Seißen Made in Seißen: Taschen aus Lkw-Planen

Mit einer Spezialnähmaschine näht Claudia Pfetsch Lkw-Plane zu Taschen zusammen. Gestaltet werden diese nach den Wünschen des Kunden. Foto: Volkmar Könneke
Mit einer Spezialnähmaschine näht Claudia Pfetsch Lkw-Plane zu Taschen zusammen. Gestaltet werden diese nach den Wünschen des Kunden. Foto: Volkmar Könneke
Seißen / HELGA MÄCKLE 14.06.2013
Sie sind robust und dank eines Klettverschlusses einfach verwandelbar: Claudia Pfetsch fertigt in Seißen Taschen aus Lkw-Plane. Was mit einem Gefallen für eine Freundin begann, ist inzwischen ein kleines Geschäft.

Es war die eine Tasche, die Claudia Pfetsch vor gut acht Jahren für eine Freundin genäht hatte. Aber diese Tasche aus robuster Lkw-Plane zog Kreise. "Es wollten immer mehr Leute eine", erzählt die Seißenerin. Und Claudia Pfetsch nähte. Wie viele Taschen inzwischen entstanden sind, kann die 45-Jährige nicht sagen. "Bis 100 hab ich sie durchgezählt, aber irgendwann hab ich aufgehört."

Keine ihrer Taschen ist wie die andere: "Die Leute kommen zu mir und haben eine genaue Vorstellung von dem, was sie haben wollen." Claudia Pfetsch setzt diese Ideen dann um: Hund, Katz, Maus, Frosch, Namen, Flaggen, Notenschlüssel, Phantasiegebilde - alles mögliche hat sie schon auf die Klappen genäht. Und die finden großen Anklang. Irgendwann ist sie dann dazu über gegangen, Klappen zum Auswechseln zu nähen. "Weil sich eine Kundin so gar nicht für eine entscheiden konnte." Die Klappen werden mit einem Klettband am Taschenkorpus befestigt, und damit sie auch immer passen, stellt Claudia Pfetsch die Taschen in standardisierten Größe her: S, M, L und XL. Je nach Outfit, Jahreszeit und persönlicher Stimmung kann der Träger sich für eine anderes Design entscheiden. Das Angebot reicht von einfarbiger oder bunt benähter Lkw-Plane über Felle bis hin zu Filz und farbenfrohem Wachstuch. Die Trageriemen sind immer aus stabilem Sicherheitsgurt aus der Autoindustrie, die Verschlüsse je nach Kundenwunsch aus Klett, mit Magneten oder Schnallen. Und immer ist das kleine Logo "cp" der Künstlerin angenäht.

Kein Stoffladen ist vor Claudia Pfetsch sicher. Vor allem in skandinavischen Ländern wird die 45-Jährige oft fündig. Wohl auch, weil Schweden zu den absoluten Lieblingsländern der gelernten Bauzeichnerin gehört.

Genäht habe sie schon immer gern, erzählt Claudia Pfetsch, vor allem für ihre drei Kindern. Aber Stoff und Lkw-Plane unterscheiden sich von ihrer Festigkeit gewaltig: Es gehört Übung und handwerkliches Geschick dazu, die feste, sperrige Plane zu einer Tasche zusammenzunähen. "Mit einer normalen Nähmaschine geht das nicht, manchmal habe ich acht Schichten übereinander." Daher hat sie sich, nachdem die Nachfrage stetig stieg, eine Spezialnähmaschine gekauft. Die steht im Schlafzimmer. "Da kann ich nähen, wann es mir passt und wie ich Zeit habe." Für den Zuschnitt der Plane ist der Dachboden im Hause Pfetsch gerade groß genug. "Denn die kann man nicht wie normalen Stoff falten, sondern man braucht Platz, um sie auszubreiten."

Etwa drei Stunden braucht Claudia Pfetsch für eine Tasche. "Hängt natürlich davon ab, wie aufwendig das Muster oder die Applikation ist." Verkauft werden die Taschen - je nach Größe - zwischen 45 und 85 Euro. Die Seißenerin bietet ihre Taschen auch im Internet, auf Weihnachtsmärkten und ähnlichem an. "Vor Weihnachten wird es meist stressig. Und ich hatte schon Männer, die an Heiligabend morgens vor der Tür standen und noch schnell eine Tasche für ihre Frau wollten", erzählt sie und lacht. Normal seien allerdings zwei oder drei Wochen Wartezeit für eine nach den Wünschen des Kunden gefertigte Tasche.

In letzter Zeit hat sie viele Aufträge bei "Taschenpartys" bekommen. "Das läuft ähnlich ab wie bei Tupper-Partys", erzählt die 45-Jährige. Sie findet diese Veranstaltungen zum einen toll, "weil es lustig ist und man viele nette Frauen kennenlernt", zum anderen habe sie es bei solchen Partys immer mit Leuten zu tun, die wirklich eine neue Tasche wollen. "Manchmal gibt es Kaffee und Kuchen, manchmal Sekt. Und wie bei einer Tupper-Party bekommt die Gastgeberin am Ende ein kleines Geschenk."

Obwohl Taschen das Hauptstandbein des kleinen Unternehmens sind, ist Claudia Pfetsch stolz darauf, dass ihre selbstgemachten Hundehalsbänder und -leinen in die USA und nach Schweden exportiert worden sind. Auch die hat die Seißenerin, die mit ihrem Mann eine Labrador-Hobbyzucht betreibt und auch als Hundetrainerin arbeitet, anfangs nur zum Spaß gefertigt - für ihre Hündin Mila. Zunächst nahm ein Hundeshop die Halsbänder und Leinen ins Sortiment und begann schließlich, diese auch zu exportieren. Und auch beim Hundezubehör aus Seißen gilt: robust und individuell.

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