MOMENT MAL: Kleine Lektion in der Hölle

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CARSTEN MUTH 21.03.2016

So ein ehrenamtlicher Job als Stadtrat kann die Hölle sein. Die Kommunalpolitiker in Weißenhorn, Elchingen und Illertissen können ein Liedchen davon singen. Stundenlange Sitzungen, nach einem für die meisten Räte ohnehin anstrengenden Arbeitstag sind mitunter alles andere als ein Spaß - erfordern sie doch Konzentration und Durchhaltevermögen. Vor allem dann, wenn es um Themen geht, denen Normalsterbliche auch gut ausgeschlafen kaum in der Lage zu folgen sind - und auch noch die Technik versagt.

In Weißenhorn tagten die Mitglieder des Gremiums mal wieder bis spät in den Abend hinein. Immerhin war man um kurz vor zehn schon bei Tagesordnungspunkt acht angekommen: der Vorstellung eines Energienutzungsplans für die Stadt. Co2-Emissionen, Wärmekataster, Heizsysteme, Abwärmenutzung, Städteraster, Zahlen über Zahlen. Durchaus kompliziert.

Nun tagen sie in der Fuggerstadt bekanntlich im schmucken Sitzungssaal des sanierten Schlosses. "Dem schönsten Sitzungssaal in der Region", wie die Stadtoberen nicht müde werden zu betonen. Alles andere als schön ist es in dem schönsten Saal der Region jedoch, wenn Lautsprecheranlage und Mikrofone schlapp machen. Jedenfalls waren in der Debatte um den Energienutzungsplan lediglich Wortfetzen zu vernehmen, was alle sichtlich nervte - und der Diskussion, nun ja, nicht wirklich zuträglich war.

Auch in Illertissen bewiesen die Stadträte kürzlich jede Menge Sitzfleisch. An die vier Stunden dauerten dort die Beratungen - inklusive einer kleinen Lektion in Sachen Sprachgeschichte. Dank Ansgar Batzner von den Freien Wählern. Er lobte den Arbeitstitel für das geplante Wohnquartier auf dem alten Baywa-Gelände: "Wohnen in guter Nachbarschaft." Wohnen stamme schließlich vom althochdeutschen wonen im Sinne von zufrieden sein. Der Titel passe also ausgezeichnet, befand Batzner. Was zeigt: Gemeinderatssitzungen können die Hölle sein. Manchmal machen sie die Beteiligten aber auch ein wenig schlauer.