Urspring / STEFAN BENTELE Über die Situation der Landwirtschaft haben Grüne-Europaabgeordnete Maria Heubuch und Landtagskandidat Frieder Bohnacker in Urspring diskutiert. Tenor: In Krisenzeiten muss der Milchmarkt reguliert werden.

Die Bauern im Land hatten auch schon einfachere Jahre: Milchpreis im Keller und für Schweinefleisch gab's früher bessere Erträge. Über die Situation der Landwirte haben deshalb die Grünen-Europaabgeordnete Maria Heubuch und Frieder Bohnacker, Grünen-Kreisrat und Landtagskandidat, am Donnerstagabend im Hirsch in Lonsee-Urspring mit 30 Besuchern diskutiert. "Die Situation in der Landwirtschaft ist nicht einfach", sagte Bohnacker, selbst Biolandwirt in Blaubeuren-Asch. Schuld an der Misere trägt aus Sicht des Wahlkämpfers auch die schwarz-gelbe Vorgängerregierung im Land, die jahrzehntelang für Bauern nur einen Rat parat hatte: wachsen oder weichen.

Europaparlamentarierin Maria Heubuch, Bäuerin in Leutkirch im Allgäu, hat den Ratschlag nicht befolgt. Sie und ihr Mann haben niemals das Maximum, aber immer das Optimum aus dem eigenen kleinen Milchviehbetrieb geholt. "Für uns hat sich das ökonomisch gerechnet."

Dass die EU ihre Weltmarktausrichtung für den Absatz von Milch ändert, glaubt Heubuch nicht. Das Problem mit Indien, China und Afrika als Abnehmer sei nur: "Die Exportmärkte sind nie da, wenn man sie braucht." Auch jetzt nicht, wo der Preis deutlich unter 30 Cent pro Kilogramm Milch liegt. Aber aufgeben könnten die Bauern nicht ohne Weiteres, viele Milchbauern seien angesichts des Endes der Milchquote im Frühjahr 2015 finanzielle Verpflichtungen eingegangen. Also bleibt vielen Betrieben allein die Flucht nach vorne. Und die heißt: mehr produzieren.

Eine Lösung könnte gerade in Mengenregulierungen in Krisenzeiten zu finden sein, wie sie der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter vorschlägt. Heubuch verwies auf die Molkerei Friesland-Campina mit Niederlassungen in den Niederlanden und Deutschland, die ihren Bauern zwischen Januar und Februar eine Prämie von 2 Cent pro Kilo zahlten, sofern die gelieferte Milchmenge nicht weiter stieg. "Warum schaffen wir das in Europa nicht?", fragte Heubuch in die Runde der Gäste. Bei der Molkerei gehe sowas ja sogar über Nacht. Nur die Politik sperre sich dagegen.

Dass ausländische Produzenten die so reduzierte Milchmenge als zusätzliche Absatzmöglichkeit nutzen könnten, hält Heubuch nicht für möglich. "Woher soll die zusätzliche Milchmenge den kommen?", fragte die Abgeordnete. Ein Betrieb in Neuseeland könne schließlich nicht von heute auf Morgen einfach mehr Milch produzieren. Und bereits eine minimale Mengenänderung auf dem europäischen Milchmarkt wirke sich direkt auf die Preise aus.

Der eine oder andere Gast machte auch seinem Ärger gegen die grün-rote Landesregierung Luft. "Mir hat die grüne Landesregierung einen fünf Meter breiten Gewässergrünstreifen entzogen. Einfach enteignet", schimpfte ein Landwirt unter den Gästen. Die Fließgewässer seien im Alb-Donau-Kreis in schlechtem Zustand, entgegnete Bohnacker. Das hätten Untersuchungen gezeigt. "Und die Grünwasserrandstreifen standen so auch vorher schon im Gesetz, es hielt sich nur keiner daran", ergänzte Grünen-Kreisrätin Angela Scheffold.