Dietenheim Monatelang kein Empfang: Telekom schlampt in Dietenheim

Dient seit kurzem nicht mehr als Funkmast der Telekom: der Turm der Pfarrkirche St. Martinus.
Dient seit kurzem nicht mehr als Funkmast der Telekom: der Turm der Pfarrkirche St. Martinus. © Foto: Matthias Kessler
MARTIN DAMBACHER 03.09.2014
Immer und überall erreichbar sein, schnell eine SMS verschicken: mit Mobiltelefonen kein Problem. In Dietenheim ist dies für Telekom-Kunden derzeit aber schwierig, denn seit Juli herrscht dort Funkstille.

Der markante Turm der Dietenheimer Pfarrkirche St. Martin ist schon von weitem sichtbar, und auch die Funksignale der im Turminneren versteckten D1Sendemodule machten nicht an den Ortsgrenzen Halt - bis Ende Juli zumindest. Denn seither fungiert das Wahrzeichen der Illerstadt nicht mehr länger als Funkmast für die Deutsche Telekom. Grund: Die Kirche hat den Mietvertrag gekündigt.

"Bereits im Jahr 2002 hat das Bischöfliche Ordinariat darüber beraten, ob Kirchtürme als Orte für Mobilfunkanlagen genutzt werden sollen beziehungsweise dürfen oder nicht", sagt Stadtpfarrer Gerhard Bundschuh auf Anfrage. Die Empfehlung lautete dabei klar, "in oder auf Kirchtürmen und Kirchen auf den Einbau oder den Ausbau von Mobilfunkantennen zu verzichten".

Begründet wird dies von der Diözese einmal mit der stetigen wissenschaftlichen Diskussion über gesundheitliche Gefahren und Schäden von Mobilfunkstrahlen; zum anderen mit der "unverwechselbaren Bedeutung von Kirchengebäuden" für die Gläubigen, die Gemeinde und die Kultur des Zusammenlebens. All diese Punkte zusammengenommen sowie die Anfrage der Telekom, die vorhandene Anlage im Kirchturm weiter ausbauen zu dürfen, führten Mitte 2013 zur Kündigung des seit langem bestehenden Mietvertrags durch den Dietenheimer Kirchengemeinderat. Ende Juli lief der Kontrakt endgültig aus.

Nachdem der Kirchturm nun keine Funksignale mehr sendet und es die Mobilfunksparte der Telekom in den vergangenen 13 Monaten nicht geschafft hat, neue Sendemodule an einem Ersatzstandort zu installieren, hat man mit einem D1-Handy in Dietenheim nur noch ganz schlechten oder gar keinen Empfang. "Inzwischen ist eine Lösung gefunden", verkündet aber Telekom-Sprecher Markus Jodl.

Neue Signaleinrichtungen sollen "in den nächsten Wochen" am Verteilergebäude der Telekom in der Königstraße installiert werden und wohl Anfang Oktober ans Netz gehen. Die Anträge für die Aufstockung des vorhandenen Sendemasts wurden laut Stadtverwaltung zumindest schon eingereicht und bearbeitet. Auf die Frage, wie ein Sendeausfall über so einen langen Zeitraum zu erklären sei, wusste Jodl keine Antwort. Nur soviel, dass ein solcher Standortwechsel in der Regel mindestens ein Jahr beanspruche und derzeit mit Hochdruck an der Ersatzlösung gearbeitet werde.

Welche Folgen der Funksignalausfall hat, zeigt das Beispiel der Firma Semler in Dietenheim. Sie hat rund 40 D1-Mobilfunkkarten im Betrieb und kommuniziert mit ihren Mitarbeitern über zwei Direktanbindungen der Telefonanlage ans D1-Netz. "Abgesehen davon, dass wir unsere Angestellten auf Dietenheimer Baustellen derzeit nicht erreichen, müssen wir zurzeit ausschließlich über das Festnetz telefonieren", sagt Juniorchef Martin Semler verärgert. Dies bedeute, dass die Leitungen bei Semler meist belegt sind und die Firma für Kunden nicht erreichbar ist.

Besonders ärgert Semler, dass die Telekom ihre Kunden weder im Vorfeld noch jetzt über die Vorgänge informiert habe. Auch ein Entgegenkommen für den Ausfall gebe es nicht. "Wir erwägen deshalb einen Anbieterwechsel", sagt Martin Semler. Ohne den rechtzeitigen Wechsel zu D2 bei seinem Privat-Handy hätte er vermutlich auch die Geburt seines Sohnes verpasst.