Windkraft Nächstes Windrad bei Berghülen in Sicht

Drei dieser Windräder betreibt die ENBW bei Berghülen. Nun plant die Firma Alb-Naturenergie ein weiteres, das mit insgesamt 199 Metern die bestehenden Anlagen um 20 Meter überragen wird.
Drei dieser Windräder betreibt die ENBW bei Berghülen. Nun plant die Firma Alb-Naturenergie ein weiteres, das mit insgesamt 199 Metern die bestehenden Anlagen um 20 Meter überragen wird. © Foto: Volkmar Könneke
THOMAS STEIBADLER 23.02.2016
Auf den Rotor kommt es an. Das Windrad, das die Firma Alb-Naturenergie bei Berghülen plant, bringt es auf 117 Meter Durchmesser. Pro Jahr soll die Anlage fünf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.

"Heute schafft eine Anlage, was früher zwei gemacht haben", sagt Rolf Böhringer. Getreu dieser Erkenntnis plant der Geschäftsführer der Alb-Naturenergie genau das: ein Windrad, das ziemlich genau doppelt so groß ist wie sein Vorgänger. Dieser Vorgänger hatte im Windkraft-Vorranggebiet südwestlich von Berghülen zwar einen genehmigten Standort, er wurde trotzdem nie gebaut. Statt eines Windrads mit 58 Metern Durchmesser soll dort eine Anlage mit 117 Metern Rotordurchmesser gebaut werden. Noch in diesem Jahr soll das Windkraftwerk ans Netz gehen und pro Kilowattstunde erzeugten Stroms etwa neun Cent einspielen.

Noch steckt das Projekt im Genehmigungsverfahren, bis Mittwoch können die Unterlagen im Rathaus in Berghülen und im Landratsamt in Ulm studiert werden. Einwendungen müssen bis zum 9. März im Landratsamt Alb-Donau, der Genehmigungsbehörde, vorliegen. Mit schwerwiegenden Einsprüchen rechnet Böhringer nicht, zumal er bereits vier Jahre Planung hinter sich habe. Allein, um auszuschließen, dass Zugvögel in das Windrad geraten könnten, sei ein Biologie-Gutachten über einen 18-monatigen Beobachtungszeitraum erstellt worden. "So brauchen sie 32 Ordner", sagt Böhringer, um den Aufwand mit den Genehmigungsunterlagen zu beschreiben.

Über die Höhe der Investition macht Böhringer keine Angaben - wobei eine Anlage vom Typ Nordex N 117 etwa 4,5 Millionen Euro kosten dürfte. Als Betreiber wird die bereits gegründete Gesellschaft Energiepark Alb-Donau fungieren. An dieser können sich Privatleute ebenso beteiligen, wie Unternehmen und Energie-Genossenschaften. Kein Gesellschafter werde mehr als die Hälfte der Anteile halten, sagt Böhringer, die Stimmrechte in der Gesellschafterversammlung richten sich nach der Höhe der Beteiligung. Wer einsteigt, investiere in eine "unternehmerische Entscheidung mit Chancen und Risiken".

Diese Abwägung hat Böhringer bereits vorgenommen und ist so auf die Nordex-Anlage gekommen. In Schwachwindgebieten wie auf der Schwäbischen Alb komme es auf die Größe des Rotors an, erläutert Böhringer. Bereits bei einer Windgeschwindigkeit von elf Metern pro Sekunde erreiche das Windkraftwerk seine volle Leistungsfähigkeit. Dem Windatlas der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) zufolge bringt es der Wind am Standort Berghülen in 149 Metern Höhe - so hoch ist auch die Nabe der Nordex - durchschnittlich auf 5,5 bis 5,75 Meter in der Sekunde. Damit bringt die Nordex etwa ein Viertel ihrer Power.

Das Windrad bei Berghülen ist das vierte Energie-Projekt der in Blaustein ansässigen Alb-Naturenergie. Bei Westerheim sind seit Ende 2002 zwei Windräder in Betrieb, ein weiteres seit 2007 bei Böhmenkirch (Kreis Göppingen) und seit Juli 2008 der Solarpark bei Laichingen-Suppingen. Gerade bei Windkraftanlagen sei die geografische Nähe ein großer Vorteil, sagt Böhringer. Sobald eine Störung auftauche, erhalte er die Information aufs Smartphone und könne sofort für Abhilfe sorgen. Dank dieser kurzen Reaktionszeit stünden die Rotoren der drei Anlagen fast nie still - wenn der Wind über die Alb weht.