Wetter Menschen verbringen die Nacht auf der A8

Region / Joachim Striebel und Bianca Frieß 11.01.2019

Die Schreckensvorstellung, eine Nacht bei Schneefall und Kälte im Auto verbringen zu müssen, ist in der Nacht zum Donnerstag für viele Autofahrer auf der A 8 im Bereich der Albhochfläche wahr geworden. Eine Frau überlebte das nicht, sie wurde tot in ihrem Auto aufgefunden.

Schon am Mittwochnachmittag hatte sich nach heftigen Schneefällen der Verkehr auf der Autobahn gestaut. Kurz nach 16 Uhr alarmierte die Polizei das Technische Hilfswerk (THW), das mit seinen allradgetriebenen Lkws querstehende Sattelzüge freischleppte. Dann schien sich die Lage zu entspannen, bis gegen 22 Uhr wieder Stillstand eintrat. Ein Großeinsatz von THW und Sanitätsdienst lief an. Das THW war mit sieben Fahrzeugen und 28 Helfern aus Blaubeuren, Ulm, Geislingen und Gruibingen unterwegs. Der Schwerpunkt lag laut Einsatzleiter Tobias Fischer vom THW Gruibingen nicht etwa am steilen Albaufstieg, sondern auf der Hochfläche bei Aichen.

Um die Menschen in ihren Autos zu versorgen, kamen vier Einsatzeinheiten des DRK und des ASB aus Ulm und dem Alb-Donau-Kreis mit 80 Kräften zum Einsatz. „Das Problem war, dass auch wir nicht durchkamen“, berichtet Matthias Grüner vom ASB aus Merklingen, Zugführer der „Einsatzeinheit 4“. Von einer Rettungsgasse war keine Spur.

Verkehr läuft gegen 5 Uhr wieder

Die Helfer baten Autofahrer und die Lenker von Lastzügen, die noch selbst von der Stelle kamen, ihre Fahrzeuge anders zu platzieren. „Wir haben etliche Kilometer zu Fuß zurückgelegt“, berichtet Grüner. Die Helfer brachten den festsitzenden Reisenden Decken und heißen Tee. „Die meisten waren vor allem daran interessiert, mal eine Info zu bekommen“, berichtet Grüner. „Im Radio hatten sie nur von zwanzig Kilometern Stau gehört.“

Wie die Polizei am Tag danach berichtete, staute sich der Verkehr in Fahrtrichtung Stuttgart am längsten. Der „Kernstau“ war rund 35 Kilometer lang und erstreckte sich von Ulm bis Aichen. Gegen 5 Uhr lief der Verkehr langsam wieder. In Richtung München ging es dagegen gegen 2 Uhr wieder voran, berichtet Georg Gotterbarm, Leiter der Autobahnmeisterei Dornstadt. In der Nacht hatten die Einsatzkräfte, denen im Rasthof Seligweiler Räume zum Aufwärmen zur Verfügung gestellt wurden, besonderes Augenmerk auf Fahrzeuge, bei denen der Motor nicht lief und kein Licht brannte. Doch keinem war der Sprit ausgegangen. Wie es zum Tod der 54-jährigen Frau kam, können die Verantwortlichen der Einheiten von DRK und ASB nicht sagen. Von den Helfern kam in der Nacht keiner zu Schaden. „Unsere Leute haben viel geleistet“, sagt Volker Thierer, Organisationsleiter vom DRK Ulm.

Die Autobahnmeisterei Dornstadt war mit acht Fahrzeugen und 20 Mitarbeitern im Schichtbetrieb rund um die Uhr im Einsatz. Oft war für die breiten Räumfahrzeuge kein Durchkommen, berichtet Gotterbarm: „Teilweise standen die Lkw zu dritt nebeneinander.“ Deshalb wurde die Autobahn abschnittweise gesperrt, die Streufahrzeuge fuhren entgegen der Fahrtrichtung auf. Erst am Donnerstagmorgen gegen 8 Uhr „haben wir den letzten Lkw bei Elchingen flottgemacht“, sagt Gotterbarm. Das lag aber nicht mehr am Wetter – einige Fahrer hatten sich in der Kabine schlafen gelegt, während ihr Lastwagen noch auf der Fahrspur stand.

Auf weitere Schneefälle vorbereitet

Staus Auch in den kommenden Tagen soll es immer wieder schneien – es könnte also weitere Staus geben. „Wir werden natürlich ein wachsames Auge darauf haben“, sagt Polizeisprecherin Claudia Kappeler. Sie hofft, dass die Verkehrsteilnehmer nun sensibilisiert sind, vorsichtig fahren und wenn möglich das Auto stehen lassen.

Decke Die Polizeisprecherin rät, immer eine Decke mit ihm Auto zu haben, eventuell auch eine Thermoskanne mit heißem Tee. Außerdem weist sie erneut darauf hin: „Bei Stau immer gleich eine Rettungsgasse bilden.“

Räumen Auch die Autobahnmeisterei ist auf weiteren Schnee vorbereitet. „Wir können alle Fahrzeuge in den Einsatz bringen, haben Salz gebunkert und nachbestellt“, berichtet Leiter Georg Gotterbarm.

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