Kindertheater Mehr Selbstbewusstsein mit Theater

Pippi-Langstrumpf auf den sieben Weltmeeren: Seit einigen Jahren werden Stücke mit dem frechen Mädchen mit den Superkräften in Wain aufgeführt. Mit vielen Darstellern und Zuschauern.
Pippi-Langstrumpf auf den sieben Weltmeeren: Seit einigen Jahren werden Stücke mit dem frechen Mädchen mit den Superkräften in Wain aufgeführt. Mit vielen Darstellern und Zuschauern. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Wain / Von Lisa Maria Sporrer 25.07.2018

Pippi geht immer“, sagt Thomas Strobel und blickt über die rund 300 Zuschauer auf das Schiff  „Hoppetosse“, auf der das rothaarige Mädchen mit ihren beiden Freunden Tommy und Annika gerade Kurs auf Wain nehmen. Alle zwei Jahre ist die Gemeinde fest in der Hand von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, kurz Pippi. Vielen Wainern ist der Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren schon ins Fleisch übergegangen.

Alle zwei Jahre begeistert Pippi auf der Freilichtbühne des Festplatzes zahlreiche Zuschauer mit ihren Abenteuern. „Viele Kinder in Wain sind mit dem Theater hier aufgewachsen“, sagt Matthias Fuchs und er spricht aus Erfahrung. Die vier Kinder von Fuchs, der fürs Catering zuständig ist, haben alle schon mitgespielt. Seine älteste Tochter Laura Sophie ist jetzt 15 Jahre alt, hat als Pagagei ihre erste Rolle gespielt und durfte letztlich Pippi verkörpern. Seine beiden jüngsten Kinder stehen in diesem Jahr auf der Bühne. „Die Rollen verändern die Kinder, das Schauspiel macht sie selbstbewusster“, sagt Fuchs.

Dieses Mal gastierte das kleine rothaarige Mädchen mit dem Stück „Pippi auf den sieben Meeren“ in Wain. Tommy und Annika dürfen Urlaub bei Pippi machen. Über eine Flaschenpost erfährt Pippi, dass ihr Vater von den schrecklichen Piraten Messer-Jocke und Blut-Svente gefangen wurde, die es auf den Goldschatz von Kapitän Langstrumpf abgesehen haben. Kurzerhand beschließen die drei Freunde, Pippis Vater zu befreien. Pippis Vater wird zum bereits sechsten Mal von Thomas Stetter verkörpert, einer der beiden erwachsenen Schauspieler. „Von der Rolle komme ich wohl nicht mehr los“, sagt der Wainer Architekt, der erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Schauspieler hat, der Pippis Vater in dem bekannten Kinderfilm gespielt hat.

Außer der Rolle von Kapitän Langstrumpf und Frau Prysselius stehen nur Kinder auf der Bühne. Alle kommen sie aus Wain. „Wir konnten locker wieder zwei Gruppen bilden, über 50 Kinder spielen in diesem Jahr mit“, sagt einer der Regisseure, Thomas Strobel. Ein Team von rund 40 Helfern sorgt für den reibungslosen Ablauf hinter der Bühne. Wer mitspielen darf und wer was spielen darf, dafür gibt es in Wain relativ klare Regeln: Die Wainer Erst- bis Sechstklässler dürfen sich ihre Rollen selber aussuchen. Die Sprechrollen sind für Kinder der dritten bis zur sechsten Klasse vorgesehen. Jüngere Kinder fangen mit Statistenrollen an. „Es macht echt Spaß, mit anderen Kindern zusammen ein so großes Projekt zu machen“, sagt Melissa Sandikci (11), die am Freitagabend die Annika spielte. Denn weil sich so viele Kinder melden und weil die acht Vorführungen zu viel für die Kinder wären, gibt es für jede Rolle zwei Schauspieler.

„Es ist schon meine dritte Aufführung und ich bin immer noch ganz aufgeregt davor“, gesteht Nicole Wipfler (12), die Pippi spielt. „Aber ich bin auch schon traurig, wenn ich daran denke, dass es bald vorbei ist“, sagt sie. Auch die anderen kleinen Schauspieler haben mit dem diesjährigen Freilicht-Theater-Projekt ihre eigenen Erfahrungen gemacht. „Im Großen und Ganzen war es echt lustig“, sagt Jonas Fromm (11), der den Blut-Sventje spielt. „Manchmal war es aber auch ernst. Etwa bei einer Szene, die wir immer und immer wieder üben mussten.“ Viel Spaß hatte auch Anastasia Maja Fuchs (10) als Pirat. „Die ganzen Proben nehmen aber auch viel Zeit weg“, sagt sie. Und Joshua Unterweger (11), der Tommy spielt, sieht bereits einen Mehrwert für sich: „Das ganze Theaterspielen hilft mir in der Schule bestimmt künftig bei Präsentationen. Da habe ich ein viel besseres Auftreten.“

Freilichtbühne gewählt

Rückblick Vor 18 Jahren wurde in Wain ein Historienstück zur Wainer Geschichte aufgeführt. Regie führten Klaus Bretzel und Thomas Strobel. Da bei dem Stück Kinder mitspielten, kam Strobel der Gedanke, ein reines Kindertheater zu initiieren. Ziemlich bald stand fest, dass man Pippi Langstrumpf spielen will, denn das selbstbewusste Mädchen kam bei Jung und Alt gut an.

Veranstaltungsort Um den Aufführungen etwas besonderes zu verleihen, entschloss man sich, eine Freilichtbühne als Veranstaltungsort für das Theaterstück zu gestalten. Im ersten Aufführungsjahr, 2002, meldeten sich so viele Kinder, dass zwei Gruppen von Schauspielern gebildet werden konnten. 2004 kam es zu einer Fortsetzung und es wurde beschlossen, Pippi im Zwei-Jahres-Rhythmus aufzuführen. Lediglich 2006 konnte das Stück wegen dem Umbau der Schule nicht aufgeführt werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel