Heidi Strikinac ist eine vielbeschäftigte Frau. Die Leiterin des Tafelladens in Weißenhorn hat in den vergangenen Tagen freiwillige Helfer koordiniert, Lieferungen abgewickelt, mit Behörden telefoniert und den Überblick bewahrt. Dabei stand es Mitte März noch schlecht um den Laden an der Hauptstraße.

Dem Virus zum Trotz

Denn das Coronavirus hatte die alltäglichen Abläufe des Tafelladens in Weißenhorn zum Erliegen gebracht. Die Bestimmungen für den Infektionsschutz hatten einen weiteren Verkauf von Lebensmitteln unmöglich gemacht. „Wir mussten die Sicherheit unserer ehrenamtlichen Helfer, aber auch die der Kunden gewährleisten können“, erzählt Strikinac. Auf die Schnelle habe man jedoch nicht auf die Einschränkungen durch die bayerische Landesregierung reagieren können und darum den Laden am 19. März geschlossen.

Am 8. und am 15. April soll nun zumindest wieder eine kurzfristige Ausgabe von Lebensmitteln und Hygieneartikeln stattfinden. Allerdings nicht in den Räumen des Tafelladens und nur unter speziellen Bedingungen. „Die Stadt hat uns die Turnhalle der Grundschule Süd zur Verfügung gestellt. Dort können wir gewährleisten, dass ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden kann“, erklärt Heidi Strikinac, und in ihrer Stimme schwingt eine gewisse Erleichterung mit. „Für uns gab es gar keine andere Möglichkeit, als so schnell wie möglich wieder weiterzumachen. Die Not der Menschen bleibt, auch und ganz besonders in Krisenzeiten.“

Tüten und Gutscheine gegen die Not

Von 15.30 bis 17 Uhr können  Bedürftige, also Hartz-IV-, Grundsicherungs- und Wohngeldempfänger, bereits fertig gepackte Tüten im Vorbau der Turnhalle gegen ein Entgelt von zwei Euro kaufen. Zudem erhalten die Kunden – pro Person im Haushalt – Lebensmittelgutscheine im Wert von je 20 Euro, die in verschiedenen Supermärkten in der Region eingetauscht werden können. Die Gutscheine werden im Rahmen der Aktion 100 000 der SÜDWEST PRESSE finanziert. In den vergangenen zwei Wochen konnten so bereits mehr als 95 000 Euro gesammelt werden, die nun den zehn Tafelläden in Ulm, Neu-Ulm und im Landkreis Alb-Donau zu Gute kommen.

„In Zeiten wie diesen, ist es wichtig, auch die Menschen nicht zu vergessen, die Hilfe benötigen“, betont Weißenhorns Bürgermeister, Wolfgang Fendt. Die Gemeinde hilft mit der Turnhalle als örtliche Alternative nicht nur organisatorisch, sondern unterstützt zusätzlich auch die Aktion 100 000. „Hier beweist sich, wie gut eine Gesellschaft zusammen steht und gemeinsam hilft.“

Engagement willkommen

Die Unterstützung, die Heidi Strikinac und ihre Mitarbeiter derzeit erhalten, berührt die 70-Jährige. Denn so war es nicht immer: „Allein der Besuch des Tafelladens ist für viele mit Scham behaftet. Zusätzlich kommt fehlendes Verständnis für unser Engagement. Da heißt es dann ,Warum tust du das?’“ Eine Frage, über die sich Strikinac nur wundern kann. „Einer muss es ja tun. Und gerade durch das Coronavirus wird sich die finanzielle Situation für viele Menschen noch einmal verschärfen.“ Aus diesem Grund freut sich die Leiterin des Tafelladens umso mehr, dass derzeit viele Anfragen von Personen kommen, die helfen möchten. „Ich wünsche mir, dass diese Engagement auch über die Krise hinweg bestehen bleibt“, betont Heidi Strikinac.

Für sie und ihre rund 30 Mitarbeiter gilt es nun, Brot, Marmelade, Joghurt, aber auch Tee und Shampoo in den lokalen Geschäften abzuholen, zu sortieren und einzupacken. Zusätzlich müssen noch weitere Sicherheitsvorkehrungen organisiert werden. Die große Plexiglaswand für die Kasse und Ausgabe stehen bereits. Ein Problem bleibt: Die Turnhalle der Grundschule kann voraussichtlich nicht dauerhaft genutzt werden. „Wir planen gerade nur für den Moment, also bis nächste Woche“, sagt Strikinac. Doch sie bleibt zuversichtlich. „Unser Team ist super, und wir werden uns auch weiter für die 245 Menschen einsetzen, die unser Angebot in Anspruch nehmen.“

Wohin spenden, wo Hilfe finden ?


Bankdaten Die Aktion 100 000 der SÜDWEST PRESSE kann durch Spenden weiter unterstützt werden. Stichwort „Tafelladen“. Spendenkonten: Volksbank Ulm-Biberach (IBAN: DE 7963 0901 0000 0236 4018) und Sparkasse Ulm (IBAN: DE 4763 0500 0000 0010 0003); Der Überweisungsträger gilt bis 200 Euro als Zuwendungsbescheid beim Finanzamt; ab 201 Euro gibt es diesen bei der Aktion.

Öffnungszeiten Die Tafelläden haben individuell auf die neuen Umstände reagiert. Die Stadt Neu-Ulm hat die Mensa der alten FH (Steubenstraße) zur Verfügung gestellt. Dort findet die Verteilung ebenfalls mittwochs statt, allerdings zwischen 13 und 15 Uhr statt. Auch dort werden Gutscheine ausgegeben. In Senden, Blaustein und Langenau werden die Gutscheine über das Register der Kundenkarten der Gemeinden postalisch zugestellt.