Erbach/Eggingen Motorsportclub Erbach wirbt für neue Übungsstrecke

AMREI GROSS 03.09.2012
Mit einem Informationstag hat der Motorsportclub Erbach für einen Übungsplatz geworben. Kinder kamen auf ihre Kosten. Die Egginger bleiben skeptisch.

Eine 400 Meter lange Strecke für den Nachwuchs, garniert mit Geländeunebenheiten, kleinen Rampen und Sprüngen im Osten. Im hinteren Bereich, westlich des Eingangs, eine Trainingsstrecke für die erfahreneren Vereinsmitglieder: 1,5 Kilometer lang, sandbedeckt, mit verschiedensten Hindernissen bestückt. Im Norden ein Vereinsheim. So stellte sich der Motorsportclub Erbach (MSC) sein neues Übungsgelände vor, das in der Sandgrube Heim (ehemals Hoffmann) zwischen Eggingen und Ringingen auf Erbacher Gemarkung entstehen könnte. "Das Gelände wäre für unsere Zwecke ideal", sagt Kosmas Luigart, erster Vorsitzender des MSC. In den Nachbargemeinden Eggingen und Einsingen aber regt sich Widerstand. Bereits im Februar dieses Jahres erteilte der Egginger Ortschaftsrat den Motorsport-Plänen in der nahegelegenen Sandgrube eine einstimmige Absage, auch das Gremium in Einsingen lehnt den Standort mit großer Mehrheit ab (wir berichteten).

Luigart und seine Vereinskameraden lassen sich jedoch nicht entmutigen. Mit einem Aktions- und Informationstag warben sie am Samstag für ihre Sache. Im Rahmen des Kinderferienprogramms der Stadt Erbach lud der MSC 32 Mädchen und Jungen zum Schnuppertag ein. An drei Stationen lernten diese den Motorsport auf zwei Rädern kennen - von der notwendigen Schutzbekleidung und Ausrüstung über die zugrundeliegende Technik der geländetauglichen Bikes bis hin zum praktischen Fahren auf kleinen Zweitakt-Kindermotorrädern. "Wir wollen die Kinder spielerisch an das Motorradfahren heranführen", erklärte MSC-Beisitzer Bernd Kleiner. Motocross sei weit mehr als "draufsitzen und hirnlos in der Gegend herumfahren", ergänzte MSC-Mitglied Michael Gerich, "Motocross ist eine Herausforderung."

Das wurde auch den Teilnehmern am Kinderferienprogramm schnell klar. Auf der regennassen, schlammbedeckten Kinderstrecke, vom MSC eigens für den Tag abgesteckt, sammelten sie freudig erste Erfahrungen im Gelände. Auch die aktiven Vereinsmitglieder nutzten den Tag für einige schnelle Runden im feuchten Sand. Deutlich weniger euphorisch zeigten sich die Menschen im 1,8 Kilometer entfernten Ulmer Ortsteil Eggingen. Nur wenige kamen zur Sandgrube, um sich vor Ort von den Gegebenheiten zu überzeugen. "Diejenigen, die kamen, waren überrascht, wie wenig man hört", glaubt Kleiner. Sobald die Fahrer mit ihren Maschinen im Kessel der Sandgrube verschwunden waren, erreichte nur mehr ein entferntes Brummen die Ohren der Zuschauer im Eingangsbereich.

Wasser auf die Mühlen von Kosmas Luigart und eine Bestätigung des Lärmgutachtens, das der Verein im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte. In einer ruhigen Abendstunde hätten die Gutachter damals in der Messgröße des Schalldruckpegels zur Bestimmung von Geräuschpegeln eine Immissionsbelastung von 36,7 dB(A) ermittelt. Dies entspreche der Umweltbelastung, des Geräuschpegels, der durch Verkehr, Menschen und Landwirtschaft zu dieser Zeit generell herrsche. Während eines Test-Trainings der Erbacher Motocrosser seien in Eggingen Schalldruckwerte von 35,7 Dezibel gemessen worden, für eine Rennveranstaltung errechneten die Gutachter Loos und Partner aus Allmendingen durchschnittlich 39,7 dB(A). Ihr Fazit: "Eine akustische Störwirkung kann nicht festgestellt werden."

In Eggingen scheint mancher dennoch nicht überzeugt zu sein, zumal ein Gutachten der Stadt Ulm deutlich höhere Werte nahelegt. Zwar liegt die Lärmbelastung in beiden Gutachten unterhalb der Grenzwerte des Bundesimmisionsschutzgesetzes. "Man hört das Training aber sehr wohl", sagte am Samstag eine Eggingerin, die nicht genannt werden will. Es sei ein ständiges Brummen im Hintergrund, nicht laut, aber nervtötend. Da helfe es auch nicht, dass der MSC Erbach seine Vorstellungen von einem Trainingsbetrieb in der Sandgrube zwischenzeitlich stark eingeschränkt hat - vom ursprünglich gewünschten Training mittwochs, freitags und samstags inklusive mehrtägiger Veranstaltungen hin zu samstags von 14 bis 17 Uhr.