Kultur Langenau: Pause oder Aus für Kulturnacht ?

Langenau / KARIN MITSCHANG 08.06.2018

Einmal mindestens“ soll die Langenauer Kulturnacht ausfallen, sagt Kulturamtsleiter Edwin Köperl. Weil mit dem 30-jährigen Bestehen des Pfleghofs heuer mit Till Brönner und Stochelo Rosenberg zwei hochklassige Konzerte in Langenau zusätzlich anstehen, gibt es statt der elften Ausgabe nun eine „kreative Pause“, wie Köperl mitteilt. Er macht auch sinkende Besucherzahlen – zuletzt nur noch um die 400 – und immer weniger Veranstalter für den Ausfall verantwortlich. „Es gab fast nur noch städtische Beiträge, immer mehr Spielorte sind weggefallen, wie die Holzwerkstatt, das Jugendzentrum, die evangelische Kirchengemeinde. Auch die Fairtrade-Gruppe hat angedeutet, dass sie nicht interessiert ist.“ Zwar habe die Stadt die Martinskirche nutzen können, doch die Kirchengemeinde war nicht mehr Veranstalter. Nur noch das Café Kapilio und das Musikhaus Blomeier hätten die Stange gehalten.

Ob es nach der diesjährigen Pause eine Kulturnacht „im neuen Format oder wie auch immer“ geben wird, lässt Köperl offen. Enttäuscht über die Entscheidung haben sich auf Nachfrage Marcel Blomeier vom Musikhaus in der Hindenburgstraße und auch Ibrahim „Hans“ Oguz vom Weincafé Auszeit im Bahnhof gezeigt. „Das ist schon schade“, sagt Blomeier, dessen Klaviergeschäft neun von zehn Mal mit einer Veranstaltung dabei war, „weil so eine Veranstaltung kontinuierlich sein sollte und jeder Wegbruch schadet.“ Köperl mache enorm viel, und die Musiker seien mit der Betreuung sehr zufrieden, „aber er bräuchte mehr Unterstützung und man bräuchte mehr Geld, vielleicht auch ein vielfältigeres Programm“, sinniert der Instrumentenfachmann.

Auch Oguz, der 2017 das Weincafé noch nicht eröffnet hatte und sich auf die Kulturnacht in diesem Jahr gefreut hatte, sagt, man müsse sich in Sachen Programm Gedanken machen. „Über ein Kinderprogramm am Nachmittag, oder mehr Bands in mehreren Wirtschaften, einen Shuttle-Bus – sowas macht die Leute an, dann machen auch Minigolfplatz oder Sportheim oder andere mit.“

Die „Fairtrade-Stadt-Langenau“-Leiterin Sabine Tischer bestätigt, dass ihre Gruppe aufgrund weiterer Aktionen sowie dem Engagement beim Kinderfest an der Kulturnacht eher nicht mehr teilgenommen hätte. „Beim Kinderfest haben wir eine größere Reichweite, und wir müssen als Ehrenamtliche unsere Kräfte bündeln.“ Da die Kulturnacht einst als eine Aktion vieler Akteure aus der Stadt gestartet sei, sei die Absage nun folgerichtig, wenn die Stadt immer mehr alleine stemmen musste. Auch wegen der Jubiläums-Konzerte sei dies „eine kluge Entscheidung, denn auch der Kulturamtsleiter muss seine Ressourcen im Blick haben“, sagt Tischer. Bei zu vielen Angeboten lasse auch das Interesse nach.

Hans-Peter Leuze, der sonst das Café Kapilio unterstützt und in der Kulturnacht mehrfach ehrenamtlich im Pfleghof mithalf, berichtet von immer weniger Besuchern. „Mir persönlich tut die Absage nicht leid, denn es war immer viel Arbeit, und am Ende kam immer weniger dabei raus.“ Es machten einfach zu wenige Kneipen mit, sagt er.

Marcel Blomeier meint, „die Leute sollten nicht so eigenbrötlerisch sein, sondern an einem Strang ziehen“. Interessierte sollten mit Kantor Conrad Schütze, der katholischen, evangelischen und evangelisch-methodistischen Kirche eine Gruppe bilden, um wieder Schwung in die Sache zu bringen, meint Blomeier. „Man bräuchte natürlich Zugpferde wie zum Beispiel Klavierkabarettist Armin Fischer, der Jazz auch klassisch verklamaukt, als Bonbon für die Besucher, man muss eben was Besonderes machen.“ Das Klavierhaus hatte für dieses Jahr bereits das Herrmann Eckardt Project im Auge, das nach Langenau kommen sollte. „Das wird in irgendeiner Form nachgeholt“, verspricht Blomeier.

„Grundsätzlich wäre es für Langenau nicht schlecht, wenn es weitergehen würde mit der Kulturnacht“, sagt Alexander Wittlinger, der mit der Holzwerkstatt im nächsten Jahr wieder gerne mit einer Salsa-Nacht dabei wäre. „Es ist eines der wenigen übergreifenden kulturellen Programme, das in der Stadt verschiedenes Publikum verbindet und einen Austausch schafft, zumal wir hier keinen klassischen Stadtkern haben.“

Große Namen als Ersatz und Kür

Martinskirche Am Samstag, 28. Juli, treten in der Martinskirche in Langenau um 20 Uhr Til Brönner und Dieter Ilg auf, im Rahmen der „Nightfall“-Tour.

Pfleghof Am Freitag, 17. August, kommt das Gismo-Graf-Trio mit Stochelo Rosenberg nach Langenau. Im Pfleghof geht es um 20 Uhr los – das Kulturamt schwärmt vom „Gypsy Jazz Event des Jahres“. Bei passendem Wetter findet das Konzert als Open-Air statt.

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