Politik Langenau: Inklusion in der Schule

Fahrt über die Rampe mit dem Rollstuhl. (Thomas Geltinger ist nicht im Bild).
Fahrt über die Rampe mit dem Rollstuhl. (Thomas Geltinger ist nicht im Bild). © Foto: Patrick Fauß
Langenau / Patrick Fauß 06.07.2018

Es fällt ihm schwer, zu gehen. Philemon aus der Klasse 7c der Gemeinschaftsschule Langenau, hat sichtlich Mühe, vorwärts zu kommen. Der 12-Jährige trägt einen Alterssimulationsanzug. Mit Gewichten, einer eingetrübten Brille und Schalldämpfern über den Ohren. Der Anzug macht einen möglichen Zustand erfahrbar, von dem die Schüler noch viele Jahre entfernt sind.

Die Übung ist Teil eines Schulprojekt-Tags mit Mitgliedern der Langenauer Selbsthilfegruppe „Blickwinkel Inklusion“. „Unser Ziel ist die Teilhabe“, sagt Thomas Geltinger. Der 57-Jährige sitzt in einem 180 Kilo schweren Elektro-Rollstuhl. Damit sei zum Beispiel das Bahnfahren ziemlich aufwändig. Man müsse sich Wochen vorher für so eine Fahrt anmelden. Sein Wunsch wäre, dass eingeschränkte Menschen künftig besser zurechtkommen, ohne ständig auf die Hilfe angewiesen sein zu müssen. Andere Länder seien da schon weiter. Bei Geltinger wurde 1978 multiple Sklerose diagnostiziert. Er sitzt seit 1995 im Rollstuhl.

Den Schülern der Klasse 7c ist das Thema Inklusion jedoch nicht fremd. Ein Junge mit Autismus besucht die Klasse.

Das gemeinsame Lernen funktioniert laut Klassenlehrer Patrick Feil sehr gut. Nicht zuletzt, weil die inklusive Klasse mit einer zusätzlichen Betreuungskraft auch personell unterstützt wird.

Hindernisse im Parcours

Nach einem Film über Inklusion und einer anschließenden Diskussion, wird am frühen Morgen ein Treppensteigegerät für Rollstühle ausprobiert. Dann geht es in die Turnhalle der Schule zum Rolli-Parcours. Probleme mit Randsteinen, Kopfsteinpflaster oder Rampen werden mit Brettern oder Paletten simuliert.

„Schon das Geradausfahren ist schwierig“, findet Sarah (13). Kai (14) findet die Holperfahrt über das simulierte Kopfsteinpflaster, Leitern auf dem Turnhallenboden, besonders unangenehm.

Am Ende des Projekt-Vormittags haben die Schüler einen besseren Eindruck davon, mit welchen alltäglichen Schwierigkeiten Menschen mit Einschränkungen zu kämpfen haben. Auch der Kontakt mit dem halben Dutzend Selbsthilfegruppen-Mitgliedern hat zum Verständnis beigetragen.

„Die Barrieren in den Köpfen müssen abgebaut werden“, ist Geltinger von der Selbsthilfegruppe überzeugt. Das sei der Schlüssel zu wirklicher Inklusion und Teilhabe.

Auch für Grundschule möglich

Projekttag Die Selbsthilfegruppe „Blickwinkel Inklusion“ hat ihren Projekttag bereits zum dritten Mal an der Gemeinschaftsschule Langenau organisiert. Sie will „Inklusion erfahrbar machen“. In den kommenden Wochen gibt es den Inklusionstag bei den Parallelklassen. Auch für Grundschulen bieten die Mitglieder einen Projekttag.

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