Hochwasser Mauern sollen Innenstadt schützen

Der Erlenbach trat am 30. Mai 2016 gewaltig über die Ufer, die Erbacher Innenstadt war überschwemmt.
Der Erlenbach trat am 30. Mai 2016 gewaltig über die Ufer, die Erbacher Innenstadt war überschwemmt. © Foto: Rudolf Wallich
Franz Glogger 15.09.2018

Wie wird das Gebiet um den Erlenbach vor Hochwasser geschützt? Über die Planungen informierte die Erbacher Stadtverwaltung am Donnerstagabend im Kultursaal der Jahnschule. Rund 30 Zuhörer kamen, darunter Gemeinderäte und Feuerwehrleute. Bürgermeister Achim Gaus versicherte, dass niemand in der Stadtverwaltung oder im Gemeinderat das Thema „auf die leichte Schulter“ nehme. Ein Hochwasser wie Ende Mai 2016 „will ich nicht noch einmal erleben“, sagte er.

„Sollen wir absaufen?“

Nachdem die Ingenieure Heinrich Lang (Wassermüller, Ulm) und Christoph Hoffmann (Pro Auqua, Aachen) die Maßnahmen, hauptsächlich Mauern,  erläuterten, ging es schnell zur Sache. Zum Beispiel wollten Anwohner wissen, warum diese erst ab dem Gebiet „Auf der Wühre“ gebaut werden und nicht schon weiter westwärts. Zum Beispiel sei auf Höhe der früheren Post auch Wasser über das Ufer getreten, berichtete ein Erbacher. Er schimpfte: „Sollen wir absaufen?“ Hoffmann erklärte, dass dort das Problem nicht der Erlenbach sei, sondern oberflächliches Hangwasser aus dem Gebiet Hangelenbach. Welche Maßnahmen für dieses überall im Erbacher Westen auftretende Problem nötig sind, würde in einer zweiten Untersuchung ermittelt. Das der Planung zugrunde liegende Hochwasser „HQ 100 Klima“ sei im westlichen Bereich auch so „schadfrei“ durch den Ort zu bekommen, sagte Hoffmann. Wasser sei Wasser, meinte der Betroffene ärgerlich. Er verlangte, ebenso geschützt zu werden wie alle anderen. Gaus versprach, der Bereich werde erneut unter die Lupe genommen, die Anwohner werden über das Ergebnis informiert.

Zu den großen Kritikpunkten gehört, dass nur in der Stadt ein Hochwasserschutz gebaut wird und nicht bereits davor. Um die erforderlichen enormen Flächen zu bekommen, brauche es Jahre, erklärten die Verantwortlichen. „Da sind zehn Jahre vorbei und es ist noch nichts passiert“, sagte Stadtrat Reinhard Härle. Er plädierte dafür, die Planung rasch umzusetzen. Ein Besucher pflichtete ihm bei. Härle,  als Dellmensinger Ortsvorsteher mit Hochwasserschutz vertraut, ging auch auf den von Anwohnern geforderten Schutz vor einem statistisch alle 200 Jahre wiederkehrenden Hochwasser (HQ 200) ein. „HQ 100 Klima“ entspreche dem. Zudem würden die Mauern 30 Zentimeter höher gebaut, was „grob geschätzt“ HQ 400 entspreche.

Bürgermeister Gaus warb in einem engagierten Statement – „auch wenn ich mir damit keine Freunde mache“ – dafür, den geplanten Schutz umzusetzen. HQ 100 Klima sei der Standard, der genehmigt und vom Land gefördert wird. „So ist er auch in Dellmensingen umgesetzt. Was würde man dort sagen, wenn in Erbach anders gebaut wird?“, fragte Gaus. Versöhnlicher Beifall beendete die Diskussion.

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