Urgeschichte Markierte Mammutrippe ist ein Rätsel

Das Fundstück des Jahres: eine 44 Zentimeter lange Mammutrippe mit Kerben.
Das Fundstück des Jahres: eine 44 Zentimeter lange Mammutrippe mit Kerben. © Foto: Patrick Fauß
Blaubeuren / Thomas Spanhel 26.07.2018
Blaubeurer Museum präsentiert den „Fund des Jahres“. Was Steinzeitmenschen damit kennzeichnen wollten, wird diskutiert.

Eine mit Ritzungen versehene Mammutrippe ist am Donnerstag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren als „Fund des Jahres“ präsentiert worden. Welche Informationen die Menschen der Steinzeit damit weitergeben wollten, ist noch ein Rätsel. „Ein spektakulärer Fund“, da ist sich der Tübinger Archäologie-Professor Nicholas Conard sicher. Denn normalerweise wurden Mammutknochen in der Steinzeit als Werkzeug oder Brennmaterial verwendet. Funde sind selten. Auch die Größe von 44 Zentimetern und das Alter von rund 31.000 Jahren machen die Rippe zu etwas Besonderem. „Für mich war es wie ein Krimi, Neues über den Knochen zu erfahren, seit wir ihn vor genau einem Jahr bei den Ausgrabungen im Hohlen Fels gefunden haben“, sagte Conard bei der großen Pressekonferenz.

Welche Informationen sollten mitgeteilt werden?

Auffällig ist die dickere Kante der Rippe, erläuterte der Archäologe: Sie weist zwei Reihen von Markierungen auf – ein Mal 83 Striche, das andere Mal 90. Auf der flachen Rippen-Seite befinden sich 13 weitere Einkerbungen. Alle Markierungen sind sauber eingeschnitten und gezielt platziert. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden „wahrscheinlich nicht in einem Durchgang, sondern verteilt über Tage, Monate oder Jahre hinweg eingeritzt“, analysierte der Professor. Das lasse viel Raum für Spekulationen, welche Informationen die Menschen der Steinzeit wohl mit diesen Markierungen im Knochen weitergeben wollten: „Es ist unbekannt, ob es um Jagdbeute, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes ging.“ Man müsse abwarten, ob mit Hilfe neuer Vergleichsfunde das Rätsel der Markierungen gelöst werden kann.

Man könne sich jedenfalls vorstellen, wie die Steinzeitmenschen den Knochen nutzten, um in der üppig zur Verfügung stehenden Freizeit bei Wettbewerben eine Art Zwischenstand zu notieren. „Die Menschen damals hatten sicher auch ihre eigene Art von Fußball-Weltmeisterschaft“, vermutet Conard. „In der dunklen Jahreszeit besaßen die Menschen drei Monate Zeit, im Hohlen Fels zu sitzen und sich Freizeitbeschäftigungen zu überlegen“, ergänzte der Wissenschaftler.

Die seit vielen Jahren laufenden Ausgrabungen in den Weltkulturerbe-Höhlen der Region hätten jedenfalls gezeigt, „dass die Menschen damals unsere intellektuellen Fähigkeiten besaßen“. Das gelte sicher auch in Bezug auf Zahlen und Mathematik. Der in der Erde steckende geheimnisvolle Knochen war jedenfalls schon während der Ausgrabungen im Hohlen Fels zum Gegenstand von Diskussionen geworden.

Offene Diskussion über Funktion der Ritzungen

Ausstellung Interessierte können den „Fund des Jahres“ bis zum Januar im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren unter die Lupe nehmen. Museumsdirektorin Stefanie Kölbl kündigte an, dass über die Museumsseite auf Facebook (facebook.com/urmu.de) jeder auch Ideen zu den Ritzungen auf der Rippe weitergeben könne.

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