Bissingen Moment mal: Ein Bastard aus dem Lonetal

Die neu entdeckte Mehlbeere: Sorbus lonetalensis.
Die neu entdeckte Mehlbeere: Sorbus lonetalensis. © Foto: Bernd Haynold
HELGA MÄCKLE 24.02.2016
Das ist doch mal eine gute Nachricht: Das Lonetal hat seine eigene und einzigartige Mehlbeere: Sorbus lonetalensis. Entdeckt worden sind die Mehlbeeren, auch bekannt als Vogelbeeren, Ebereschen oder Elsbeeren von Steffen Hammel und Bernd Haynold.

Die Hobby-Botaniker haben die Beere inzwischen auch im Band 171 der Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg beschrieben. Wie die Pflanzenkundler mitteilen, gedeiht Sorbus lonetalensis entlang sonniger Waldränder südlich von Bissingen, einem Ortsteil von Herbrechtingen.

Die Mehlbeeren-Experten haben - wie sie mitteilen - den mutmaßlichen Bastard aus Echter und Vogesen-Mehlbeere im Jahr 2014 von Thomas Meyer aus Günzburg gezeigt bekommen und daraufhin mit anderen Arten verglichen. Ziemlich schnell sei klar gewesen, dass es sich bei diesem bis etwa sechs Meter hohen Buschbaum um etwas Neues handle. Wichtigste Merkmale: die gewellten Blattlappen, die gegenüber der Vogesen-Mehlbeere deutlich spitzer ausgeprägt sind. Die Lonetal-Beeren könne man nach den ersten Frösten auch essen. Vor allem im Verbund mit anderen Früchten lassen sie sich zu leckeren Säften, Konfitüre, Essig und - man staune - Wein verarbeiten.

Verwunderlich finden Steffen Hammel aus Erligheim im Kreis Ludwigsburg und Bernd Haynold aus Vellberg bei Schwäbisch Hall, dass die Lonetal-Mehlbeere bislang von Biologen, Förstern und Naturschützern nicht als etwas Eigenständiges erkannt worden ist. Bisher haben die beiden lediglich elf Pflanzen gefunden. Und: Vier davon seien bereits bei Waldarbeiten gerodet worden. Es sei also an der Zeit, etwas für den Schutz der Lonetal-Mehlbeere zu tun. Daher werden die Hobby-Botaniker in nächster Zeit Naturschutz- und Forstbehörden informieren. Das Landratsamt Heidenheim wisse bereits Bescheid. Auch gibt es im Naturkundemuseum in Stuttgart einen "Herbarbeleg": Dieser muss für jede neu entdeckte Pflanze angelegt werden. Die darin beschriebenen Merkmale dienen als Grundlage für den Vergleich mit weiteren neuen Exemplaren und zur Abgrenzung von anderen Arten.