Openair Langenau: So war der Naurock 2018

Langenau / Barbara Hinzpeter 03.09.2018

Schon vor der Show gab’s „We will rock you“ – in der Garderobe und exklusiv für den vierjährigen Timo. Ohne die Hymne schläft er abends nicht ein. Da kam sein Vater, der sie ihm Abend für Abend vorsingen muss und im Naurock-Team mitschafft, auf die Idee, dem Sohn mal den Freddie zu zeigen, berichtet Reiner Genz, Naurock-Organisator der ersten Stunde. Vorsichtig hätten die beiden angeklopft, denn nicht jeder Künstler mag vor dem Auftritt gestört werden. Doch Harry Rose, schon im weißen Bühnen-Outfit, habe nicht nur die Tür aufgemacht, sondern eigens für Timo das „Schlaflied“ gesungen.

Danach singt er exklusiv für die 700 Menschen auf dem TSV-Gelände – und am Ende tauchen leise Zweifel auf, ob da nicht doch der echte Freddie auf der Bühne stand. Es ist aber „nur“ ein Gesangslehrer aus Düsseldorf namens Harry Rose, der mit künstlichen Zähnen den Überbiss von Freddie Mercury nachahmt, all seine Pfauen-Posen drauf hat und einige Kostüme aus der Spätphase des Sängers zur Schau trägt.

Macht es das schlechter? Nein, denn Rose singt gut. Seine Stimme klingt sauberer, weniger schmutzig als die des Originals, und er schafft auch die Höhen, die sich Mercury live gerne mal erspart hat. Rose schenkt sich nichts. Wirkt das Ganze am Anfang noch ein wenig aufgesetzt, so entwickelt die „Queen Revival Band“ einen unglaublichen Sog, der einen unweigerlich in dieses Queen-Universum hineinzieht. Augen zu – und es fällt schwer, zwischen Original und Fälschung zu unterscheiden.

Unter dem Strich spielt die Band mehr als zwei Stunden – mit Pause – und muss trotzdem einiges weglassen, wie das großartige „’39“, in dem Gitarrist Brian May als gelernter Astrophysiker mal eben die Relativitätstheorie in einen Popsong gepackt hat. Angesichts der Materialfülle wird auch manches zum Medley zusammengeknetet. Aber das haben Queen auch schon getan.

Die Revival Band, die schon 2015 auf dem TSV-Gelände spielte, aber wegen des Jubiläums-Headliners „Die Happy“ nur eine Art Kurzprogramm bieten konnte, darf diesmal alles aufbieten, was sie sich als Tribute-Band im Laufe von gut zwei Jahrzehnten erarbeitet hat. Und das ist beeindruckend viel. Vor allem nach der Pause wird alles noch intensiver, echter. Selbst eine Monsternummer wie „Bohemian Rhapsody“ bringen die Musiker komplett live über die Bühne, wenn auch mit Hilfe von zwei Chorsängerinnen. Die Original-Queen löschten während des Opern-Parts das Licht, ließen das Band laufen und stiegen erst danach wieder live ein. Apropos Oper: „Barcelona“, das je nach Betrachtungsweise berühmte oder berüchtigte Duett von Freddie Mercury mit Montserrat Caballé, spielen sie auch noch.

Der ganz große Queen-Wahnsinn! Das Publikum in Langenau lässt sich gerne mit auf diese Zeitreise durch die 70er und 80er Jahre nehmen und singt sich die Kehlen wund. Es hört (fast) alle Hits und sieht, wie sich Rose mit dem nötigen Hauch Selbstironie zu den Klängen von „God save the Queen“ die Krone aufsetzt, wie das Freddie Mercury, vielleicht mit etwas weniger Selbstironie, auch getan hat.

Überhaupt das Publikum: Das lässt sich an diesem Abend auf höchst unterschiedliche Bands ein, auf Punkiges von „Farmer Sally“, Metal mit starkem Metallica-Einschlag von „Black O.A.K.“ und auf den poppigen Punk von „C for Caroline“ aus Hannover – die Sympathieträger des Abends. Wie schon vor zwei Jahren liefern sie eine jugendlich-ungestüme Adrenalin-Show ab. Die taugt auch mal zum Headliner. Wiederkommen wollen sie, das kündigt Trommler Jan Schlagowsky schon an. Denn hier in Langenau, das sei etwas Besonderes: vor allem die Gemeinschaft zwischen den Bands und dem Organisationsteam. Da nimmt ihn Organisator Genz gerührt in den Arm.

Wie entspannt alles ist, sagt am Ende des Auftritts auch Freddie alias Harry Rose: „Wir sind dann noch vorne an der Bühne, wir signieren Sachen – und ihr könnt uns fotografieren, füttern und auch anfassen.“

Den Naurock gibt’s seit 1990

Festival Der erste Naurock fand in Langenau im Jahr 1990 statt. Organisiert wird das Open-Air-Festival von einem gleichnamigen Verein.

2019 Auch im kommenden Jahr soll es das Festival wieder geben „See you 2019“, hat der Naurock-Verein am Sonntag auf Facebook gepostet.

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