Natur Nächtliche Brautschau einer Zwergohreule nervt Asselfinger

Eine Zwergohreule ist in Asselfingen auf der Balz.
Eine Zwergohreule ist in Asselfingen auf der Balz. © Foto: Imago
Asselfingen / Kurt Fahrner und Stefan Czernin 10.06.2017

Piep, piep und immer wieder piep tönt es gegenwärtig mit nur kleinen Unterbrechungen durch das halbe Dorf Asselfingen. Alle drei Sekunden, sobald die Dunkelheit hereinbricht. Dieser unüberhörbare, alarmähnliche Ton geht auf die Nerven. Sich bei offenem Fenster in die Federn zu legen und einzuschlafen, fällt schwer. Das Wort „Ruhestörung“ macht in Asselfingen die Runde. Bürgermeister Armin Bollinger wurde als Ortspolizist und Detektiv eingeschaltet, aber auch er konnte die perfide Lärmquelle zunächst ebenso wenig ergründen wie ein Trupp Asselfinger, die sich mehrmals tagsüber und nachts  auf den Weg machten, um den Ruhestörer aufzustöbern.

Woher? Klar war, dass der Piepton aus Richtung Gewann „Brunnäcker“ jenseits der Bahnhofstraße kommen muss. Die an dieser Straße befindliche Diesel-Tankanlage war es nicht, auch nicht aus Hütten, Schuppen und Scheunen kommt der Ton, befanden die Sucher. Einen Baum auf einer Streuobstwiese machten sie schließlich  als Sitz des nächtlichen Lärms aus.

Eule Ein Stein wurde ins Geäst geworfen; daraufhin entfleuchte ein Vogel. Der Piepton erfolgte daraufhin von einem anderen Baum. Das war der Beweis: Ein Vogel ist der Ruhestörer. Untermauert wurde diese Erkenntnis durch eine Aufnahme des Vogeltons. Denn bei Ertönen der Laute flog der Gefiederte schnurstracks darauf zu. Wahrscheinlich nahm er an, endlich einen Artgenossen gefunden zu haben. Recherchen von Asselfingern haben ergeben, dass es sich bei dem Vogel um eine Zwergohreule handelt, die normalerweise nicht in unseren Breiten, sondern in südlicheren Gefilden beheimatet ist. Die Klima-Erwärmung könnte sie nach Asselfingen gebracht haben, wird im Ort gefachsimpelt.

Naturschutz Zwischenzeitlich hat nun auch Klaus Schilhansl aus Nersingen in Asselfingen vorbeigeschaut. Er ist Naturschützer und nimmt seit vielen Jahren an Vogelzählungen teil. Dafür hat ihn die bayerische Umweltministerin schon mit dem „Grünen Engel“ ausgezeichnet.

Art Auch ihm ist es gelungen, die Zwergohreule mittels auf dem Smartphone mitgebrachter Rufaufnahmen anzulocken. Und so die Vogelart zu bestätigen. „Das ist die Erstbeobachtung im Ulmer Raum“, sagt Schilhansl auf Anfrage. Die Art sei eher im Mittelmeer-Raum verbreitet.

Partnerin Dass das nur amselgroße Eulenmännchen in der Dunkelheit so hartnäckig nach einer Partnerin ruft, ist für Schilhansl ein Zeichen dafür, dass sich in der Gegend keine potentielle Partnerin niedergelassen hat.  Wie lange in Asselfingen die Balzrufe noch ertönen werden, lasse sich schlecht sagen. „Das ist individuell, wie beim Menschen“, sagt er. „Die einen sind ausdauernder, die anderen weniger.“

Geschützt Dem Umweltschützer ist wichtig, dass das geschützte Tier möglichst in Ruhe gelassen wird. Von Pirschgängen mit Taschenlampen bittet er abzusehen. Auch das Eulenmännchen mit Aufnahmen der Balzrufe anzulocken – und so einen Konkurrenten zu simulieren – sei der falsche Weg. „So wird die Eule auf Dauer nur nervöser.“ Und ruft dann vielleicht noch eifriger. Wer den in der Region selten Gast erleben möchte, solle ihn sich in Asselfingen doch einfach anhören, schlägt Schilhansl vor. „Die Rufe müssen einem genügen. Das ist doch auch schon was.“

Die Betroffenen im Ort werden mit der Zwergohr-Eule und ihrem Piepton also noch weiter leben müssen. Ihre Sturm- und Drangzeit wird in den nächsten Wochen ja zu Ende  sein, ist die Hoffnung.

Amselgroße Eulenart mit Vorliebe für Insekten

Steckbrief Die Zwergohreule ist eine der kleinsten europäischen Eulen; sie erreicht knapp Amselgröße. Die Vogelart ist nachtaktiv und steht unter Schutz. Bevorzugt frisst die Zwergohr­eule große Insekten. Verbreitet ist die Art im Mittelmeerraum, besonders in Spanien, Kroatien und der Türkei. Viele Tiere überwintern in den Savannen südlich der Sahara.

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