Erbach / Bernd Rindle Umbruch im Prozess gegen drei mutmaßliche Drogenschmuggler aus Erbach. Strafkammer trennt vier von sechs Anklagepunkten ab – Teilgeständnisse zu zwei Beschaffungsfahrten.

Wegen der unklaren Beweis- und Rechtslage im Zusammenhang mit den Ermittlungen sind jetzt vier der sechs Anklagepunkte vom laufenden Verfahren abgetrennt worden. Um im Sinne einer Verfahrensbeschleunigung einen Mammutprozess zu verhindern, hat die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Ulm um Richter Wolfgang Fischer diesen Beschluss getroffen, weil der Umfang der Beweisführung derzeit nicht absehbar sei. Zudem benötige die Kammer „angemessene Zeit“ zur gerichtlichen Prüfung der Rechtmäßigkeit der polizeilichen Überwachungsmaßnahmen.

Just die hatte die Verteidigung bereits beim Prozessauftakt in Zweifel gezogen und teilweise harsche Kritik an der Vorgehensweise geübt. Gleichwohl bedeutet die Abtrennung der Anklagepunkte nicht, dass diese Vorwürfe vom Tisch sind, auch wenn Rechtsanwältin Ricarda Lang und ihr Kollege Helmut Mörtl letztendlich von einer Verfahrens-Einstellung ausgehen. Der verbliebene Komplex des momentan laufenden Prozesses betrifft zwei Beschaffungsfahrten nach Holland und Tschechien, bei denen rund 50 Kilo Marihuana eingeschmuggelt worden seien.

Was diesen Bereich betrifft, ist die Beweislage weit klarer. Einerseits, weil die Angeklagten mittlerweile Teilgeständnisse abgelegt haben. Andererseits aufgrund der polizeilichen Ermittlungsergebnisse, die die drei Männer im Alter von 35 bis 37 Jahren schwer belasten. Unter anderem sind nächtliche Telefonate des mutmaßlichen Rädelsführers und Organisators der Drogengeschäfte abgehört und mitgeschnitten worden, bei denen er mit einem Hintermann in Holland umfangreiche Preisverhandlungen geführt hat.

Einer der Angeklagten wurde auch im Ludwigsfelder Mordfall verdächtigt. Viele Beweise im Verfahren werden hinterfragt.

Telefonate mitgeschnitten

Als die Aufnahmen im Gerichtssaal vorgeführt wurden, hätte man meinen können, es handle sich um ein normales Gespräch zweier unbescholtener Kaufleute. Demnach gibt es offenbar auch im Drogenmilieu ein Weihnachtsgeschäft. Zumindest wurde der Lieferant über ein gesteigertes Interesse zu den Feiertagen ins Bild gesetzt: „Alle meine Kunden wollen viel einkaufen.“ Eine Nachfrage, die sich auch preislich auswirken müsse: „Über die Ferien muss man einen guten Preis machen.“

Wieviel Marihuana bei der Beschaffungsfahrt im November 2017 nach Deutschland eingeführt wurde, kann nur vermutet werden, da sich die Spur des Autos letztlich verloren hatte. Der als Zeuge geladene Ermittler geht von 30 Kilogramm aus. Anders verhält es sich bei einer weiteren illegalen Einkaufstour in Tschechien, die von der Polizei nahezu lückenlos überwacht wurde. Sie endete – mit angeblich etwa 20 Kilo Rauschgift im Gepäck – auf einer Parkbucht an der Autobahn beim Versuch, einer Polizeikontrolle zu entkommen.

Auto präpariert

Die Untersuchung des Fahrzeugs ergab, dass die Mercedes A-Klasse umfangreich präpariert und mit Drogenverstecken versehen worden war. Wie die vorgeführten Fotos zeigten, hatten die Schmuggler unter anderem einen doppelten Unterboden eingebaut, Drogen hinter Schwellern deponiert und aus Platzgründen sogar den Tank manipuliert.

Die Urteile sollen Anfang April gefällt werden.

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