„Durch den Kot eines Vogels wurde das unbeliebte Pflänzchen damals  aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland gebracht“, vermutet Müller, Vorsitzender des BUND für Umwelt- und Naturschutz im Regionalverband Donau-Iller. Als er dann mit einem Volkshochschulkurs am Illerkanal war, fiel ihm das gelbe Gewächs ins Auge. Die Pflanze war in Süddeutschland noch fremd, deshalb hat Müller nachgeforscht und stieß auf die orientalische Zackenschote, ein invasiver Neophyt. Neophyten sind Pflanzen, die nicht heimisch sind und sich erst durch das Zutun von Menschen verbreiten.

So hat es sich auch im Illertal zugetragen. Zehn Jahre lang blieb es bei einem Pflänzchen. Doch dann mähte die Untere Iller-AG die Böschung zwar insektenschonend mit einem Balkemesser – aber erst nach der Samenreife der Zackenschote Ende Juni. Beim Abtransport des Mähgutes rieselten die Samen dann vom Wagen und verteilten sich. „Da die orientalische Zackenschote damals noch unbekannt war, wurde sie Jahr für Jahr wieder mit den anderen Pflanzen nach der Samenreife abgemäht und konnte sich durch die Verteilung des Samens flächendeckend ausbreiten“, erklärt Müller.

Seit gut sieben Jahren bekämpft er die Zackenschoten in Jedesheim, Altenstadt, Dettingen und Au zusammen mit den anderen BUND-Mitgliedern aus Dietenheim und dem BUND Naturschutz Illertissen. Heuer ging es dem Gewächs in den letzten zwei Mai-Wochen wieder an den Kragen. Mit Ampferstechern ausgestattet, stehen drei BUND-Mitglieder und Ulrich Müller im fast hüfthohen Gras. Vor allem in der Mittagshitze ist das Ausstechen der Pflanzen eine schweißtreibende Arbeit. „Da braucht man kein Fitnessstudio mehr“, scherzt Joachim Merkle, der zusammen mit seiner Frau Andrea seit Jahren bei der Aktion gegen die Zackenschote mithilft.

Die Wurzel des Kreuzblütengewächses kann bis zu einen Meter lang und faustdick werden. Die komplette Wurzel abzustechen, schaffen die Naturschützer nicht. Wenn sie aber Glück haben, geht gut die Hälfte heraus. „Wenn wir nicht genug von der Wurzel erwischen, blüht die Pflanze im nächsten Jahr wieder“, erklärt Müller. Dann ist sie aber so geschwächt, dass sie nicht mehr aussamt und kann sich nicht weiter ausbreiten. Die ausgegrabenen Schoten werden in die Iller geworfen und schwimmen bis zur Unteren Iller-AG, wo sie entsorgt werden.

2000 Pflanzen werden entfernt

Aktuell gibt es etwa 3000 dieser Pflanzen in der Nähe von Jedesheim. 2000 davon heben die Naturschützer aus dem Boden. Der Rest wird von der Unteren Iller-AG abgemäht – vor der Samenreife, damit sich die Samen nicht verbreiten, wie in der Vergangenheit. Etwa 100 Arbeitsstunden pro Jahr werden von insgesamt zehn verschiedenen Helfern abgeleistet. Verlässliche Hochrechnungen, wann die Zackenschote im Illertal das Zeitliche gesegnet haben wird, gibt es laut Müller nicht. „Das ist eine endlose Arbeit“, fasst Merkle zusammen. Dennoch machen sie die Naturschützer gerne, um die Artenvielfalt am Illerkanal zu wahren. Solch artenreiche Wiesen gibt es sonst nur im Allgäu. Wie einseitig wären die Böschungen im Illertal, wären sie ganz in gelb gehüllt – ohne Orchideen, die wilde Akelei, Wiesenglockenblumen und dem zottigen Klappertopf, Müllers Liebling.

Die orientalische Zackenschote

Verbreitung Der bei uns unbeliebte invasive Neophyt, die orientalische Zackenschote, auch Türkische Rauke genannt, kommt überwiegend in Ost- und Südosteuropa vor. Die Pflanze ist durch ihre fast ein Meter lange Pfahlwurzel in der Lage, Feuchtigkeit schnell aufzunehmen. Das ist besonders in ihren trockenen Ursprungsregionen überlebenswichtig. Die guten Mager- und Kalkböden hierzulande sind für die Zackenschote ein Paradies, in dem sie sich rasant ausbreitet. Damit verdrängt sie nicht nur einheimische Pflanzen, sondern bringt auch das ökologische Gleichgewicht durcheinander. Bis zu über einen Meter hoch können die Stängel der Pflanze wachsen. Nicht nur im Illertal breitet sich der Neophyt aus, auch Thüringen und im bayrischen Bad Kissingen hat sich die Pflanze breitgemacht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel