Temmenhausen Lyrik und Bier

Andivalent (Mitte) bekam den stärksten Applaus und gewann den Dichter-Wettstreit. Foto: Lisa-Maria Sporrer
Andivalent (Mitte) bekam den stärksten Applaus und gewann den Dichter-Wettstreit. Foto: Lisa-Maria Sporrer
Temmenhausen / LISA-MARIA SPORRER 15.04.2014
Bar, Bühne und Literatur: Witzig und wortgewandt reimten sich Hanz und Andivalent in Temmenhausen zu Siegertypen. Zum ersten Mal stand Poetry Slam auf dem Dornstadter Kulturprogramm.

"Als ich erfahren hab, dass Van Gogh gelbe Farbe getrunken hat, weil er gelb als so fröhlich empfand, und er diese Fröhlichkeit auch in seinem Innersten spüren wollte, da dachte ich mir: Ach so, Van Gogh, war also verrückt . . ." Mit seinem Text "Van Gogh, Armin M. & Kemper" schaffte es Andivalent aus München ins Dichter-Finale von Temmenhausen.

Drei Regeln kennt der Poetry Slam, der Anfang der 90er Jahre Deutschland erreichte: Der Text muss selbst verfasst sein, Requisiten sind tabu, es gibt ein Zeitlimit, der Beifall des Publikums entscheidet. Im urigen Ambiente der "Krone" bekam der feingeistige Slam-Poet Andivalent am Samstagabend den lautesten Applaus.

Das Unkonventionelle ist das Erfolgsrezept: Literatur begleitet von dröhnendem Applaus, Bier zur Lyrik. Acht Poeten waren nach Temmenhausen gereist, sieben von ihnen kamen aus der avantgardistischen Kulturszene der Großstädte. Nur eine kam aus dem Nachbarort Bermaringen. Zwei Tage vor der Aufführung wurde die Physiotherapeutin von einem Patienten auf das Programm hingewiesen. Dann hat sie sich angemeldet. Einfach so.

Für die meisten Dichter steht der Spaß im Vordergrund: "Poetry Slam ist auch immer ein Glücksspiel", sagt Hanz, der aus Ludwigsburg kommende Zweitplatzierte des Abends. Der ehemalige Lehramtsstudent tritt zwischen Sylt und Wien auf, seine Brötchen verdiene er aber mit Workshops an Schulen, Seminaren und diversen Engagements, zu Beispie bei Hochzeiten. Selbst bei großen Wettbewerben sei der Hauptpreis lediglich eine Flasche Whiskey, "die wir sowieso nachher alle zusammen trinken".

Jörg Hunke, Hauptamtleiter der Gemeinde und Mitglied des Kultur-Arbeitskreises, der den Abend organisiert hatte, zeigte sich mit dem ersten Poetry Slam in Dornstadt zufrieden: eine Bereicherung des örtlichen Kulturprogramms und dank des guten Besuchs - der Saal war ausverkauft - kostendeckend.

Und alle waren begeistert, entwickelten kannibalische Lust an den fremden Texten. An dem von Andivalent zum Beispiel: "Es ist doch so: Wäre Armin M. ein etwas normalerer Kannibale gewesen, ein Bilderbuch-Kannibale sozusagen, dann hätte er wahrscheinlich irgendwelche Leute gekidnappt und gebissen. Dann hätte sich herausgestellt, dass das gegen deren Willen ist, und alle Beteiligten wären unangenehm berührt, in einer ziemlich peinlichen Situation gewesen."

Der Sieger des Abends war selbst überrascht - angesichts des Publikums im Saal der "Krone". "Das war heute ein ganz besonderer Slam", sagte er. "Normalerweise ist der Altersdurchschnitt so um die 20 Jahre niedriger, deshalb musste ich mir die Frage stellen, was ich den Leuten zumuten kann." Als Preis für seine Feinfühligkeit und seine Performance bekam er, neben dem Dornstadter-Dorn-Pokal, ein Care-Paket mit schwäbischen Spezialitäten - von wegen Whiskey.