Bahnhof Merklingen Minister Hermann: Nicht auf Stuttgart 21 warten

Merklingen / Joachim Striebel 28.08.2018

Die Bahn-Neubaustrecke Wendlingen–Ulm und der Bahnhof Merklingen werden rund drei Jahre früher fertig sein als Stuttgart 21. „Wir sind gut in der Zeit“, hat der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Montag bei einem Besuch auch der Bahnhof-Baustelle in Merklingen gesagt. „Wir werden den Bahnhalt nicht so stehen lassen“, sagte Hermann. „Das gilt auch für die Strecke.“ Es werden Züge rollen, „aber es wird sicherlich noch keinen Vollverkehr geben“, sagte der Minister vor Bürgermeistern aus den Mitgliedsgemeinden des Verbands Region Schwäbische Alb. Er verwies auf den Engpass der eingleisigen Anbindung in der so genannten Wendlinger Kurve. Manfred Leger, Geschäftsführer der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH, ist guter Dinge, dort eine praktikable Lösung zu finden.

Welche Züge in welcher Taktung bei einer vorzeitigen Inbetriebnahme der Neubaustrecke fahren werden, konnte Winfried Hermann noch nicht sagen, obwohl das Land bereits am 15. Juni zur Bestellung eines Regionalverkehrs eine Vorinformation im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht hat. Da sei noch kein Fahrplan hinterlegt, sagte Hermann. Neubaustrecke und Bahnhof sollen Ende 2022 fertig sein, in Stuttgart wird mit einer Fertigstellung des neuen Bahnhofs erst im Jahr 2025 gerechnet.

Puffer wird aufgebraucht

Manfred Leger lobte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der zunächst nicht eingeplanten Verwirklichung des Bahnhofs Merklingen, an dem zwar keine ICE-Züge, aber Regionalzüge halten werden. Der Bau der Schnellbahntrasse habe dadurch zeitlich und  finanziell nicht belastet werden dürfen und es habe eine rasche Finanzierungsvereinbarung gebraucht. Winfried Hermann ergänzte: „Ich kenne kein Projekt in Baden-Württemberg, das in so kurzer Zeit auf finanziell sichere Beine gestellt worden ist.“

Wie berichtet, hat die kommunale Seite 13 Millionen Euro übernommen – der Alb-Donau-Kreis 1,5 Millionen Euro für die Planung, der Verband Region Schwäbische Alb insgesamt 11,5 Millionen Euro. Wie im Finanzierungsvertrag festgehalten, bleibe es dabei, sagte der Minister, auch wenn für den Bahnhof „Schwäbische Alb“ inzwischen nicht mehr mit Kosten unter 44 Millionen Euro, sondern zwischen 44 und 46 Millionen Euro gerechnet werden müsse. Das Land habe einen Puffer eingerichtet. „Es zeigt sich, dass der in Anspruch genommen werden muss“, sagte Hermann.

Bahn-Projektleiter Dr. Stefan Kielbassa zeigte den Besuchern eine der Schwierigkeiten beim Bau des Bahnhofs: Die Bagger sind auf Karstspalten gestoßen. Lehm und anderes weiches Material muss sorgfältig ausgeräumt werden, bevor die Hohlräume mit Beton aufgefüllt werden. Kielbassa erinnerte an eine stattliche Höhle, die westlich des Bahnhofs unter der Bahntrasse entdeckt und gesichert wurde.

Auf der Baustelle werden derzeit die Fundamente für die Aufzugs- und Treppentürme gegossen. Laut Projektleiter Kielbassa steht im September die Auftragsvergabe für die Hochbauarbeiten an. Für Klaus Kaufmann ist der Bahnhof bei Merklingen ein „Leuchtturmprojekt“. Die Kommunen wollten die Früchte nicht erst 2025 ernten, betonte der Laichinger Bürgermeister und Vorsitzende des Verbands Region Schwäbische Alb. Er sei zuversichtlich, mit Land und Bahn eine Lösung für den Vorlaufbetrieb zu finden. Gleichzeitig müsse daran gearbeitet werden, den Busverkehr an die Schiene anzubinden. Winfried Hermann erneuerte das Angebot des Landes, eine Regionalbuslinie zwischen Merklingen und Reutlingen zu unterstützen und bat die Verantwortlichen vor Ort, auch an den Bau von Fahrradwegen zu denken.

Ulm blickt nach Merklingen

Nahverkehr Dem zum Bau des Bahnhofs Merk­lingen gegründeten Verband Region Schwäbische Alb gehören Laichingen, Berghülen, Drackenstein, Heroldstatt, Hohenstadt, Merklingen, Nellingen, Westerheim, Dornstadt, Bad Ditzenbach, Mühlhausen und Wiesensteig an. Zu Jahresbeginn hatte der Verband ein Hintertürchen für einen Beitritt der Stadt Ulm offen gelassen. Gestern mischte sich Oberbürgermeister Gunter Czisch unter die Besucher. Ulm wolle nicht beitreten, habe aber Interesse an den Weichenstellungen auf der Alb, sagte er auf Nachfrage. In Sachen Nahverkehr gebe es gemeinsam viel zu tun, sagte der Vorsitzende des Vereins Regio-­­
S-Bahn Donau-Iller.

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