"Die fehlende starke Anbindung an den ÖPNV ist das größte Handicap der Alb", sagt Mike Münzing. Als Bürgermeister der größten Stadt auf der Albhochfläche meldet sich der 46-Jährige jetzt zu Wort, um seinen Kollegen auf der Laichinger Alb den Rücken zu stärken. "Ein Haltepunkt an der Neubaustrecke wäre auch von großem Nutzen für die Münsinger Alb", sagt er und rechnet. Von Münsingen nach Stuttgart würde eine halbe Stunde Fahrzeit eingespart. "Und beim Flughafen fallen die Vorteile noch deutlicher aus."

Dabei will Münzing bei seiner Bewertung nicht nur in Richtung Landeshauptstadt schauen. "Wir haben ja glücklicherweise mehr als nur ein Zentrum in der Nähe. Kommunal- und Landesgrenzen verlieren an Bedeutung. Deshalb schaue ich auch nach München", erklärt der Sozialdemokrat, der seit 18 Jahren im Münsinger Rathaus regiert.

Für den "Wohnraum Albhochfläche" eröffne der angestrebte Bahnhalt eine "ganz neue Dimension". Und auch die "sehr gute Gewerbeentwicklung" zwischen Reutlingen, Stuttgart und Ulm könnte durch die Schienenanbindung mittelfristig nochmal deutlich gestärkt werden.

Ein Effekt, den sich Münzing als Vorsitzender des Schwäbische Alb Tourismusverbands auch für den Fremdenverkehr verspricht. "Da sind wir inzwischen ein Pfund", sagt er und ergänzt in Richtung Ulm, dass diese Potenziale auch Eingang in die Machbarkeitsstudie finden sollten, die der Alb-Donau-Kreis jetzt beauftragen will.

"Ich bin nicht so blauäugig, einfach hurra zu schreien", sagt Münzing. Denn jetzt stehe vor allem viel Arbeit an. "Jetzt müssen ganz emotionslos die Daten und Fakten erhoben werden. Danach können wir dann auf die politische Bühne treten." Eine zentrale Botschaft will Mike Münzing zu diesem Zeitpunkt setzen: "Wir müssen klar machen, dass hinter Laichingen die Welt nicht aufhört." Man dürfe nicht in Sektoren denken, sich nicht von Regionalverbands- oder Landkreisgrenzen behindern oder gar aufhalten lassen.

Ob dieses Bekenntnis auch noch gilt, wenn Zahler für den Bahnhalt gesucht werden? Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat schon klar gemacht, das Land sei zwar bereit den Bahnhalt zu fördern, ohne "einen nennenswerten finanziellen Beitrag der Region" gehe es aber nicht. Nach Berechnung des Landratsamts würde dieser Beitrag zwischen 10,5 und 15,7 Millionen Euro liegen. Zu dieser einmaligen Investition kämen jährlich 1,7 Millionen Euro als Beteiligung an höheren Betriebskosten hinzu.

Festlegen kann oder will sich Mike Münzing, was die Finanzierung angeht, noch nicht. Bislang sei in den Gremien der Nachbarkreise, etwa dem Reutlinger Kreistag, dessen SPD-Fraktion Münzing anführt, noch nicht gesprochen worden. "Aber wenn wir eine Kosten-Nutzen-Rechnung in der Hand haben, können wir besser agieren", sagt er - und denkt dabei nicht nur an seine Stadt oder den Kreis Reutlingen: "Im Schwäbische Alb Tourismusverband sind zehn Landkreise und ein Stadtkreis dabei."