Diskussion Luizhausen sammelt Unterschriften gegen Industriegebiet

Die Luizhauser fürchten eine Situation, wie sie auf unserem Symbolbild dargestellt ist: verstärkten Lkw-Verkehr im Dorf.
Die Luizhauser fürchten eine Situation, wie sie auf unserem Symbolbild dargestellt ist: verstärkten Lkw-Verkehr im Dorf. © Foto: Rainer Lauschke
Lonsee / Pia Reiser 20.07.2018

Stefan Scheiffele und einige weitere Luizhauser haben 140 Unterschriften gesammelt – gegen das geplante Industriegebiet „Luizhausen Ost“ und das damit verbundene höhere Verkehrsaufkommen in dem 340-Einwohner-Ort. „Ich will die Lebensqualität hier im Dorf nicht verlieren“, sagt Scheiffele. „Wenn man da etwas baut, dann ist das für immer.“

In dem geplanten Industriegebiet im Lonseer Ortsteil Luizhausen will sich ein Automobilzulieferer mit einem Presswerk ansiedeln und stellt bis zu 250 Arbeitsplätze in Aussicht (wir berichteten). Bereits im Herbst 2019 soll die Produktion starten. Dass es dagegen starken Widerstand im Dorf gibt, zeigte sich auch auf einer Bürgerversammlung am Mittwoch, zu der der Ortschaftsrat geladen hatte. Bei dieser stellte Stefan Scheiffele auch die Ergebnisse der Unterschriftenaktion vor. Mehr als 100 Bürger diskutierten mit.

Diskussion um Verkehr

Dabei stand auch die Frage im Raum, um welche Firma es geht. Ein Anwesender vermutete, es könnte sich um den Automobilzulieferer Allgaier handeln – dann könne man stolz sein, dass das Traditionsunternehmen ein Werk in Luizhausen bauen wolle, fand er. Bürgermeister Jochen Ogger bestätigte dies nicht direkt: Er habe Verschwiegenheit versprochen. Widersprechen wollte er aber auch nicht. Allgaier selbst nahm auf eine Anfrage der SÜDWEST PRESSE keine Stellung. Es gibt aber einen weiteren Hinweis: Das Werk in Luizhausen soll baugleich werden wie eines in Sachsen, das dieselbe Firma gebaut hat – Allgaier eröffnete 2015 im sächsischen Oelsnitz ein Presswerk.

Der Bürgermeister stellte den Versammelten die Vor- und Nachteile des Projekts dar: Dagegen würden etwa der Verkehr und der Flächenverbrauch sprechen, dafür hochqualifizierte Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie die Einnahmen durch die Gewerbesteuer. „Ich weiß, dass Luizhausen mit dem Gewerbegebiet gerade die Hauptlast in Lonsee trägt“, sagte er. Stefan Scheiffele befürchtet, dass diese Last nun zu groß wird.

Vor allem Lärm und Straßenverkehr des Industriegebiets boten Diskussionsstoff. 30 bis 40 Lkws könnten es werden, die pro Tag das Werk anfahren. Einige Anwohner befürchten, dass diese die Abkürzung durch Luizhausen und Scharenstetten nach Merklingen auf die A8 nehmen. „Wir haben lange gekämpft für die B10-Umfahrung. Dann hatten wir den Verkehr draußen, jetzt kommt er wieder rein“, sagte Stefan Scheiffele. Bürgermeister Ogger betonte, dass sicher nicht alle der 40 Lkws durch den Ort fahren, sondern meist über die B10. Außerdem wäre ein Tempolimit von 30 im Ort denkbar. Ein Zuhörer verwies darauf, dass es auch um die Beschäftigten gehe, die zum Werk fahren. Mit Blick auf die niedrige Arbeitslosenquote äußerte ein anderer die Sorge, die Arbeitskräfte der mittelständischen Unternehmen vor Ort könnten abgeworben werden.

Auch der Lärm des Presswerks bereitet den Luizhausern Sorgen. Dort soll rund um die Uhr gearbeitet werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man 700 Meter entfernt nichts mehr hören soll“, sagte einer. Roland Schmuck vom Ingenieurbüro Wassermüller erklärte, dass die Firma diesbezüglich ein Lärmschutzgutachten vorlegen müsse.

Fahrt nach Sachsen zugesagt

Die Dimensionen der geplanten Halle mit bis zu 21 Metern Höhe war ebenfalls Thema: „Ich bin sicher, dass manche erschrecken werden, wie hoch die 21 Meter wirklich sind“, kam eine Anmerkung aus dem Publikum. Daraufhin wurde der Vorschlag laut, dass man sich doch das Werk in Sachsen einmal anschauen könne – wenn es schon das gleiche dort gebe. Dieses wurde von allen Seiten begrüßt, Bürgermeister Jochen Ogger sagte zu, eine Fahrt zu organisieren. Man werde nun alle Anmerkungen aus der Diskussion mitnehmen und im Gemeinderat erneut besprechen.

Ortsvorsteher Andreas Schäch und der Bürgermeister zeigten sich überrascht vom großen Widerstand im Ort. Schäch betonte: „Für uns ist das im Moment der beste Kompromiss, den wir machen können.“ Der Ortschaftsrat habe bereits vor zwei Jahren einem Logistiker die Ansiedlung versagt, immer könne man nicht nein sagen.

Stefan Scheiffele hofft nun, dass einige Räte und Bürger ins Nachdenken kommen. „Das ist eine große Entscheidung, die darf nicht überhastet werden.“

Autozulieferer aus dem Landkreis Göppingen

Allgaier Die Firma mit Sitz in Uhingen (Kreis Göppingen) ist ein weltweit agierender Automobilzulieferer von Karosseriebauteilen und ist auch im Maschinen- und Anlagenbau aktiv. 2017 verzeichnete Allgaier einen Umsatz von 445,5 Millionen Euro, knapp 2000 Menschen sind in der Unternehmensgruppe beschäftigt.

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