Johannes Braun

Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei/ Mit der Übeltäterei“: So endet das mit dynamisch gezeichneten Streichen wohl bekannteste Kinderbuch: 150 Jahre ist es her, dass man in Wilhelm Buschs Bilderbuch erstmals von den bösen Kindern Max und Moritz lesen konnte; nun gibt es eine Fortsetzung. Sozusagen. Denn die Ablehnungen der Verlage zur Veröffentlichung wurden überwiegend begründet mit der Aussage: dem alten Klassiker zu ähnlich. „Schon mein Vater hat sein Manuskript mit dieser Antwort zurückgeschickt bekommen“, sagt Margot Büchele, die nun, knapp zehn Jahre nach dem Tod ihres Vaters, sein Buch publiziert hat.

Es steht dem großen Vorbild in Sprachwitz und makaberem, schadenfrohen Humor, nicht nach. Und auch die Zeichnungen reichen in ihren schaurig-komischen Darstellungen  an das Original heran. Lediglich die Namen wurden überarbeitet: „Die zwei Brüder Franz und Frieder“, heißt das Buch von Eugen Büchele, dem bekannten Kirchberger Lederwarenfabrikanten.  Zwar habe er damals schon seinen Enkeln daraus vorgelesen, „wissen durfte aber von dem Buch damals sonst niemand“, sagt seine Tochter Margot.

Die losen Blätter mit den Aquarell-Zeichnungen und den darunter geklebten, mit Schreibmaschine verfassten humoristischen Zeilen, waren bereits nummeriert. Eine Feierabend-Fleißarbeit sei das Zeichnen und Reimen damals für ihn gewesen. Gemalt habe ihr Vater immer schon gerne, mal Comic-Zeichnungen für die Hörzu, mal in Öl für das Wohnzimmer.

Die Bilderwelten, die Eugen Büchele in den 80er Jahren erschaffen hat, halten den gezeichneten Figuren, wie schon bei Wilhelm Busch, den Zerrspiegel ihrer Rollenverteilung vor. „Und die Moral von der Geschicht:/ So kann man die Welt erlösen/ von den Zungen, von den Bösen“, ist etwa das Ergebnis des zweiten Streichs von Franz und Frieder, bei dem sie drei Tratsch-Tanten listig krankenhausreif zurichten. Das nun erschienene Buch entzaubert auch heute, in Zeiten der Supernanny und der florierenden Nachfrage nach Kinderpsychologen, den Mythos der Kinder als unschuldige Wesen. Schließlich sind die zwei Brüder „listig, lustig, frohgemut/ und voll Tücken hin und wieder/ sind für alle Streiche gut.“

Trotzdem liebenswert, nennt Margot die beiden Lausbuben ihres Vaters, „dazu mit tollen Zeichnungen und nett geschrieben“, sagt sie. Eine fast fünfstellige Summe hat die Tochter deshalb in das Andenken ihres Vaters investiert: Weil kein Verlag ihr das Buch abnehmen wollte, brachte sie es nun im Self Publishing heraus. Auflage: 3000 Stück. Nur auf das sechste Kapitel hat sie verzichtet, obwohl Briefe ihres Vaters belegen, dass es eins geben müsste. „Ich habe aber nur ein Bild dazu gefunden“, sagt sie. Am Ende dann  – soviel sei verraten – kennt Eugen Bücheles Moral der Streiche, anders als bei Buschs tödlichen Ausgang für die beiden Lausbuben, Gnade: „Man kann’s in kurze Worte fassen:/ Du sollst dich nicht erwischen lassen!“

Buch und Person

Buch Eugen Büchele: Franz und Frieder - zwei Jungs und ihre lustigen Streiche. Paramon-Verlag, Taschenbuch, 65 Seiten. ISBN: 978-3-03830-296-4

Person Eugen Büchele wurde im Jahr 1928 als Sohn eines Fabrikanten in der Gemeinde Kirchberg an der Iller geboren. Im Alter von neun Jahren kam er mit seinem älteren Bruder für zwei Jahre ins Internat nach Simbach am Inn. Aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, übernahm er im Jahr 1959 nach dem Tod seines Vaters dessen Lederwarenfabrik, die er bis ins Jahr 1989 zusammen mit seinem Cousin leitete. Er starb 2007 in seinem Geburts- und Wohnort Kirchberg. lms