Blutkrebs Mit gemeinsamer Registrierung Leben retten

Der 19-jährige Luca Riederich lässt sich registrieren und ist bereit, Leben zu retten – er denkt bei der DKMS-Registrierungsaktion in Temmenhausen  auch an seinen ehemaligen Schlagzeuglehrer, der an Leukämie gestorben ist.
Der 19-jährige Luca Riederich lässt sich registrieren und ist bereit, Leben zu retten – er denkt bei der DKMS-Registrierungsaktion in Temmenhausen  auch an seinen ehemaligen Schlagzeuglehrer, der an Leukämie gestorben ist. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Lisa Maria Sporrer 05.11.2018

Die Geschichte seines Arbeitskollegen hat David Koch tief berührt. „Er hat einem 35-jährigen Griechen das Leben gerettet.“ Der Mann litt an Blutkrebs, die Stammzellen von Kochs Arbeitskollegen passten. „Und damals habe ich mir gedacht: Warum bin ich nicht als Spender registriert?“, sagt Koch. Er hat es nachgeholt – und nun auch viele weitere dazu motiviert, sich bei der DKMS – früher: Deutsche Knochenmarkspendedatei – registrieren zu lassen. Indem er die Idee zu einer Registrierungsaktion in Dornstadt-Temmenhausen am Freitagabend lieferte.

Zahlreiche potentielle Spender kamen dazu ins Feuerwehrhaus in Temmenhausen. An neun Tischen konnten sie sich von Helfern aufklären und beraten lassen. Die Proben entnahmen sie währenddessen selber aus ihrem Mund: Per Wangenabstrich mit drei Wattestäbchen, die anschließend in Plastiktütchen verpackt und an die DKMS nach Tübingen geschickt werden. „Man kann zwar auch von Zuhause aus tätig werden, aber die Hemmschwelle, so etwas zu machen, ist viel höher“, sagt Koch: „Das Thema Leukämie ist für viele Leute einfach zu weit weg.“

Nach den Abstrichen müssen Spendewillige noch einen Bogen mit Namen, Adresse, Alter und Gewicht ausfüllen. „Und das war´s“, sagt Sebastian Nychajliw, einer der Helfer: „Das ist eine einfache Geschichte und wenn man so was groß aufzieht, kann man wirklich was erreichen.“

Groß aufziehen, das bedeutet auch: David Koch und sein Freund Daniel Schmuck haben mit weiteren Helfern die Vereine in den Nachbardörfern abgeklappert, um auf die Registrierungsaktion hinzuweisen. „Wir sind zu Feuerwehren gefahren, waren bei Versammlungen bei Musik- und Sportvereinen und haben Proben von örtlichen Chören besucht, um ihnen von der Spendenregistrierung zu erzählen. Das kam echt gut an“, sagt Koch.

Veranstalter waren schließlich der Sportverein Scharenstetten und das Temmenhausener Jugendhaus „Molke“: Weil die Helfer entweder im Jugendhaus oder im Sportverein aktiv sind. Schon im Vorfeld hatte Koch mit der DKMS telefoniert, die ihm 300 Registrierungs-Sets geschickt hatte. „Ich denke, bei dem Zuspruch, den wir bekommen, werden nicht viele davon unbenutzt bleiben.“

Die 27-jährige Larissa Weber, die mit ihrem Mann Benjamin und dem anderthalbjährigen Sohn Luca am Freitag ins Feuerwehrhaus kam, findet die Aktion toll: „Ich habe tatsächlich so ein Set voller Stäbchen daheim. Aber so was macht man einfach nicht alleine. Wobei es so wichtig wäre“, sagt sie, und blickt dabei  auf ihren Sohn, den sie im Arm hält: „Es kann ja immer etwas passieren, und da ist es gut, wenn man helfen kann.“

Das sieht auch Luca Riederich so: Er erzählt von seinem Schlagzeuglehrer, der an Blutkrebs erkrankte. „Leider sei er mittlerweile daran gestorben“, sagt der 19-Jährige: „Ich mache mir schon Gedanken, ob ich nicht hätte helfen können, wenn ich mich früher registriert hätte.“

Übereinstimmungen sind selten, Spender gesucht

Merkmale Einen geeigneten Stammzellspender zu finden, ist gar nicht so einfach. Eine Übereinstimmung von Gewebemerkmalen zwischen nichtverwandten Spendern und Patienten ist äußert selten: Inzwischen sind mehr als 17 000 verschiedene Gewebemerkmale bekannt, die in Abermillionen Kombinationen auftreten können.

Organisation Bei der DKMS sind rund acht Millionen Spender registriert – trotzdem warten viele Leukämiekranke auf Spenden. Dafür gibt es verschiedene Verfahren: Bei 80 Prozent der Spenden genügt die periphere Entnahme ohne  Operation. Die zweite, aufwendigere Methode ist die Knochenmarkentnahme.

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