Nahverkehr Mit dem „Schlaubusle“ vom Hochsträß nach Blaubeuren

Von Thomas Spanhel 22.12.2017

Der öffentliche Nahverkehr lässt zu wünschen übrig, darunter leidet die Lebensqualität in den Orten auf dem Hochsträß. Das stellt der Blaubeurer Arbeitskreis Mobilität fest und fordert Abhilfe. Regelmäßige Busverbindungen seien unabdingbar, nur so könnten gleiche Lebensbedingungen auch auf dem Land hergestellt werden, sagt Arbeitskreis-Mitglied Gert Wich.

Zu den wichtigsten Zielen des Arbeitskreises gehört ein Bürgerbus. Ein mit umweltfreundlichem Antrieb ausgestattetes Fahrzeug könnte helfen, Lücken in den Fahrplänen des öffentlichen Nahverkehrs zu stopfen. Auch in Blaustein und Erbach gebe es solche Überlegungen. Zusammen mit einem Bus zwischen Markbronn und Bermaringen ließe sich ein Ringverkehr zwischen Blaubeuren, Alb, Blaustein und Hochsträß etablieren. Die Landesförderung würde die beteiligten Kommunen entlasten.

Um einen Bürgerbus möglichst wirschaftlich zu machen, schwebt dem Arbeitskreis vor, auch geschäftliche Aufträge damit abzudecken. Der Bus könne zum Liefertaxi werden, das außer Passagieren auch Waren transportiert, schägt Rudi Seidel vor. Davon könnten auch die Blaubeurer Händler profitieren. Seidel nennt einen weiteren möglichen Effekt: „Das würde den innerstädtischen Verkehr ziemlich reduzieren.“ Einen Namen für diesen Bürger- und Geschäftsbus haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises auch ausgedacht: „Schlaubusle“.

Die Fahrpläne der Buslinien seien trotz einiger Verbesserungen noch lückenhaft. Jugendliche müssten weite Wege auf sich nehmen, um ihren Ausbildungsplatz oder die Berufsschule zu erreichen. Hans Bührle weist darauf hin, dass auch in Richtung des Ulmer Industriegebiets Donautal kaum Verbindungen existierten. Abends, ergänzt Annett Zinapold, sei es unmöglich, mit dem Bus vom Blautal oder von Erbach her nach Beiningen oder Pappelau zu kommen.

Für die nächtliche Wochenend-Heimfahrt aus Ulm kann nach Ansicht der Arbeitskreis-Mitglieder die Nachtbuslinie nach Arnegg genutzt werden. Das Ruftaxi, bislang bis Markbronn angeboten, könnte bis Beiningen fahren. Ebenso könnte das Ruftaxi zwischen Erbach und Ringingen bis Beiningen verlängert werden. Auch Hochsträß-Bewohner hätten dann die Möglichkeit, mit dem letzten Bus um 3.30 Uhr ab Ulm nach Hause zu fahren.

Ein Ruftaxi gibt es bereits zwischen Blaubeuren und Weiler, um während der Ferien den Schulbus zu ersetzten. Das Angebot werde aber wenig genutzt, stellt der Arbeitskreis fest und macht dafür auch die spärliche Werbung verantwortlich. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit müsse mit der Ausweitung des Angebots auf andere Teilorte einhergehen.

Dass der Bedarf vorhanden ist, steht für die Mitglieder des Arbeitskreises außer Zweifel. „Wenn ein Grundangebot des öffentlichen Nahverkehrs da ist, wird das auch genutzt“, sagt Inge Hagmann. Das sehe man in Ulm und seinen Teilorten Einsingen, Eggingen und Ermingen: Dank der guten Anbindung gebe es da einige Bewohner, die sich zumindest ein Zweitauto sparten.

Das Thema nicht aus den Augen verlieren

Ausdauer Der Arbeitskreis Mobilität ist ein Produkt der Bürgerbeteiligung in den Blaubeurer Teilorten und in Pappelau gegründet worden. Mit der Unterstützung durch die Stadtverwaltung sind die Mitglieder zufrieden. „Sonst hätten wir wahrscheinlich schon aufgehört“, meint Rudi Seidel. Auch mit anderen Akteuren des öffentlichen Nahverkehrs sei der Arbeitskreis im Gespräch. Aber alles brauche viel Zeit. „Wir sehen unsere Aufgabe deshalb vor allem darin, den ÖPNV nicht aus den Augen zu verlieren und sich für ihn stark zu machen.“