Dietenheim / NATALIE LITZL  Uhr
"Weltwärts" in die Dominikanische Republik: Dominik Graf arbeitete ein Jahr lang beim entwicklungspolitischen Freiwilligendienst. Der Dietenheimer betreute Kinder und sammelte viele Erfahrungen.

Nach dem Abitur den Rucksack packen und ein fremdes Land erkunden: Das ist der Traum vieler Jugendlicher. Doch Dominik Graf aus Dietenheim wollte mehr als "nur" Urlaub machen. Mit der Initiative "weltwärts" arbeitete er ein Jahr lang als freiwilliger Helfer an zwei Schulen in der Dominikanischen Republik. "Ich wollte meinen Wunsch, eine Kultur kennenzulernen, mit etwas Sinnvollem verbinden", sagt der 20-Jährige heute über seine Motivation.

Das kleine Dorf El Limon liegt in einer sehr ländlichen Gegend, rund 25 Kilometer südlich der Hauptstadt Santo Domingo entfernt, und hat nur eine geteerte Hauptstraße, dafür aber zwanzig "Colmados", die dort typischen kleinen Supermärkte. Hier treffen sich die Einheimischen zum Musikmachen und Reden oder um Karten oder Domino zu spielen. Ruhig sei es in dem Land eigentlich nie, irgendwo spiele immer Musik.

Hier lebte Dominik Graf für elf Monate. Nach dem Abitur bewarb er sich bei "weltwärts". Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der Dienst leistet jedoch keine Entwicklungshilfe. Vielmehr stehen der kulturelle Austausch und das gegenseitige voneinander Lernen im Vordergrund.

Die Freiwilligen arbeiten dazu unterstützend in verschiedenen Projekten mit, zum Beispiel bei der Umwelt- und Gesundheitsaufklärung oder an Schulen und Kindergärten. Bewerben kann sich jeder junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 28 Jahren, der Interesse an anderen Kulturen hat, wenn er die jeweilige Landessprache spricht und eine gute Portion Interesse mitbringt.

Dominik Graf half während seiner Zeit als Freiwilliger an zwei Schulen aus. Dort gab er Unterricht in Englisch, engagierte sich bei der Vormittags- und Nachmittagsbetreuung der Schulkinder oder bei den Hausaufgaben. Und er gab Musikunterricht. Der Englischunterricht sei für ihn eine Herausforderung gewesen. Über die Hälfte der Grundschulkinder konnte nicht lesen, noch nicht einmal den eigenen Namen schreiben.

Von der Vorstellung des typisch deutschen Unterrichts, bei dem Wörter an die Tafel geschrieben werden und die Kinder sie abschreiben und zu Hause üben, musste er sich alsbald verabschieden. "Ich habe die Wörter tausendmal wiederholt, bis die Kinder sie sich merken konnten", erzählt Graf.

Viele der Buben und Mädchen müssten neben der Schule zu Hause arbeiten und fehlten deshalb regelmäßig im Unterricht. Noch sei es den Eltern nicht bewusst, wie wichtig Schule für ihren Nachwuchs sei, und dass Bildung ein Weg aus der Armut sein könnte, betont er.

Besonders viel Freude hatte Graf am Musikunterricht. Die Stiftung, die seinen Austausch organisierte, spendete der Schule Gitarren. Darauf brachte der Dietenheimer den Kindern erste Griffe bei. An den Rhythmusübungen beteiligten sich jedoch nicht nur die drei oder vier Kinder, die gerade wirklich Unterricht hatten, sondern auch viele andere.

"Sie drängten an die Fenster und trommelten auf der Scheibe den Rhythmus mit", erzählt Graf. Bei einem gemeinsamen Konzert bei der Zeugnisübergabe konnten die Kinder dann zeigen, was sie gelernt hatten.

Als besonderen Höhepunkt empfand der junge Mann das Zeltlager, das er gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen organisierte. Es ging zum gemeinsamen Schwimmen, Spielen und Wandern. Am Lagerfeuer wurden Geschichten erzählt.

Während seiner Zeit in der dominikanischen Republik habe er viel über sich selbst und das Leben gelernt, fasst Graf rückblickend zusammen. Er habe ein Land "voll krasser Gegensätze" kennengelernt. "Allein landschaftlich bietet es alles, von Stränden über Steppen bis hin zu Bergen wie im Allgäu," schwärmt er. Die Menschen nähmen alles gelassener als in Deutschland. Die Uhr bestimmt das Leben nicht. "Wer den Bus nehmen will, stellt sich an die Straße und wartet - irgendwann wird schon ein Bus kommen."

Das Jahr in der Dominikanischen Republik habe ihm gezeigt, dass es bei kulturellen Unterschieden kein gut oder schlecht gibt. "Es gibt nur ein anders." Er habe gelernt, andere Sichtweisen zu verstehen. Die Möglichkeiten, die er in Deutschland hat, sieht er nun als ein Privileg. "Denn ein funktionierendes Schul- und Rechtssystem ist keine Selbstverständlichkeit."

Seine Zeit als Freiwilliger möchte der Student nicht mehr missen. Er ist sicher: Er wird bald wieder in die Dominikanische Republik reisen.