Alb-Donau-Kreis / JOACHIM STRIEBEL  Uhr
Der Notarztdienst auf der Laichinger Alb ist über den Jahreswechsel hinaus gesichert und soll optimiert werden. 2016 geht ein neuer Notarztstandort in Langenau in Betrieb. Dennoch bleiben Lücken. Mit einem Kommentar von Joachim Striebel: Mehr Transparenz.

Kurz vor Jahresende ist der Bereichsausschuss für den Rettungsdienst auf die zehn Mediziner zugegangen, die mit dem in Merklingen ansässigen ASB Alb & Stauferland zu Notarzteinsätzen ausrücken. Wie berichtet, besteht der Ausschuss zunächst nicht mehr darauf, dass das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) grundsätzlich gleich mit Notarzt von Laichingen aus zum Einsatz fährt. So hatte es ein vom Bereichsausschuss in Auftrag gegebenes Strukturgutachten gefordert, weil aufgrund der Bevölkerungsdichte in Laichingen mehr Menschen innerhalb einer Hilfsfrist von zehn Minuten erreicht werden können als von Merklingen aus. Für die nicht in Laichingen praktizierenden oder wohnenden Ärzte hätte das bedeutet, auf einer Wache in Laichingen auf den Einsatz warten zu müssen (durchschnittlich sind es 2,7 pro Tag) und nicht mehr zu Hause abgeholt zu werden.

In einer vom Bereichsausschuss eingesetzten Arbeitsgruppe sollen mit den betroffenen Ärzten Vorschläge zur Verbesserung der Hilfsfristen erarbeitet werden. Mit dabei ist auf jeden Fall Dr. Paul-Gerhard Steinestel, niedergelassener Arzt in Laichingen und Notarzt, der seit der jüngsten Sitzung des Bereichsausschusses dort einen Sitz hat. Er übernahm den vakanten Platz der Kassenärztlichen Vereinigung im Alb-Donau-Kreis. "So wird man wieder zueinander finden", sagt Dr. Michael Gösele, der Sprecher der Notarztgruppe.

Der ASB Alb & Stauferland, der in Merklingen eine Rettungswache betreibt und auch das Notarzteinsatzfahrzeug samt Fahrer stellt, hält Laichingen für den zentraler gelegenen Ort für den Notarzt. "Wir bauen dort einen richtigen Notarzt-Standort auf", sagt der stellvertretende Landesgeschäftsführer Daniel Groß. Bislang gebe es nur eine unzureichend ausgestattete Unterkunft für den Fahrer, der gleichzeitig Rettungsassistent ist. Künftig sollen Ärzte, die von außerhalb kommen und beim ASB Dienste mit übernehmen, dort übernachten können. "Ein Verbesserungspotenzial ohne Brisanz", sagt Groß.

Für Gösele, er wohnt in Nellingen und ist im Hauptberuf Oberarzt am Bezirkskrankenhaus in Günzburg, ist entscheidend, dass auch künftig der Notarztstandort Laichinger Alb durchgehend funktioniert. Er hatte in Schreiben an Landrat Heinz Seiffert und die Bürgermeister der Alb-Gemeinden darauf hingewiesen, dass die Alb nicht etwa von Blaubeuren aus mit versorgt werden könne, weil der Standort beim dortigen Krankenhaus seit Jahren "mit erheblichen Ausfallzeiten" beim Notarztdienst zu kämpfen habe. So haben die Laichinger Ärzte in Blaubeuren Einsätze übernommen. Nach Göseles Statistik erfolgten im Jahr 2014 zehn Prozent der insgesamt 991 Notarzteinsätze nicht in dem eigentlichen Einsatzgebiet, sondern in Blaubeuren, Dornstadt, Wiesensteig und anderen Orten.

Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE hatte sich der Notarzt-Standort Blaubeuren im August zwei Wochen am Stück und Ende November/Anfang Dezember für mindestens eine Woche bei der Rettungsleitstelle in Ulm abgemeldet. An einem Tag wurde der Notarzt von der Laichinger Alb zu einem Notfall nach Blaubeuren gerufen. Der Mediziner begleitete den Patienten im Rettungswagen in eine Ulmer Klink. Währenddessen wurde bei einem weiteren Notfall in Blaubeuren ein Notarzt benötigt. Der kam aus Ehingen. Dann kam ein weiterer Notruf aus Laichingen. Ein Notarzt aus Ulm eilte dann mit dem Wagen auf die Alb. Weil es schon dunkel war, konnte der beim Ulmer Bundeswehrkrankenhaus (BWK) stationierte Hubschrauber nicht starten. Immer wieder muss das Team des Hubschraubers im Raum Blaubeuren aushelfen.

Fahrzeug und Fahrer werden in Blaubeuren vom DRK vorgehalten, für den Notarztdienst ist die Krankenhaus GmbH Alb-Donau-Kreis zuständig. Laut Pressesprecherin Daniela Rieker war der Notarztstandort Blaubeuren "im Jahresverlauf in 8,6 Prozent der Zeiten abgemeldet". Neben entsprechend qualifizierten eigenen Krankenhausärzten übernehmen andere Ärzte, teils vom BWK, Schichten in Blaubeuren. Bedingt durch die Urlaubszeit könnten in den Sommermonaten Ausfälle häufiger auftreten als im Rest des Jahres, berichtet Rieker. Sie spricht von durchschnittlich zwei bis drei Einsätzen pro Tag.

Weil es in Langenau Defizite gibt, die auch vom Gutachter bestätigt wurden, wird dort ein neuer Notarzt-Standort eingerichtet. Aller Vorraussicht nach am Kreiskrankenhaus. "Wir werden auch dort wie in Blaubeuren versuchen, einen Teil der Dienste mit externen Kooperationspartnern abzudecken und einen Teil mit eigenen Ärzten", antwortet Daniela Rieker auf Anfrage. Ein kleines Haus wie Langenau habe weniger ärztliche Personalressourcen als eine große Klinik. "Sicher ist, dass wir mit unseren in Langenau eingesetzten Ärzten keine Rund-um-die-Uhr-Abdeckung sicherstellen werden können." Das Notarzteinsatzfahrzeug und das Personal sollen in einer Testphase gemeinsam von ASB und DRK gestellt werden. Offenbar ist geplant, den Notarztstandort zum Ende des ersten Quartals 2016 zu eröffnen. Dr. Götz Hartung, Vorsitzender des Bereichsausschusses und des DRK-Kreisverbands Ulm, nennt aber noch keinen Termin.

Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE kommt das vom Bereichsausschuss in Auftrag gegebene Gutachten zum Schluss, im Bereich Ulm/Alb-Donau einen weiteren Notarztstandort einzurichten: Im Ulmer Süden, etwa auf dem Kuhberg - zusätzlich zum Standort an der Uni am Oberen Eselsberg. Doch mit welchen Ärzten?

Kommentar von Joachim Striebel: Mehr Transparenz

Der Bereichsausschuss für den Rettungsdienst bildet nach langem Hin und Her gemeinsam mit den Notärzten der Laichinger Alb eine Arbeitsgruppe, um die vom Gutachter angemahnten Hilfsfristen zu verbessern. Die Zusammenarbeit hätte der Ausschuss schon im Sommer haben können. Stattdessen wurde versucht, das neue System mit der Besetzung einer Notarzt-Wache in Laichingen durchzudrücken - ohne die Beteiligten ins Boot zu holen. Auch das undiplomatische Vorgehen des für den Standort zuständigen ASB Alb & Stauferland sorgte für Verdruss und veranlasste die Ärzte zur Kündigung. Eine bittere Pille. Denn ohne deren Einsatz wäre das Notarzt-System auf der Alb, auf der es keine Klinik gibt, undenkbar.

Unverständlich ist, dass der Bereichsausschuss das Strukturgutachten nicht öffentlich macht und es nicht einmal der Notarztgruppe vollständig zur Verfügung stellt. Ein Gutachten anfertigen zu lassen, ist das eine. Die Ergebnisse umzusetzen, das andere. Und das geht eben nicht ohne diejenigen, die die Neuerungen mit Leben füllen sollen.

Mehr Transparenz würde dem stets nichtöffentlich tagenden Bereichsausschuss gut anstehen. Immerhin geht es dort um nicht weniger als die medizinische Notfallversorgung für mehr als 300.000 Menschen in Ulm und im Alb-Donau-Kreis.