Illerrieden Luft geschaffen zum Sparen

Illerrieden / FRANZ GLOGGER 07.02.2015
Einiges verschieben, aber nicht alles: Damit will Illerrieden schwierigen Haushaltsjahren begegnen. Bürgermeister Jens Kaiser erwartet besonders 2016 ein kniffliges Jahr.

So wie es aussieht, knackt Illerrieden mit dem Gemeindehaushalt 2015 die 10-Millionen-Euro-Hürde. 7,1 Millionen Euro sind im Verwaltungshaushalt geplant, stattliche 3,5 Millionen sollen über den Vermögenshaushalt investiert werden. Macht in Summe 10,6 Millionen Euro. "Das ist Rekord", sagte Kämmerer Roland Scheich diese Woche bei der Haushaltsberatung des Gemeinderats für das laufende Jahr.

Das Gremium hatte in einer ersten Diskussionsrunde zu entscheiden, ob alle Vorhaben wie geplant umgesetzt oder ob welche verschoben werden sollen. Hintergrund sind wichtige Aufgaben wie der Bau einer zweiten Krippengruppe, die stattliche Beträge erfordern und zugleich geringere Einnahmen als zuletzt. So konnte vergangenes Jahr dank außerordentlich hohen Einnahmen bei der Gewerbesteuer von 866.000 Euro - Auslöser war der Verkauf einer Firma - die Rücklage von 563.000 Euro auf 1,06 Millionen Euro aufgestockt werden. Ein Firmenverkauf sei allerdings eine einmalige Sache, mahnte Bürgermeister Jens Kaiser: "Wir können also nicht noch einmal mit einem so guten Ergebnis rechnen." Zugleich sei zu bedenken, dass die hohen Einnahmen zwei Jahre später, also 2016, zu hohen Umlagen ans Land führen. "Das wird ein schwieriges Jahr", so der Bürgermeister.

Deshalb bot die Verwaltung für etliche Positionen den Rotstift an. Dazu gehörte die Modernisierung des Sitzungssaals. 36.000 Euro waren dafür vorgesehen. "Das ganze hier hat zwar den Charme der 70er Jahre, kann aber auch noch eine Weile so bleiben", sagte Kaiser. Das Gremium stimmte für das Verschieben ebenso wie bei der Generalsanierung der Wannenstraße, die nun nur teilweise einen neuen Belag bekommt. Anstatt rund 250.000 Euro wird nun mit "um die 60.000 Euro" gerechnet. Nicht gespart werden kann am Umbau des Filmsaals der Schule für Zwecke der Gemeinschaftsschule, die im Herbst mit der 6. Klasse in Illerrieden Einzug hält. 35.000 Euro sind dafür eingestellt sowie 12.000 Euro für neue PC in der Grundschule. Die größte Diskussion entbrannte über den Bau einer stärkeren Wasserleitung ins Gewerbegebiet "Tal" für 180.000 Euro. Die bisherige sei zu gering um Löscharbeiten sicher zu stellen, erläuterte Ratsmitglied und Feuerwehrkommandant Thomas Lambacher. Bislang greife die Feuerwehr auf den längs der Iller laufenden Bach zurück. Hierbei sei aber zu hoffen, dass der Biber rechtzeitig ausreichend Wasser angestaut habe. Die von verschiedenen Räten angestellten Überlegung zu günstigeren Alternativen beurteilte der Kommandant als unzureichend. Dennoch soll das Thema von der Feuerwehr nochmals aufgegriffen werden, zusammen mit einem Fachbüro.

Größere nicht diskutierte Posten sind Feldwegsanierungen mit einer Summe von 120.000 Euro, 550.000 Euro für Grunderwerb sowie ein Betrag von 100.000 Euro für Abwassermaßnahmen im Teilort Dorndorf. "Da müssen wir mal ran", sagte Kaiser. Das Richten der Bürgerhausfassade in Dorndorf sollen ehrenamtliche Helfer gewonnen werden, um einen Teil der angesetzten 12.000 Euro einzusparen. Mit der ersten Sparrunde war Kaiser zufrieden und sieht "Luft" für die kommenden Jahre. Der Schuldenstand beträgt derzeit 1,25 Millionen Euro. 2015 sind weitere 500.000 Euro vorgesehen.

Schlussendlich lenkte Kaiser den Blick auf die Seite der Einnahmen, die die Gemeinde bestimmen kann: die Hebesätze für die Grund- beziehungsweise die Gewerbesteuer sowie die Friedhofsgebühren. Erstere sind seit 2005 nicht angehoben worden, bei den Grabgebühren hatte Scheich schon zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass 2013 ein Deckungsgrad von 18 Prozent erreicht wurde. Für 2014 erwartet er 31 Prozent. Damit liege die Gemeinde weit von den vom Landratsamt Alb-Donau empfohlenen 60 Prozent entfernt. Josef Gentner sieht bei den Hebesätzen Handlungsbedarf, denn es könne nicht sein, dass die Zuweisungen vom Land kräftig steigen, währen die eigenen Möglichkeiten nicht genutzt werden. Die Inflation einberechnet seien die Gemeindesteuern immer günstiger geworden. In diesen Kontext gehörten auch die Friedhofsgebühren, forderte Petra Scheich. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung einstimmig, auf der Basis der Änderungen den Haushalt weiter auszuarbeiten.

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