Verkehrssicherheit Minister Hermann bestellt Zäune gegen Gaffer

Mit solchen Sichtschutzwänden sollen Unfallopfer und Helfer vor Gafferblicken bewahrt werden. Verkehrsminister Winfried Hermann hat beim Probe-Aufstellen im Hof der Autobahnmeisterei Ulm geholfen.
Mit solchen Sichtschutzwänden sollen Unfallopfer und Helfer vor Gafferblicken bewahrt werden. Verkehrsminister Winfried Hermann hat beim Probe-Aufstellen im Hof der Autobahnmeisterei Ulm geholfen. © Foto: Matthias Kessler
Von Thomas Steibadler 24.08.2018

Auf die Mitarbeiter der Autobahnmeistereien in Baden-Württemberg kommt eine neue Aufgabe zu. Nach schweren Unfällen sollen sie auf Anordnung der Polizei Sichtschutzwände aufstellen. Gestern hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat die Autobahnmeisterei Ulm bei Dornstadt besucht, die als erste im Land über ein Sichtschutz-Set verfügt. Im Laufe dieses Jahres sollen weitere sieben Autobahnmeistereien ausgestattet werden, 2019 die restlichen acht.

Abbremsen und Schauen seien natürliche Reaktionen, wenn man eine Unfallstelle passiere, sagte Hermann. „Aber in den vergangenen Jahren ist aus Schauen Gaffen geworden.“ Immer häufiger werde auch das Handy gezückt, fotografiert oder gefilmt – während wenige Meter entfernt ein schwer verletzter Mensch liegt „oder gar jemand mit dem Tode ringt“. Hermann: „Das wollen wir abstellen.“

Der Minister betonte auch den Sicherheitsaspekt der etwa 2,10 Meter hohen Sichtschutz-Elemente: „Wir wissen, dass viele Folge-Unfälle durch Gaffen passieren“. Dem solle nun durch den Wegfall des Schau-Charakters vorgebeugt werden.

Nach Vorstellung des Ministeriums sollen die Mitarbeiter der Autobahnmeistereien innerhalb von 20 bis 30 Minuten nach Anforderung durch die Polizei an der Unfallstelle sein. Vorausgesetzt, die Auto- und Lastwagenfahrer bilden wie vorgeschrieben eine Rettungsgasse und lassen den Transporter passieren. Dieser ist wie alle Fahrzeuge der Autobahnmeistereien mit gelbem Blinklicht ausgestattet und bringt die Sichtschutzwände per Anhänger zur Unfallstelle.

Die einzelnen Elemente werden – vergleichbar mit einem Bauzaun – zusammengesteckt und bilden eine bis zu 100 Meter lange Sichtschutzwand. Hermann zufolge ist der Aufbau zwar einfach und schnell. Die Polizei werde die Elemente aber nur nach schweren Unfällen anfordern, wenn die Rettungs- und Aufräumarbeiten voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Wenn der Sichtschutz dann zwei Stunden stehe, „sind das zwei Stunden weniger Gafferei“.

Etwa 45 000 Euro kosten Sichtschutz und Transportanhänger pro Standort. Die Ausstattung aller Autobahnmeistereien im Land schlägt also mit 720 000 Euro zu Buche, die nach Hermanns Worten der Bund bezahlt.

Schneepflug mit vier Achsen

Den 38 Mitarbeitern der Autobahnmeisterei Ulm steht eine weitere Neu-Anschaffung zur Verfügung: das erste vierachsige Räumfahrzeug im Land. Der Lastwagen hat einschließlich der diversen Anbauten 340 000 Euro gekostet und soll künftig dazu beitragen, die A 8 zwischen Mühlhausen (Kreis Göppingen) und dem Elchinger Kreuz schnee- und eisfrei zu halten. Darüber hinaus ist die Autobahnmeisterei für die A 7 zwischen Niederstotzingen und Nersingen sowie für die vierspurige Bundesstraße 10 zwischen dem Autobahnanschluss Ulm-West und dem Stadtgebiet zuständig.

Hermann hatte gestern offensichtlich Freude daran, sich die Technik des Räumfahrzeugs erklären und vorführen zu lassen und anschließend auf dem Hof der Autobahnmeisterei eine Runde zu drehen. Auf dem Beifahrersitz hatte ein Vertreter des Koalitionspartners in Stuttgart Platz genommen: CDU-Generalsekretär Manuel Hagel.

Das Fahrzeug verfügt über zwei Schneepflüge – einer vorne, einer an der rechten Seite montiert. Damit beträgt die Räumbreite bis zu 6,30 Meter, wobei das seitliche Räumschild eingeklappt werden kann. Gestreut wird mit sieben Kubikmeter Salz und 7200 Litern Flüssigsalz. Wie Georg Gotterbarm, Leiter der Autobahnmeisterei Ulm, erläuterte, werde bis minus sechs Grad ausschließlich die Salzlösung versprüht. Die sei viel effektiver als das Streusalz, von dem bis zu 50 Prozent nicht auf, sondern neben der Straße lande. Und das, ergänzte Hermann komme auch den Blühstreifen zugute, die an vielen Stellen angelegt würden.

Mehr Artenvielfalt am Straßenrand

Projekt Zottiger Klappertopf, Wiesensalbei und Wiesen-Flockenblume. Mit heimischen Pflanzen wie diesen soll die Artenvielfalt entlang der Straßen gestärkt werden. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat gestern an der Bundesstraße 311 bei Obermarchtal eigenhändig eine solche Blühmischung ausgesät. Als symbolischer Auftakt der zweiten Runde eines Modellprojekts, das im vergangenen Jahr in vier Landkreisen angelaufen ist. Nun steigen auch der Alb-Donau-Kreis mit seinen Straßen­meistereien sowie der Neckar-Odenwald- und der Ortenaukreis ein. Straßen seien ein massiver Eingriff in die Natur, sagte Hermann. Das Projekt ein Versuch, die Folgen einzudämmen.

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