Endlich! Dietenheim heißt wieder Ranzenburg, ist zum 125. Mal in närrischer Hand. Amtspersonen haben nichts mehr zu melden und Kinder erst mal schulfrei. Es regieren die Narren. Im wahrsten Wortsinn stürmisch ging es am Abend beim Rathaussturm zu.

Die Sirene der Ausgraber kündete es schon von weitem: Rund 20 Gruppen waren gestern Abend beim Fackelumzug durch die Innenstadt unterwegs, um die Fasnet an verschiedenen Stationen zu suchen. Auf dem gut gefüllten Marktplatz wurden sie fündig und dann war die Fasnet auch trotz Sturm und Wind schnell ausgegraben. Die Hexen stürmten mit Leitern das Rathaus und führten den Schultes zur Bühne auf dem Marktplatz. Christopher Ehs letzte Rede als Amtsperson ohne Befugnisse half nichts: Obwohl er darauf hinwies, dass die Saniererei in der Innenstadt beendet ist, dort ein Schmuckstück entstanden und zwischen Schule und Rathaus nun Ranzenburgs grüne Lunge sei, musste er erkennen, „dass die Macht in unserem Flecken jetzt das Prinzenpaar hat“.

Prinz Manne II gab dann auch gleich seine Regierungspläne bekannt: So will er angesichts der geschlossenen Kreissäle im benachbarten Illertissen, die „ihrem endgültigen Siechtum entgegen“ gingen, im leerstehenden Fuggerschloss „zum Kreuz“ die neue Geburtenstation eröffnen, „um die Existenz des Narrensamens zu sichern“. Mit dem Bau einer riesigen Tiefgarage im Stadtkern wolle er den Ruf des abgesetzten Schultes als „Parkplatzbürgermeister“ untermauern.

Der durch die Kampagne verarmten Narrengemeinde will Prinz Manne mit der Aktion „Ranzenburg zieht an“ sozial unter die Arme greifen. In Kooperation mit dem Nähcafé werde er ab Aschermittwoch die dann mittellosen Ranzenburger neu einkleiden. Schließlich will er auch der „ungleichen Ernährung unserer Bevölkerung“ Einhalt gebieten. Ranzenburg leide unter einer unglaublichen Brotschwemme, in Ranzenweiler herrsche ein beneidenswertes Überangebot an Schnaps und Bier. Deshalb erhalte Ranzenweiler ab sofort den Überschuss an altem Brot. Ranzenburg komme im Gegenzug in den Genuss von altem Schnaps und Brandenburger Bier.

Im Anschluss an die Proklamation zeigten in der Ranzenburger Sage die verschiedenen Maskengruppen, woher sie ihren Ursprung haben, ehe die Ranzenburger bis weit in die Nacht mit buntem Treiben in den Kneipen, der Giaßabar und Ausflippen-Bar so richtig in die Fasnet starteten.

Schon am Vormittag waren Abordnungen zahlreicher Dietenheimer Maskengruppen in närrischer Mission unterwegs. Die Ranzenburger Hexen  bekamen für ihren wichtigen Auftrag gar Unterstützung von Balzheimer „Kollegen“, den Keßler Hexen: Es galt, binnen Stundenfrist Hunderte von Schülern zu Hilfe zu eilen. Selbige warteten sehnsüchtig. Zumindest der Großteil. Dem ein oder anderen Erstklässler war es augenscheinlich nicht ganz wohl, als eine riesengroße Hexe die kleine Rektorin Heidi Kleck unter lautem „Narro-Ahoi“-Gebrüll mit einem dicken Seil fesselte und abführte. Obschon nur 1,53 Zentimeter groß, hatte sich die unter einen Schreibtisch geflüchtete Lehrerin nicht komplett unsichtbar machen können. Wie das gesamte 12-köpfige Grundschul-Kollegium war  Kleck als Bauarbeiter verkleidet. Symbolischer Hinweis auf neun Monate Umbauzeit für einen neuen Schulverwaltungstrakt.

Gemeinsam verließen Cowboys, Prinzessinnen, Feen, Indianer, Kobolde, Clowns und Geister die von Hexen, Wasafratzen, Illergoischdr und Griasmolle gestürmten Klassenzimmer. Prinz Manne und Prinzessin Melanie führten den Zug in die benachbarte Narrhalla. Dort musste das Prinzenpaar deutlich werden: „Rektoren geht es an den Kragen, sie haben ab heute gar nichts mehr zu sagen.“ Erst dann rückte die störrische Schulleiterin den Schulschlüssel an das Kinderprinzenpaar heraus.

RNZ-Präsident Uwe Bimek tröstete die dermaßen Entmachtete mit dem Hinweis auf die aktuelle Eröffnung eines neuen Therapiezentrums für kranke, frustrierte und weiterbildungsbereite Lehrer in Ranzenburg. Mit Übernachtung gebucht ein Aufenthalt für Kleck und ihren Rektor-Kollegen Holger Hellendrung von der Gemeinschaftsschule. Der war gestern zwar der Teufel in Person, vor dem Zugriff der Narren schützte ihn das aber nicht. Auch die Gemeinschaftsschule war schnell in Narrenhand. Schulfrei für eine Woche mit Pauken und Trompeten.