Prozess Lohn bar auf die Hand bekommen

Blaustein / Patrick Fauß 13.10.2018

Vor dem Neu-Ulmer Schöffengericht ist der Prozess gegen einen 58-Jährigen aus dem Alb-Donau-Kreis eröffnet worden. Der Angeklagte hatte jahrelang einen Laden samt Lager für asiatische Waren in Neu-Ulm betrieben. Für die dort beschäftigten Mitarbeiter hatte er jedoch keine oder nur unvollständige Sozialabgaben bezahlt, so die Anklage. Zwischen 2013 und 2016 seien den Sozialkassen rund 74 000 Euro entgangen. Konkret geht es im Prozess um vier Mitarbeiter, die als geringfügig Beschäftigte geführt wurden. Tatsächlich hatten sie aber wohl mehr als erlaubt gearbeitet. Die Anklage lautet auf Vorenthaltung und Veruntreuung. Wie der Angeklagte im Verlauf des Verfahrens mitteilte, habe er offene Steuerschulden in Höhe von mehr als einer Million Euro.

Zoll durchsucht das Geschäft

Als erster Zeuge wurde ein 44-Jähriger aufgerufen. Er habe von Montag bis Freitag ganztags im Lager gearbeitet, außerdem im Laden und im Büro manchmal geputzt. Jede Woche habe er 200 Euro in bar auf die Hand bekommen. Im Monat waren es 800 Euro. Eine Rechnung habe er nur einmal zu Beginn seiner Tätigkeit 2013 gesehen. Im Juni 2016, nachdem der Zoll Laden und Lager durchsucht hatte, habe man ihm gesagt, dass er nicht weiter beschäftigt werde. Wie der Zeuge sagte war er vor seiner Tätigkeit bei dem Angeklagten eine Zeit lang obdachlos gewesen. Er habe keinen Führerschein und sei mit den Fahrern zu den Kunden gefahren. Zumeist Restaurants oder Läden mit asiatischen Waren. Als Ziele der Transporte nannte er unter anderem Ravensburg, Friedrichshafen und Ulm.

Ein vietnamesischer Fahrer wurde ebenfalls befragt. Der 54-Jährige war offenbar über einen Zeitraum von zehn Jahren auf Stundenbasis bezahlt worden und hatte zwischen 400 und 800 Euro im Monat verdient.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch, 15.30 Uhr, fortgesetzt.

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