Die Energiewende dahin bringen, wo es noch keine Stromversorgung gibt. Das ist ein Ziel der Deutschen Energieagentur (Dena). Für ein Projekt in Nordindien hat das staatliche Förderunternehmen eine junge Firma aus Illerkirchberg ins Boot geholt: BOS. Das Kürzel steht für Balance of Storage, was auf englisch ganz gut erklärt, worum es BOS geht: um Stromspeicher und das chemische Gleichgewicht darin.

Vor einigen Monaten hat BOS zusätzliche Räume in der Böttgerstraße in Neu-Ulm bezogen. Und dort sieht es so aus, wie man sich ein Start-up-Unternehmen vorstellt: Junge Leute, die an Computern sitzen und an etwas Kompliziertem herumtüfteln. Einer von ihnen ist Benjamin Seckinger, Mitbegründer und Vorstand. Erst kürzlich ist Seckinger aus Indien zurückgekommen. Im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh hatte er das Dorf Sarvantara besucht, dessen Bewohner nun dank des Dena-Projekts elektrischen Strom haben. „Das läuft komplett stabil, auch in der Regenzeit“, sagt Seckinger, der ein paar Tage heftigen Monsunregen erlebt hat.

„Das“ ist ein so genanntes Mini-Grid, ein Kleinst-Stromnetz: Den Strom liefert eine Photovoltaikanlage, die einen BOS-Speicher speist. Dieser Speicher, eine Kombination aus Lithium-Ionen- und konventionellen Bleibatterien, ist „unser Kernprodukt“, sagt Seckinger. Die von BOS entwickelte elektronische Steuerung sorgt für möglichst ausgeglichene chemische Verhältnisse in den Akkus, was wiederum Leistung und Lebensdauer erhöht.

Eine Photovoltaikanlage und ein Speicher genügen Seckinger zufolge, um bis zu 25 Haushalte mit 24-Volt-Gleichstrom zu versorgen. Lampen, Ventilatoren und Handys können zum Beispiel angeschlossen werden – Geräte mit geringem Energieverbrauch. Ferner ist geplant, auch Wasserpumpen mit gespeichertem Solarstrom zu betreiben. Sieben Häuser sind in Sarvantara mit Photovoltaik und Speichern ausgestattet, so dass das ganze Dorf versorgt werden kann.

Billig ist der Öko-Strom auch in Indien nicht. Dafür sind vor allem die Speicher verantwortlich. Deren Anteil an den Gesamtkosten eines Mini-Grids beziffert Seckinger auf 80 Prozent. So errechnet der BOS-Vorstand einen Strompreis von 16 Cent pro Kilowattstunde, teurer als in Indien üblich. Doch das Mini-Grid sei zuverlässig, während das instabile öffentliche Netz jederzeit ausfallen könne.

Nicht mit Tesla konkurrieren

Mangelhaft, sagt Seckinger, sei die öffentliche Stromversorgung auch in der nigerianischen Millionenstadt Lagos, dem bisherigen Hauptabsatzmarkt von BOS. Auch in weitere afrikanische Länder liefert die Firma in Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen Speicher und Steuerung.

In Deutschland sieht Seckinger dagegen noch keinen Markt für BOS. „Hier schwimmen zu viele andere große Fische im Teich.“  Darunter Daimler und Tesla. Und mit solchen Kalibern will sich das Start-up-Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern noch nicht anlegen.

Entwicklung bis zur Serienreife


Unternehmen BOS wurde 2014 von Photovoltaik-Fachmann Peter Adelmann, seinem Sohn Bernhard Adelmann, Benjamin Seckinger und Thomas Kündiger, Technik-Chef bei BOS, gegründet. Die Firma entwickelt Energiespeicher und Steuerungen bis zur Serienreife, stellt Prototypen und kleine Stückzahlen her.