Mord aus Heimtücke und niederen Beweggründen wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, der seinen 19-Jährigen Verwandten im April 2017 mit dem Hammer erschlagen und in einem Anglersee bei Erbach versenkt haben soll. In Folie verpackt und mit einem Betonstein beschwert. Als Motive nimmt die Ulmer Staatsanwaltschaft Blutrache an.

Ob es so ist, werden die nächsten Monate erweisen. Am Montag, 16. April, 8.30 Uhr, beginnt das Verfahren ­­– vor der 2. Großen Strafkammer des Ulmer Landgerichts.  Der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan hat sich auf einen umfangreichen Indizienprozess eingestellt. 59 Aktenordner Material haben die Ermittler gesammelt. Das Gericht hat vorsorglich 33 Sitzungstage bis in den Januar 2019 hinein anberaumt.

Vermutlich Fortführung einer Blutrache

Von einem komplizierten Verfahren geht das Gericht schon deshalb, aus,  weil es sich bei dem Mord um die Fortführung einer Blutrache handeln soll. Hintergrund ist demnach ein im Jahr 2000 in Albanien begangenes Tötungsdelikt. Das 19-jährige Mordopfer soll ein Neffe des damaligen Täters gewesen sein.

Insbesondere im Norden Albaniens herrscht das Gewohnheitsrecht Kanun. Demnach haben Opfer von Gewalt das Recht, sich nach dem Prinzip „Wunde für Wunde“ zu rächen. Die Tötung von Blutsverwandten wird durch die Familie des Opfers gerächt. Eine Gewaltspirale entsteht, die sich oft jahrzehntelang dreht.

Der Angeklagte, der sich in Untersuchungshaft befindet, bestreitet die Tat. Außerdem ist unklar, ob es einen weiteren Tatbeteiligten gab. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der bis dahin polizeilich unauffällige  Mann, der zuvor eine Autowaschstraße betrieben hatte, nicht allein gehandelt haben könnte. Eine zweite verdächtige Person konnte die rund 30-köpfige Sonderkommission „See“ bislang aber nicht ermitteln. Trotz umfassender Recherchen in Südosteuropa.  

Erbach/Göppingen