Laichingen Leben und Freiheit per Gitarre

Seine Noten ließ Mayer nach jedem Lied auf den Boden flattern. Foto: sgk
Seine Noten ließ Mayer nach jedem Lied auf den Boden flattern. Foto: sgk
Laichingen / SABINE GRASER-KÜHNLE 13.05.2013
Leidenschaftliches Gitarrespiel in der Stunde der Kammermusik. Wolfgang Mayer hat mit seiner Musik die graue Regentristesse aus den Köpfen der Zuhörer im Bürgersaal vertrieben. Er holte das pure Leben herein.

Der Gitarrist Wolfgang Mayer ist am Muttertag für die erkrankten Interpreten Peter und Natalia Gerter eingesprungen und hat eine heitere und "be-sinnliche" Matinee bereitet. An Südamerika liebe er besonders die Freiheit, die dort gelebt werde, erzählte er zu Beginn - und merkte nach einer Kunstpause an: "Freilich wird die Freiheit dort hauptsächlich in der Musik versprochen." Und von dieser musikalisch gelebten Freiheit war sein Konzert mit der spanischen Gitarre geprägt. Wolfgang Mayer lebt in seinem Gitarrenspiel, das leidenschaftlich, enthemmt und voller Tiefe ist. Kurz gesagt: Mayers Musik ist das musikalische Synonym für Leben und Freiheit.

Das spürten die Zuhörer nicht nur akustisch, es war auch deutlich in seinem Gesicht zu lesen, wenn er - wie entrückt - seinen selbst erzeugten Klängen nach horchte und mit bittersüßer Miene die Emotionen der Kompositionen durchlebte. Einerlei, ob es ein feuriger Bulerias des Flamencogitarristen Oscar Herrero war, den Mayer entflammt und virtuos spielte, oder eine gefühlvolle Zigeunermusik wie "Sentir del Sacromonte" aus Nino Ricardos "Grenainas" mit Dauertremoli, die sich wie ein Schleier über die Melodie legten.

Geboren in der "Wiege der Demokratie, nämlich in Niederbayern", wie Wolfgang Mayer erklärte, habe er gleich nach der Geburt gedacht, das komme ihm spanisch vor. Das habe den zwei Tage jungen Menschen zum Kauf seiner ersten Gitarre und zum Erlernen dieses Instruments bewegt. Solcherlei Erzählungen waren die humorvolle, teils mit einer kräftigen Prise Satire gewürzte Überleitung zum nächsten Werk. Sie offenbarten aber auch einen Menschen, der die Sinnhaftigkeit des Lebens im Blick hat. Seine musikalische Antwort auf die Sinnfrage der Welt, sei das folgende Werk, sagte er und legte los: Verspielt, verschmitzt und lyrisch - so kamen die Variationen Paganinis zum neapolitanischen Lied "O cara mama mia" daher. Ein Thema, das bei uns als die Kinderlieder "Mein Hut der hat drei Ecken", oder "Ein Mops kam in die Küche" bekannt ist. Mit begeistertem Beifall wurde die Darbietung von Niccolo Paganinis "Carneval de Venezia" bejubelt.

Wolfgang Mayer hat sein Leben der Musik gewidmet und fragte "was gibt es Schöneres, als tagsüber auszuruhen und abends zu spielen". Das äußerte sich in einem ausdrucksstarken Spiel. Damit bahnte er sich auch in der musikalischen Schilderung der Costa Verde den Weg in die Phantasiewelt der Zuhörer. Ein Werk über die spanische Region Asturias, als Hommage des Komponisten Isaac Albeniz an sein Heimatland. In den Köpfen des Publikums entstanden weite und weiche Wiesen, aber ebenso gefährlich schroffe Felsenküsten.

Längst nicht nur lateinamerikanische und südländische Werke, wie von Tom Jobim und Heitor Villa-Lobos, spielte der Gitarrist mit Verve, sondern durch ihn entdeckten die Zuhörer gar in Johann Sebastian Bachs bekannter Violinenprelude BWV 1006 neue Facetten, wie sie nur die Gitarre ans Tageslicht bringen kann. Erst nach zwei Zugaben entließ Wolfgang Mayer sein Publikum.

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