Kommunikation Mit der Post gegen Funklöcher

Nur auf dem Balkon ihres Hauses in Erstetten kann Heidrun Eckhardt mit ihrem Handy SMS empfangen und manchmal sogar telefonieren. Schlecht verteilte Funkmasten sind der Grund.
Nur auf dem Balkon ihres Hauses in Erstetten kann Heidrun Eckhardt mit ihrem Handy SMS empfangen und manchmal sogar telefonieren. Schlecht verteilte Funkmasten sind der Grund. © Foto: Matthias Kessler
Blaubeuren / Thomas Spanhel 13.06.2018

Funklöcher allerorten. Das Blaubeurer Rathaus hat Hinweise von Bürgern und Ortsverwaltungen über die mangelhafte Mobilfunk-Versorgung in den Ortsteilen gesammelt und an Andreas Scheuer (CSU) geschickt, den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Die Sache sei so wichtig wie der Breitband-Ausbau und müsse von der Politik „dringend“ reguliert werden, da die Marktanbieter offenbar keinen wirtschaftlichen Nutzen sehen, sagt Bürgermeister Jörg Seibold. Die Stadt biete sich „gerne“ für ein Pilotprojekt an.

„Eine zügige Verbesserung des Mobilfunknetzes ist dringend erforderlich“, schrieb Seibold. Gewerbebetriebe auf dem Land, Unternehmen, Bauernhöfe, die Stadtverwaltung aber auch Privatleute seien von den Funklöchern betroffen. Viele technische Anwendungen würden inzwischen auf mobilem Daten-Empfang basieren. Es gehe darum, dass Menschen im ländlichen Raum nicht vom „gewohnten Lebensstandard abgehängt werden“.

Anlass für Seibolds Brief war Scheuers Ankündigung, eine App einzurichten, um Funklöcher melden zu können. In Blaubeuren stellt sich die Situation so dar:

Asch: Das Mobilfunknetz in Asch ist schlecht. Meist lässt sich nur in den Obergeschossen oder auf dem Balkon eine Verbindung herstellen. Auf der Straße ist die Versorgung punktuell besser. Im tiefer liegenden Ortskern rund um die Hüle komme je nach Anbieter keine Verbindung zustande.

Seißen: Das O2-Mobilfunknetz ist das am besten funktionierende Netz in dem Dorf und im Wohnbaugebiet Steigziegelhütte, jedoch nicht überall gleichermaßen. Das D1-Netz funktioniert eher schlecht, am Sportheim ist kein Empfang möglich, auch in der Steigziegelhütte gibt es zum Teil keinen Empfang. Das D2-Netz ist noch schlechter – einen Empfang gibt es nur auf dem Friedhof und am Parkplatz der Mehrzweckhalle.

Sonderbuch: Fast überall ist mobiles Telefonieren möglich, auch wenn die vorgegebenen Übertragungsgeschwindigkeiten selten erreicht werden. Der Versuch, einen neuen Mobilfunkmasten beim Landsitzle in Sonderbuch zu errichten, scheiterte.
Erstetten: In dieser Ortschaft ist die Situation besonders schlecht: In den Gebäuden geht gar nichts. Weder O2 noch D1 funktionieren, das D2-Netz nur sehr eingeschränkt.

Sotzenhausen: Das O2-Netz funktioniert überhaupt nicht, das D1- und D2-Netz ist  nur teilweise nutzbar.

Beiningen: In der höheren Lage klappt der Mobilfunkempfang recht gut, in der Dorfmitte nur eingeschränkt und im unteren Ortsteil gar nicht. Nichts geht mit dem Handy auch in der „Neuen Mitte“.

Pappelau: Der Blaubeurer Teilort ist bis auf Einschränkungen im O2-Netz gut versorgt.

Mobilfunk ähnlich wichtig wie Breitband

Versorgung Trotz ausgehandelter Verträge der Stadt über Funkstationen in Seißen und Sonderbuch wurden entsprechende Bauten bisher nicht errichtet. In Seißen ist in offiziellen Plänen von O2 sogar ein Funkmast als eingezeichnet, obwohl dieser gar nicht existiert. Im Brief an den Minister verweist Bürgermeister Seibold auf Informationen über Funklöcher, die Leser der SÜDWEST PRESSE mitteilten.

Schreiben Der Brief an Bundesminister Andreas Scheuer ging auch an Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region. Ziel: Die Übereinkunft, dass ein intaktes Mobilfunknetz für den ländlichen Raum ähnlich wichtig ist wie der Breitbandausbau.

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