Blaubeuren Liederkranz Blaubeuren löst sich auf

Blaubeuren / EVA MENNER 27.02.2016
Schweren Herzens haben am Donnerstag die Mitglieder des "Liederkranz" Blaubeuren für die Auflösung des 1845 gegründeten Vereins gestimmt.

Mit 12 Ja-Stimmen von 17 bei der Mitgliederversammlung Anwesenden wurde die benötigte Dreiviertel-Mehrheit erreicht. Bei der Hauptversammlung im Januar war klar geworden, dass der Schritt nicht mehr zu vermeiden war. Gründe: zu wenige aktive Sängerinnen und Sänger, Überalterung und schlechte finanzielle Lage. "Wir haben diese schwierige Entscheidung schon seit fünf Jahren vor uns hergeschoben", sagte die langjährige Vorsitzende Inge Hettich. Die Lage sei nicht besser geworden, kein Sängernachwuchs in Sicht.

Der Vorstand hatte sich bei der Mitgliederversammlung nicht mehr zur Verfügung gestellt, es gab keine Nachfolger. Die vier Gegenstimmen zur Auflösung wertete Hettich als verständliche emotionale Entscheidung, aber niemand wisse, wie der Verein weitergeführt werden könne. Nur 18 aktive Sänger, zum Teil recht betagt, gibt es noch. Bei den Proben waren im letzten Jahr im Schnitt nur zwölf anwesend. Altersbedingt konnten auch keine Einnahmen durch Verkaufsstände bei Veranstaltungen erzielt werden und die Mitgliedsbeiträge reichen nicht aus, um das Dirigentenhonorar zu bezahlen.

Hettich und der bisherige zweite Vorsitzende Dietmar Erb müssen nun den Verein abwickeln. Formalitäten mit dem Amtsgericht stehen an, die Noten will man anderen Vereinen anbieten, eventuell vorhandenes Restvermögen fällt laut Satzung an die Blaubeurer Bürgerstiftung. Bis Juni will man noch miteinander singen, ein "Hineingleiten in den Abschied", so Hettich. Falls es je wieder Interessierte an einen Gesangverein in Blaubeuren gibt, sei ein Verein schnell gegründet, meinte sie, aber für den Liederkranz sei der Zeitpunkt des Abschieds gekommen. "Das ist ein alter Zopf, den man nicht weiterflechten kann."

1844 war in Blaubeuren ein Kirchengesangsverein gegründet worden. Schon ein halbes Jahr später scherten die männlichen Mitglieder aus und gründeten den damals rein männlichen Liederkranz. Im Oktober 1845 wurde ein dritter Gesangsverein, die Liedertafel ins Leben gerufen. Kirchengesangsverein und Liedertafel lösten sich wieder auf und der Gesangsverein "Bürgergesellschaft" wurde gegründet. Bei einem Besuch von König Karl von Württemberg 1880 entbrannte zwischen beiden ein Streit, welcher Verein dem König ein Ständchen darbringen dürfe. Bald darauf aber vereinigte man sich zum Chor mit dem schlichten Namen "Männergesangverein". 1913 kam es zu einem weiteren Zusammenschluss mit der "Harmonie" und zum neuen Namen "Liederkranz Blaubeuren". Ab 1928 durften auch Frauen mitsingen.