Diskussion Mobilfunkmast auf Schuldach sorgt für Protest

Von Michael Seefelder 08.11.2018

Über die Frage, ob von Mobilfunkmasten gesundheitsgefährdende Strahlung ausgeht, wird seit Jahren an wechselnden Schauplätzen leidenschaftlich diskutiert. Auch in den Schwendier Ortsteilen Sießen im Wald und Schönebürg kämpfen aktuell zwei Initiativen gegen eine bereits vollzogene und eine geplante Errichtung eines Mastens durch die Telekom. Doch hier ist der Fall speziell: Denn als Standorte für die Anlagen sind die Schulhäuser in Hörenhausen und Schönebürg gewählt worden.

In Hörenhausen geht der Mast bald in Betrieb, in Schönebürg, wo 300 Unterschriften gesammelt wurden, ist er vertraglich vereinbart. Das weckt große Skepsis bei den Mitgliedern der örtlichen Initiativen, denn es sei keineswegs gesichert, dass die Funkwellen der Masten für Kinder und auch Erwachsene ungefährlich seien, argumentieren sie. Gleichzeitig bemängeln sie eine aus ihrer Sicht völlig misslungene Informationspolitik aller an der Entscheidung beteiligten Akteure. Es seien Fakten geschaffen worden, ohne die Öffentlichkeit rechtzeitig und aktiv einzubinden, so der Standpunkt der Kritiker.

Wie Josef Thanner aus Hörenhausen, Mitglied der Sießener Initiative, sagt, fühlen er und seine Mitstreiter sich von Ämtern und Behörden „ausgetrickst“. Denn sie seien zunächst hingehalten worden. Später habe es dann geheißen, der Mast in Hörenhausen stünde ja bereits. Für eine Standort-Diskussion sei es nun zu spät. Thanner kritisiert, dass bei Ankündigungen von Sitzungen des Ortschaftsrates oder des Gemeinderates der Punkt entweder inhaltlich nicht erkennbar gewesen sei oder aber bei der Sitzung des Gemeinderates am 2. November 2017, in der der Mast in Sießen genehmigt wurde, die ganze Tagesordnung genau und ganz gelesen werden musste.

Zeit zu reagieren wäre ohnehin kaum gewesen, sagt Thanner. „Eine konstruktive Informationspolitik sieht anders aus“, betont er und erklärt: „Das schreibe ich uns zugute, dass wir Öffentlichkeit hergestellt haben.“ Dass der Mobilfunk-Empfang in Weihungszell verbessert werden muss, wollen Thanner und die anderen Mitglieder der Initiative nicht in Abrede stellen. Das war von vielen Bürgern und der Gemeinde vehement auch so eingefordert worden. Vielmehr ist es der Standort, der sauer aufstößt. „Wir Eltern haben gegenüber unseren Kindern auch eine Sorgfaltspflicht“, betont Bettina Schenk. Sie hofft immer noch, dass ein anderer Platz gefunden werden kann.

Josef Thanner verweist auf die Stadt Ulm, die bei Mobilfunkanlagen Schutzzonen um Kindergärten, Schulen und Kliniken definiert. Überhaupt sei unklar, warum die Schule als Ort für die Mobilfunkmasten ausgewählt worden sei. Gemeinde und die Deutsche Funkturm GmbH, die zur deutschen Telekom-Gruppe gehört, äußerten sich dazu widersprüchlich. „Alternativen gäbe es“, ist Thanner überzeugt. Die Initiative schlägt für Sießen einen Standort am Wald vor, 500 Meter entfernt vom Schulhaus.

Eine Anfrage bei der Deutschen Telekom, warum die Standorte auf den Schulhäusern ausgewählt wurden und ob alternative Plätze geprüft wurden, blieb gestern bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Schwendies Bürgermeister Günther Karremann war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Münchner Professor referiert über Strahlen

Vortrag Zahlreiche Behörden haben die Mitglieder der Initiativen „Standortverlegung Mobilfunkmast“ Sießen im Wald und Schönebürg bereits angeschrieben, viele Gespräche geführt. Nun veranstalten sie gemeinsam mit dem BUND Schwendi und dem ÖDP-Kreisverband Biberach einen Informationsabend für Interessierte im Sportheim der Sportfreunde Sießen im Wald. Termin ist am Samstag, 17. November, um 19 Uhr. Als Gast ist dazu der Physiker Professor Dr. Klaus Buchner aus München eingeladen, der auch für die ÖDP im Europäischen Parlament sitzt. Der Titel der Veranstaltung lautet „Strahlen durch Funkmasten oder Smartphones in Zeiten von 5G“.

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