Dietenheim Nähcafé sucht neue Räume

Spaß im Nähcafé in Regglisweiler: Petra Diebold (links) und Ute Krewinkel sind Fans der Idee eines gemeinsamen und nachhaltigen Nähens.
Spaß im Nähcafé in Regglisweiler: Petra Diebold (links) und Ute Krewinkel sind Fans der Idee eines gemeinsamen und nachhaltigen Nähens. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Regglisweiler / Lisa Maria Sporrer 01.12.2018

Grüne Stoffe, rote, gemusterte und karierte, mit Sternen verziert und mit Perlen geschmückt: Für jeden Geschmack und für jedes Muster waren auf den Tischen im VHS-Raum im Regglisweiler Bürgerhaus Materialien ausgelegt, um seiner Fantasie für Weihnachtsdeko freien Lauf zu lassen. Das Dietenheimer Nähcafé, entstanden aus dem Uni-Forschungsprojekt „Nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft in Dietenheim“, bietet seine Kurse und Workshops mittlerweile in Regglisweiler an.

„Das ist ein klasse Raum hier“, schwärmte Andrea Merkle, die zusammen mit Theresia Richter-Numberger den Weihnachtsdeko-Workshop Ende vergangener Woche betreute. Den Raum hat das Nähcafé, das aus Platzgründen aus der Illertisser Straße weichen musste, von der Stadt angeboten bekommen. Im Sommer war der Umzug, bei dem der Bauhof alle Regale, Kleiderspenden und Nähmaschinen nach Regglisweiler verfrachtete. Denn im Raum der Volkshochschule, in dem sonst Englischkurse und sonstiges stattfinden, gibt es einen kleinen Nebenraum. Und dort lagern die ehrenamtlichen Kursgestalter des Nähcafés ihr Material. Auch Anja Lisa Hirscher und Bretta Stegen, die das Nähcafé seinerzeit im Rahmen des Projekts ins Leben gerufen hatten, engagieren sich noch ehrenamtlich, geben Kurse oder stehen den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite. Und das, obwohl das Projekt vorerst abgeschlossen ist.

Die Uni Tübingen hat einen Fortsetzungsantrag für das Reallabor gestellt. „Besonders die Kooperation mit der Gemeinschaftsschule soll dabei in den Vordergrund gerückt werden“, sagt Bürgermeister Christopher Eh. Denn in den Handwerksraum der Gemeinschaftsschule könnte das Nähcafé bald umziehen.

„Es ist für uns schwierig, Abendtermine im VHS-Raum in Regglisweiler zu ergattern“, sagt Richter-Numberger. Denn der Raum ist schon im Rahmen der VHS voll ausgelastet. „Wir können hier nur freitags, am Wochenende oder in den Ferien rein“, sagt Merkle. Das seien natürlich nicht die begehrtesten Zeiten für nähwillige Workshop-Teilnehmer. Eigentlich wolle man Kurse mindestens drei Mal im Monat anbieten, sagt Merkle. Mit der Stadt soll dafür im Dezember der Raum der Gemeinschaftsschule besichtigt werden.

Viel Tatkraft

Auch Petra Diebold aus Wangen wäre schon öfter zu den Kursen gekommen, wenn die Zeiten gestimmt hätten. Sie hat in Dietenheim auf der Nachhaltigkeitsmesse vom Nähcafé erfahren. „Upcycling ist eine gute Sache, tolle Dinge können entstehen. Und mit anderen zu nähen macht ohnehin mehr Spaß“, sagte sie, während sie eine Nikolaussocke nähte.

Das Nähcafé hat über die Dietenheimer Stadtgrenze hinaus Aufmerksamkeit gefunden. Ute Krewinkel aus Illertissen etwa, war schon bei mehreren Workshops dabei: Aus alten Stoffen hat sie sich dort eine Tasche genäht und aus einem alten Herrenhemd eine Bluse. „Allerdings waren das schon größere Projekte, die leider noch nicht fertig geworden sind“, sagt sie. Deshalb hat sie sich mit Weihnachtssternen bei diesem Workshop etwas Kleineres vorgenommen. „Das ist echt eine tolle Sache hier. Auch das Engagement, das uns die Leiter der Kurse entgegen bringen. Und das auch noch ehrenamtlich. Respekt“, sagte Krewinkel.

An Ehrenamtlichen mangelt es dem Nähcafé nicht. Mit Anja Ziesche ist eine junge Mutter mit dabei, die auch künftig Workshops für Kinderkleidung anbieten will. „Man sieht, es mangelt uns nicht an der Tatkraft, sondern an den Räumlichkeiten“, sagt Merkle. „Momentan hängen wir noch ein wenig in der Luft. Da ist es schwierig, für die Zukunft zu planen.“

Wo das Projekt angefangen hat

Ursprung Seinen Anfang nahm das Dietenheimer Nähcafé in einem kleinen Raum in der Illertisser Straße. Dort ist als Resultat des Nachhaltigkeitsgedankens, den das Forschungsprojekt nach Dietenheim brachte, ein Pop-Up-Shop, der von Andreas Merkel betrieben und von dem mittlerweile ebenfalls dort eingezogenen „Nähstüble Scherrieb“ betrieben wird.

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