Langenau boomt. Walter Gerstlauer, Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV), belegte das mit Zahlen aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung: Bis 2030 steigt ihr zufolge die Einwohnerzahl in der Stadt an der Nau um 11,1 Prozent, während beispielsweise Ehingen und Blaubeuren leicht verlieren. Das heißt jedoch nicht, dass die Langenauer die Hände in den Schoß legen können.

Ziel sei es, die Stadt "zu einem Handelsplatz de luxe zu machen", sagte Gerstlauer beim Wirtschaftsforum des GHV im vollbesetzten Pfleghofsaal. Ideen dafür versprachen sich die Langenauer Selbstständigen vom Referenten des Abends, dem Marketingexperten Norbert Hoffmann aus Frankfurt.

Einfache und konkrete Lösungen bot er nicht an in seinem sehr ausführlichen und anschaulichen Vortrag, dafür aber jede Menge Denkanstöße oder vielmehr Umdenk-Anstöße. Denn das stehe fest: Nicht nur der Online-Handel, sondern die veränderten Lebensgewohnheiten und Erwartungshaltungen würden und müssten die Innenstädte verändern. Investitionen sowie Schaufel und Bagger allein reichten nicht mehr, um diese attraktiv zu machen. Vielmehr spielten künftig emotionale und psychologische Faktoren eine große Rolle: "Geben Sie der Stadt eine Seele", sagte Hoffmann. Er machte klar: Die Leute kommen nicht in die City, weil sie einkaufen, sondern weil sie beim Einkauf etwas erleben wollen.

Das stellt den Einzelhandel vor Herausforderungen, denen er nach Ansicht von Hoffmann nicht allein mit Einzelaktionen wie Modenschauen und Blasmusik oder verkaufsoffenen Sonntagen begegnen kann. Auch letztere helfen nur bedingt. Sie sorgen zwar für volle Innenstädte und Geschäfte - aber nur an wenigen Tagen im Jahr und nur bei günstigem Wetter.

Als Beispiel für Erlebniseinkauf schlechthin nannte der Diplom-Ökonom das "älteste Handelsinstrument": den Wochenmarkt. Die Kunden kommen, um zu kaufen, zu kommunizieren und zu konsumieren. "Investieren Sie in den Wochenmarkt statt in den verkaufsoffenen Sonntag", riet der Referent. "Dann haben Sie nicht ein- oder zweimal, sondern 52 Mal im Jahr eine volle Stadt." Sie als "Lebensraum für alle" zu gestalten, sei eine Gemeinschaftsaufgabe. Dabei seien Trends wie der demografische Wandel, Migration, soziale Parallelgesellschaften, Veränderung von Wohnformen und Arbeitsplätzen zu berücksichtigen. Und vor allem "der Megatrend Kultur" - nicht als Hochkultur in Form von Theater und Museen, sondern als im Alltag spürbare "Kiezkultur".

Verwaltung, Unternehmen, Einzelhandel und Privatleute seien gleichermaßen gefragt, Verantwortung für den Standort zu übernehmen. Der Online-Handel solle deswegen nicht ignoriert werden, sondern im Gegenteil mit dem stationären kombiniert werden. In manchen Städten gebe es schon gemeinsame und erfolgreiche Portale der örtlichen Geschäftsleute.

In Langenau bestehe durchaus Handlungsbedarf, so die stellvertretende GHV-Vorsitzende Lea Napierala im Anschluss an den Vortrag. Vor allem beim Angebot für junge Menschen sieht sie Luft nach oben. Sie geht davon aus, dass auch unter den Selbstständigen noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, um ausgetretene Pfade zu verlassen. Ein kleiner Schritt sei die Verlagerung des Wochenmarkts auf den Kirchplatz gewesen, aber das Angebot drum herum fehle noch.