Waidwerk Mit mächtig Gebrüll durch den Wald

Weidenstetten / Von Henri Gallbronner 04.12.2018

Hossa! He! Hopp!“ schallt es durch den Wald bei Weidenstetten. Im Abstand von jeweils 20 Metern kämpfen sich Männer in orange leuchtenden Warnwesten durch das Unterholz und schlagen mit Stöcken gegen die Baumstämme. Ungefähr 50 Treiber, die in Kleingruppen aufgeteilt sind, versuchen so, das Wild in seinen Verstecken aufzuschrecken.

Ziel einer solchen Drückjagd, wie sie im Fachjargon heißt, sind vorwiegend Wildschweine. „Die Drückjagd ist eine der effektivsten Methoden der Schwarzwildbejagung“, erklärt Jan Duvenhorst vom Fachdienst Forst, Naturschutz im Landratsamt, der gemeinsam mit Revierförster Mirko Keber die Jagd leitet. Anders seien die Wildschweine kaum zu bekommen.

Duvenhorst sieht eine solche Jagd, die in der Regel ein Mal im Jahr auf dem gleichen Gebiet durchgeführt wird, auch als „Dienstleistung an der Landwirtschaft“. Zum einen, weil Wildschweine erhebliche  Schäden auf den Äckern verursachen können. Zum anderen als Prävention gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest, die bereits in einigen Nachbarländern grassiert. Duvenhorst freut sich deshalb, dass viele Landwirte aus den umliegenden Dörfern als Treiber mithelfen.

Vor der Jagd werden alle 37 Schützen, unter ihnen Landrat Heiner Scheffold, noch einmal zusammengerufen. Im Halbkreis stehen sie um die beiden Förster Duvenhorst und Keber. Die Jagdleiter gehen noch einmal die wichtigsten Regeln durch: Rettungspunkte werden erklärt, und auch die ethischen Grundsätze. „Kitz vor Geiß“ lautet einer: Kein Rehkitz soll seine Mutter verlieren, daher werden die Jungtiere zuerst geschossen. Beim Schwarzwild dürfen keine so genannten führenden Bachen geschossen werden, also Muttertiere, die Frischlinge mit gestreiftem Fell bei sich haben. Nach der Einweisung verteilen sich die Treiber und Schützen auf ihre Positionen.

Etwa eineinhalb Stunden stapfen die Treiber durch den Wald mit vielen jungen Buchen. Dabei wiederholt sich der immer gleiche Ablauf: aufstellen, loslaufen, an der nächsten Gasse stehen bleiben, Sichtkontakt zu den Nebenleuten herstellen, weiterlaufen. Nicht lange, und man ist von oben bis unten durchnässt. Trifft eine Gruppe auf Wild, ertönt sofort der Ruf „Reh!“ zwischen den Bäumen. Ertönen Schüsse, wird gleich gerätselt, ob die Schussfolge eher auf Reh- oder auf Schwarzwild schließen lässt.

Mehr Rehe erlegt

Am Ende sind es doch deutlich mehr Rehe als Schweine, die erlegt wurden und am „Aufbruchplatz“ hängen, wo den Tieren die Innereien entnommen werden. 23 Rehe und neun Wildschweine zählen die Jäger vor Ende der „Nachsuchen“, bei denen tote und möglicherweise verletzte Tiere aufgespürt werden sollen. Jan Duvenhorst ist trotzdem zufrieden, schließlich sei das schlaue Schwarzwild wesentlich schwieriger zu erlegen.

Auch für die „Schussdisziplin“ der Schützen hat der Jagdleiter Lob. Nur 1,5 Mal so viele Schüsse wurden abgegeben wie Tiere erlegt wurden. Die Zahl der Fehlschüsse hielt sich also in Grenzen. Schließlich, erklärt, Duvenhorst, soll man nur abdrücken, wenn man sicher ist, zu treffen.

Nachdem sich die Jagdteilnehmer mit Gulaschsuppe gestärkt haben, folgt der traditionelle Abschluss der Jagd. Jedem der 17 erfolgreichen Schützen überreicht Duvenhorst einen „Bruch“, also einen Tannenzweig. Außerdem wird ihm „Waidmanns Heil“ gewünscht. Jagdhornbläser dürfen natürlich nicht fehlen. Die kommen heutzutage allerdings nur nach der Jagd zum Einsatz: „Die Sauen sind auch nicht dümmer geworden“, erklärt Duvenhorst.

Reichlich Futter für Wildschweine

Population Für Wildschweine war das Wetter in diesem Jahr fast ideal, sagt Förster Jan Duvenhorst. Im Februar und März noch kalt, seither immer wärmer als im langjährigen Mittel. Hinzu kommt eine üppige Nahrungsgrundlage: Der Wald ist voll mit Bucheckern und Eicheln. Wie sich die Wildschwein-Population weiterentwickelt, hängt vom Winterwetter ab. Je milder, desto mehr Tiere. Um die Bestände zu kontrollieren, organisiert der Fachdienst Forst, Naturschutz pro Jahr etwa zehn solcher Drückjagden wie jetzt bei Weidenstetten.

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