"So ist es bei uns zu Beginn des Winters", sagt Mariana bibbernd, während sie vom Dach der halbfertigen Tenne klettert. Mit Bauwerkzeug kann die 19-jährige portugiesische Architekturstudentin besser umgehen als mit den zur Zeit doch sehr frischen "Sommer"-Temperaturen, die Radelstetten nach dem Hoch der vergangenen Wochen schlagartig abgekühlt haben.

Mariana ist Teil des "Internationalen Workcamps", einem Bauteam von 37 jungen Menschen aus 10 Nationen. Die Helfer im Alter von 17 bis 35 Jahren kommen auch aus Nigeria, Palästina, Rumänien, Slowakei, Sudan, Argentinien, Frankreich, Litauen, Polen. Das scheunenähnliche Gebäude, das sie gerade auf dem Gelände des Freizeitheims Otto-Groß-Haus errichten, soll diesem Gästehaus des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) künftig als weiterer Aufenthaltsraum dienen.

Christlich-motiviert sind auch die Helfer, die in Radelstetten "dem Glauben mit Hammer und Säge Ausdruck geben". So umschreibt das Evangelische Jugendwerk Baden-Württemberg in einer Information die Idee der Workcamps. Vor genau 50 Jahren hat das erste stattgefunden, damals hieß es noch Aufbaulager. Seitdem gab es 116 Einsätze in 22 Ländern an über 60 Orten in denen mehr als 4000 junge Menschen mitgearbeitet haben. "Früher ging es mehr um das Bauen, heute überwiegt der Begegnungscharakter", sagt Sabine Österreicher, die pädagogische Leiterin des Jubiläums- Camps. Dieses sollte nun auch etwas Besonderes sein: Statt wie bisher als deutscher Helfertrupp ins Ausland zu reisen, um dort mit befreundeten Gruppen Aufbauarbeit zu leisten, habe man zum "50-Jährigen" Abgesandte der Partnerländer nach Deutschland eingeladen, erklärt Österreicher.

Aber nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Beten, Singen, Feiern, Reden, Ausflüge machen. "Das gemeinsame Arbeiten führt die Leute aber leichter und enger zusammen als das Freizeitprogramm", urteilt der 27-jährige Radu. Der Rumäne nimmt zum dritten Mal an einem evangelischen Austauschprogramm teil, doch es ist sein erstes Workcamp. Eine Erfahrung, die er schon jetzt nicht mehr missen möchte: "Es ist ein gutes Gefühl, dass nach unserem zweiwöchigen Aufenthalt etwas zurückbleibt, das einen Nutzen und Bestand hat. So ein Treffen finde ich viel besser, als nur spaßmäßig unterwegs zu sein."