Kunstprojekt Langenauer Fotograf reist durch Italien

Langenau / Barbara Hinzpeter 05.01.2018
Mit seinem Oldtimer war Helmut Schlaiß auf mehreren Etappen in Italien unterwegs – immer auf den Spuren von Goethe.

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“. Das Zitat des Philosophen Tommaso Campanella steht auf dem weißen Renault R4–Kastenwagen von Helmut Schlaiß. Der Langenauer Fotograf hat sich den Oldtimer vor einigen Jahren selbst zum 60. Geburtstag geschenkt – und sich damit seinen Traum erfüllt.

Die üblichen Pfade verlassen

In vier Etappen folgte er seit 2015 den Routen der Italienreisen Goethes und erlebte auch 230 Jahre später manches Abenteuer. Daran denkt nicht unbedingt, wer sich heute aufmacht ins „Land, wo die Zitronen blüh´n“. Eher an überfüllte Strände und Touristenmassen. „Die Städte sind alle sehr geschäftig geworden“, stellt Schlaiß mit Bedauern fest. Trotzdem sei er immer noch Fan des Landes, in dem er während seiner „Sturm- und Drang-Jahre“ als Rucksacktourist und beruflich viel unterwegs war. Und jetzt eben auf Goethes Spuren.

Der Langenauer wollte die Tour komplett absolvieren und dabei – wie der Dichterfürst – ausgetretene Pfade verlassen. Die Herausforderung bestand nicht nur darin, die beschriebenen Orte bei möglichst optimalem Licht zu fotografieren und die von Goethe empfundene Stimmung künstlerisch zu erfassen. Schwierig war es auch, die Erlaubnis dafür zu bekommen oder die richtigen Perspektiven überhaupt zu finden.

Wie etwa den Weg von Assisi nach Foligno. Erst nach etlichen Stunden Suche in sengender Hitze fand der Langenauer die Stelle, die seiner Meinung nach der Beschreibung Goethes entsprechen könnte. In Ferrara sollte Schlaiß vor dem Raum, in dem er das Grabmal von Ariosto fotografieren wollte, alle Gegenstände abgeben – auch seine Kamera. Der Schwabe holte sich aus der nahegelegenen Unibibliothek einen Studenten als Übersetzer und besorgte für die Dame am Eingang einen Blumenstrauß – mit dem Ergebnis, dass er das Denkmal doch ablichten durfte.

Genau wie Goethe war Schlaiß an einem 3. September um 3 Uhr früh in Karlsbad zur ersten Reise gestartet. Das war 2015. Abgeschlossen hat er das Projekt im Herbst 2017 nach einer fast achtwöchigen Tour in seinem „Ein-Mann-Wohnmobil“ und sehr bewegenden Erlebnissen, die er in einem Internet-Tagebuch festgehalten hat (siehe Info-Box).

Da wäre sein „Wunder von Pompeji“ zu nennen, das der Langenauer auch heute noch kaum fassen kann. Er war mit dem Zug auf dem Rückweg von der historischen Stätte, als er kurz vor der dritten Station mit großem Entsetzen bemerkte, dass sein Fotoapparat fehlte. Er stieg aus und fuhr zurück zum Ausgangspunkt. In der Wartehalle stand die Ausrüstung  erwartungsgemäß nicht mehr. Am Fahrkarten-Schalter schilderte der Schwabe sein Problem – und war verblüfft: „Der Angestellte stand auf, ging zum Schrank und holte meine Kamera herunter.“

Auch in Neapel hat er etwas außergewöhnliches erlebt: Als der Fotograf dort durch ein etwas heruntergekommenes Viertel schlenderte, zupfte ihn ein Obdachloser am Ärmel und sagte etwas, das für ihn wie „Mangiare“ (zu Deutsch: essen) klang. „Wenn da Honger hasch, kommsch mit“, antwortete der Schwabe. Die Männer steuerten eine Bar an, deren Gäste ihnen bedeuteten, dass der Obdachlose nicht willkommen sei. Trotzdem bestellte Schlaiß Sandwiches und Biere. „Da kippte die Stimmung, die Gäste begannen zu singen und wir waren nicht nur geduldet, sondern irgendwie willkommen.“

In der Nähe von Neapel hatte Schlaiß ein erschütterndes Erlebnis:  Nur ein paar hundert Meter von seinem Stellplatz beim Campingplatz Solfatara in Pozzuoli entfernt verunglückte eine Familie tödlich – vermutlich aufgrund der giftigen Gase am Vulkankrater. Das tragische Geschehen an den Phlegräischen Feldern werde er nie vergessen, sagt Schlaiß.

Nachhaltig sind aber auch positive Eindrücke, die er in seinem Blog festgehalten hat. Sie illustrieren das Dichter-Wort, mit dem der Fotograf sein Tagebuch beschließt: „Das ist das Angenehme auf Reisen, dass auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt.“

Der Reise-Blog ist weiterhin online

Ausstellungen Helmut Schlaiß plant nun Ausstellungen, Veranstaltungen  und eventuell ein Buch, in dem er seine Bilder aus Italien Goethes Texten gegenüberstellt.

Blog Sein Blog ist weiterhin nachzulesen auf goethereise.wordpress.com.

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