Energie Masten werden verstärkt

Strommasten prägen das Ortsbild von Dellmensingen: Auf der Gemarkung verlaufen Leitungen der Netzbetreiber Netze BW und Amprion.
Strommasten prägen das Ortsbild von Dellmensingen: Auf der Gemarkung verlaufen Leitungen der Netzbetreiber Netze BW und Amprion. © Foto: Franz Glogger
Erbach / Franz Glogger 27.06.2018

Es gibt Gemeinden wie Schnürpflingen, die haben weniger Gemeindewald als Dellmensingen Strommasten auf der Gemarkung. 55 solcher Kaventsmänner prägen das Landschaftsbild und schränken die Entwicklung von Erbachs größtem Teilort ein. Von den Stromnetzbetreibern geplante Änderungen werden deshalb mit Argwohn begleitet.

So auch die von der Netze BW geplante Erneuerung einer 110 000-Volt-Leitung. Elf Masten, vier davon auf Dellmensinger Gemarkung, seien bis zur Umspannstation in Achstetten betroffen, erläuterte Unternehmensvertreter Andreas Kohler dem Ortschaftsrat und dem Technischen Ausschuss des Erbacher Gemeinderats, die gemeinsam tagten. Wegen neuer Vorgaben und als Reserve würden Masten ersetzt und verstärkt. Die meisten werden erhöht, einige auch niedriger.

Keine höhere Spannung

Kohler nannte ein Plus von bis zu 4,90 Metern und ein Minus von bis zu 2 Metern. Gegenüber heute werde kein Unterschied zu erkennen sein. Weiter würden die Fundamente „marginal“ verstärkt. Die Spannung werde jedoch nicht erhöht. Für das Vorhaben sei ein Planfeststellungsverfahren nötig, das sich in der Vorplanung befinde. Kohler rechnet 2019/20 mit dem Feststellungsbeschuss. Etwa ein Jahr später soll die Leitung in Betrieb gehen.

Auslöser sei die starke Zunahme regenerativen Stroms. Besonders in der Region werde so viel produziert, dass der Überschuss im Dellmensinger Umspannwerk in die großen Übertragungsnetze gespeist werden müsse. Die Bundesnetzagentur habe die Betreiber zu einem funktionierenden Netz verpflichtet, „nicht, weil wir halt gern Stromleitungen bauen“.

Die Stadträte und der Dellmensinger Ortsvorsteher Reinhard Härle erinnerten an offenbar nichtöffentliche Vorgespräche. Demnach verlange Dellmensingen „weniger Masten, weiter weg vom Dorf und das Verlegen von Leitungen in den Boden.“ Kohler erteilte der Vorstellung, dass die 110-KV-Leitung im Boden verlaufe, eine Absage. Die Bundesnetzagentur würde diese sehr teure Technik nicht genehmigen. Mit der Freileitung stehe ja eine deutlich günstigere Lösung zur Verfügung. Die hohen Kosten – wohl das Vierfache – müssten den Stromkunden abverlangt werden. Auch ein Abrücken sowie eine Verringerung der Anzahl der Masten sei nicht möglich, da lediglich die bestehende Trasse erneuert werde. Die Netze BW sei aber bereit, eine regionale 20-KV-Leitung, die ebenfalls nach Achstetten führt, auf Dellmensinger Seite unter die Erde zu legen.

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, nahm Bürgermeister Achim Gaus bereitwillig das Angebot an. „Damit verschwindet wenigstens eine Leitung aus dem Blickfeld.“ Gaus räumte zudem ein, dass die Leitung der Netze BW das geringste Problem sei, da diese am weitesten vom Ort entfernt liegt.

Besonders stören ihn zwei 380-KV-Leitungen des Betreibers Amprion. Eine rückt vom Umspannwerk nahe an Dellmensingen heran und verläuft später parallel zur Netze-BW-Trasse. Gaus forderte, dass Amprion parallel zu dieser bauen soll. Auf denselben Masten könnte ein Stück weit eine weitere Amprion-Leitung installiert werden und so vom Ort abzurücken. „In diese Wunde werden wir weiter die Finger legen, damit Amprion sich bewegt“, sagte der Bürgermeister.

Ein Beschluss war nicht nötig. Dieser ist im Laufe des Verfahrens bei zwei Anhörungen der Öffentlichkeit gefordert.

Anlage wichtig für europäischen Verbund

Knotenpunkt Das Umspannwerk Dellmensingen ging 1958 als Anlage der Energie-Versorgung Schwaben (EVS) in Betrieb. Vor allem als Knoten zwischen Anlagen im Rheinland und Österreich geplant, diente es der Versorgung und Fernüberwachung von bis zu 16 regionalen Netzen. Bis heute ist die Anlage ein wichtiger Knotenpunkt im europäischen Verbund.

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