Dornstadt / THOMAS STEIBADLER In Dornsadt ist das Familien- und Generationenzentrum eröffnet worden. Ein Wohnquartier mit Modellcharakter für den Alb-Donau-Kreis.

Nun hat Dornstadt eine Piazza. So bezeichnen die Architekten Berthold Braunger und Marcus Wörtz den Platz in der Mitte des Familien- und Generationenzentrums in der  Ortsmitte. Gestern Nachmittag herrschte auf der Piazza nicht nur mediterrane Hitze, sondern auch mächtig Betrieb. Die Mitarbeiter des Cafés „sichtbar“ hatten alle Hände voll mit der Bewirtung der zahlreichen Gäste zu tun. Grund des Andrangs: Die Kreisbaugesellschaft und die Gemeinde hatten zur Eröffnung des Familien- und Generationenzentrums geladen.

Der Komplex in der Ortsmitte ist in mehrfacher Hinsicht ein Pilotprojekt. Zum einen handelt es sich um die bislang größte Einzelinvestition der Kreisbau (siehe Infokasten), wie deren Geschäftsführer Wolfgang Schneider sagte. Zum anderen werden in Dornstadt „zukunftsweisende Wohnformen“ angeboten. Menschen unterschiedlicher Generationen sollen aber nicht nur nebeneinander wohnen, sondern gemeinsame Aktivitäten entwickeln. Bürgermeister Rainer Braig sprach von einer „großen Wohngemeinschaft“.

In diese Gemeinschaft sollen Bürger aus ganz Dornstadt einbezogen werden. Die Gemeinde hat zu diesem Zweck einen Moderator eingestellt. Christian Renner fungiert als Ansprechpartner, Ideengeber und Koordinator. Er verstehe das Familien- und Generationenzentrum als Ort der Vielfalt, der Toleranz und des gelebten Miteinanders, sagte Renner. Er als Organisator sei aber auf die Mithilfe der Bewohner und anderer Dornstadter angewiesen. Aus einer  Ideen-Werkstatt seien schon wertvolle Impulse gekommen. Am kommenden Donnerstag finde im Kinderhaus ein Informationsabend für Eltern statt. Renner bezeichnete die Familienarbeit als wichtige Säule der Aktivitäten. So werde im Herbst eine Kooperation mit der Ulmer Familien-Bildungsstätte beginnen. Um ein Gesamtkonzept für das Familien- und Generationenzentrum zu entwickeln, werde eine Planungsgruppe gebildet.

Schon vor neun Jahren, bei seinem Amtsantritt in Dornstadt, habe die Bebauung des Alten Sportplatzes am Jahnweg die Kommunalpolitik beschäftigt, sagte Braig. Das damals diskutierte Konzept eines konventionellen Wohngebiets habe ihn aber nicht überzeugt. An der Stelle sollte etwas Besonderes, Zukunftsweisendes entstehen. Die anschließenden Diskussion im Gemeinderat hätten sich als „unerwartet nervenaufreibend“ erwiesen, mindestens zweimal habe er gedacht, das Projekt sei am Ende, gab Braig zu.

Außer dem Kinderhaus und den Bewohnern soll auch das Café für Leben im Quartier sorgen. Das Lokal wird von der Insiva, einer Integrationsfirma der LWV-Eingliederungshilfe betrieben.  Die Insiva bietet Menschen mit Behinderung sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Nach Auskunft von Geschäftsführer Michael Kiefer sind in der „sichtbar“ zwei feste Mitarbeiter mit Behinderung und eine Praktikantin mit Behinderung beschäftigt. Das Lokal verfügt über 100 Sitzplätze, die Hälfte davon auf der Terrasse. „Ein Café im Quartier ist toll“, betonte der Bürgermeister, und die Insiva als Betreiber „passt genau zu unserer Konzeption“.

Café, Terrasse und Piazza könnten auch die Anwohner für die Unannehmlichkeiten der zweijährigen Bauzeit – Lärm, Schmutz, Parkplatzmangel – entschädigen, sagte Kreisbau-Geschäftsführer Schneider. Und sie vielleicht dazu anregen, sich an den Aktivitäten des Zentrums zu beteiligen. Ein Projekt, aus dem die Kreisbau Schneider zufolge lernen möchte, um es „an anderer Stelle im Alb-Donau-Kreis“ zu wiederholen. Die kreisweite Bedeutung des Modellvorhabens unterstrichen auch Landrat Heinz Seiffert, sein Stellvertreter und designierter Nachfolger Heiner Scheffold sowie viele Kreisräte durch ihre Anwesenheit.

12,5-Millionen-Euro-Projekt

Zahlen Das Familien- und Generationenzentrum hat insgesamt 12,5 Millionen Euro gekostet. Darin enthalten sind etwa drei Millionen der Gemeinde Dornstadt für Kinderhaus, Mehrzweckraum und Außenanlagen. Spatenstich für das Projekt der Kreisbau war am 3. Juni 2014. Das Kinderhaus hat im August 2015 den Betrieb aufgenommen. Die gesamte Anlage ist vor wenigen Wochen, am 9. Juni, baurechtlich abgenommen worden. Das Grundstück ist knapp 5200 Quadratmeter groß – Beleg dafür, dass der Alte Sportplatz in der Ortsmitte ein recht kleines Fußballfeld war. Außer dem Kinderhaus gehören drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Wohnungen, 13 Apartments, zwei Einfamilienhäuser und eine Tiefgarage zum Familien- und Generationenzentrum. Alle Häuser und Wohnungen sind barrierefrei, zwei Wohnungen für Rollstuhlfahrer geeignet. In einer großen Vier-Zimmer-Wohnung wird die Reha Südwest eine Wohngruppe für Menschen mit Behinderung einrichten. Ende des Jahres soll ein Facharzt für Allgemeinmedizin seine Praxis eröffnen, bereits im Juli eine Praxis für medizinische Fußpflege.