Kirche Mesnerin sein ist viel mehr als nur Glockenläuten

Auch um das Anzünden und Löschen der Kerzen in der Kirche St. Cyriakus kümmert sich Mesnerin Anita Kiem.
Auch um das Anzünden und Löschen der Kerzen in der Kirche St. Cyriakus kümmert sich Mesnerin Anita Kiem. © Foto: Matthias Sauter
Grafertshofen / Matthias Sauter 20.08.2018

Wenn Mesnerin Anita Kiem die Kirche St. Cyriakus in Grafertshofen betritt, geht ihr erster Blick stets zum Tabernakel. Ehrfürchtig blickt sie über die Bänke hinweg nach vorne zum Hochaltar. „Ich mache meine Tätigkeit aus dem Glauben und aus tiefer Überzeugung heraus“, sagt die 63-Jährige und fügt hinzu: „Für den Mesner-Dienst braucht man eine enge Bindung zur Kirche.“ Seit 16 Jahren kümmert sich Kiem um das Gotteshaus in dem Weißenhorner Stadtteil und den reibungslosen Ablauf der Messen. Außerdem leitet sie seit sechs Jahren den Mesnerverband des Dekanats Neu-Ulm.

Nicht nur dem christlichen Glauben, sondern auch der um das Jahr 1500 erbauten Kirche ist Kiem eng verbunden. Die gebürtige Grafertshofenerin besuchte in den vergangenen Jahrzehnten viele Gottesdienste, kennt jede Ecke des Bauwerks. Trotzdem konnte sie sich lange Zeit nicht vorstellen, das Mesner-Amt in der Filialkirche der Weißenhorner Pfarrei Mariä Himmelfahrt zu übernehmen. Bis im Jahr 2002 der damalige Weißenhorner Stadtpfarrer und jetzige Prämonstratenser-Abt Hermann Josef Kugler auf sie zukam: „Nach dem Abschied des alten Mesners suchte unser Pfarrer im ganzen Dorf händeringend nach einem Nachfolger. Er bat mich, die Aufgabe zu übernehmen“, berichtet sie. Die vierfache Mutter sagte zu und verhinderte damit die Schließung der Kirche, die im Raum gestanden hatte.

Die ersten Monate seien stressig und anspruchsvoll gewesen: Schnell wurde Kiem klar, dass die Mesner-Tätigkeit „mehr als nur Glocken läuten“ ist. Gespräche mit Berufskollegen, Schulungen und Fachbücher vermittelten der gelernten Verkäuferin das notwendige Wissen. Besonderen Wert legt sie von Anfang an auf einen festlichen Schmuck in der Kirche, den sie meistens selbst vorbereitet. „Gerade vor Festen bin ich natürlich schon Tage vorher da, um alles herzurichten.“ Andere Aufgaben, wie das Waschen der Gewänder und Tücher, erledigt sie von zu Hause aus.

Kiem hat seit ihrem Berufsstart mit drei Stadtpfarrern, verschiedenen Kaplänen und vielen Aushilfspriestern zusammengearbeitet. „Man muss sich natürlich auf jede Art einlassen, damit ein gutes Miteinander möglich ist“, sagt sie. Ans Herz gewachsen sind ihr die zahlreichen Ministranten, die sie nach eigener Aussage jung halten und einen vorbildlichen Dienst leisten.

Austausch mit Kollegen

Eine ältere Ministrantin übernimmt das Mesner-Amt, wenn Kiem im Urlaub ist. Überdies ist ihr der Austausch mit den Kollegen wichtig, den sie insbesondere bei Veranstaltungen des Mesner-Verbands pflegt. Als Vorsitzende organisiert sie Regionaltage, Maiandachten und Weihnachtsfeiern. „Die Arbeit des Verbands ist wichtig zur Stärkung der Gemeinschaft.“

Nach 16 Jahren wird die erfahrene Kirchendienerin Ende August in den Ruhestand gehen. „Ich gehe aus gesundheitlichen Gründen. Aber auch, weil das aktive Gemeindeleben zurückgegangen ist“, sagt sie. Sie vermisst vor allem Kinder- und Familiengottesdienste, die inzwischen nicht mehr in St. Cyriakus abgehalten werden. Künftig möchte sich die Grafertshofenerin weiter für die Kirche engagieren und bei Altennachmittagen mitarbeiten. Außerdem möchte sie sich um Menschen mit Behinderungen kümmern.

Beim Rückblick auf ihre Mesner-Zeit muss Kiem auch an traurige Anlässe denken, etwa Beerdigungen von Kindern und Jugendlichen. Allerdings überwiegen freudige Erinnerungen: „An die Festgottesdienste sowie Gespräche mit Priestern und Gläubigen denke ich gerne zurück.“ Positiv im Gedächtnis wird Kiem sicher auch die Hochzeit ihrer jüngsten Tochter Ende Juli in der Grafertshofener Kirche bleiben: „Dieses schöne Ereignis sehe ich als krönenden Abschluss meiner Laufbahn.“

Kein klassischer Ausbildungsberuf

Aufgabe Ein Mesner kümmert sich um alle praktischen Belange in einer Kirche: die Gewänder, Blumenschmuck, Glockengeläut, Gesangbücher. Es ist kein klassischer Ausbildungsberuf, oft weisen Mesner ihren Nachfolger in den Dienst ein. Mesner können auch Küster oder Sakristan genannt werden, die Bezeichnung variiert von Region zu Region, so das Zentrum für Berufungspastoral.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel