Bürgerbeteiligung Langenau sammelt Ideen zur Mobilitätswende

Etliche Workshopteilnehmer kamen mit ihren Elektro-Fahrzeugen.
Etliche Workshopteilnehmer kamen mit ihren Elektro-Fahrzeugen. © Foto: Barbara Hinzpeter
Langenau / Barbara Hinzpeter 02.07.2018

Wer einmal elektrisch unterwegs war, verzichtet fortan gern auf den Verbrennungsmotor.“ Diese These einer Diskussionsteilnehmerin stieß auf viel Zustimmung beim Elektromobilitäts-Workshop im Langenauer Pfleghof. Denn unter den Interessierten waren etliche eingefleischte Stromauto-Fahrer. Dazu gehört seit Jahren auch Christian Klaiber von der „Initiative Zukunft Mobilität“, die im Auftrag der Stadt ein Konzept für den Verkehr in Langenau entwickeln soll – unter dem Titel „nauMobil“ (wir berichteten).

Verbindung nach Günzburg fehlt

„Dabei starren wir nicht nur auf die Elektrifizierung, sondern fragen, welchen Beitrag sie zu einer nachhaltigen Lösung leisten kann“, betonte Klaiber. Herauskommen soll ein klima- und umweltfreundliches  Konzept, das berücksichtigt, wie sich die Bürger ihre Stadt in Zukunft wünschen und welche Anforderungen auch Unternehmen und Gäste stellen, ergänzte Moderatorin Angela Imdahl. Sie wollte wissen, wo die Langenauer der Schuh drückt. Das tut er an mehreren Stellen, wie die Diskussion zeigte.

Kritisiert wurde erneut die fehlende Nahverkehrs-Verbindung nach Leipheim und Günzburg. Aber auch ein Pendler, der in Ulm arbeitet, klagte. Wegen der „katastrophalen Unzuverlässigkeit“ der Bahn habe er sich notgedrungen ein Auto zugelegt – und ein E-Bike. Mit dem Elektro-Rad sei er zwar genauso schnell an seiner Arbeitsstelle auf dem Eselsberg wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber nicht unbedingt sicher. „Das gefährlichste Stück ist die Strecke von der Langen Straße bis zum Ortsausgang“, berichtete er. Auch andere kritisierten, dass Radwege in der Stadt im Nichts endeten, schlecht markiert oder zugestellt seien. Als herausragendes Negativbeispiel wurde die Bismarckstraße genannt.

Bürgermeister Daniel Salemi erinnerte daran, dass der Gemeinderat „im Herbst eine Radwegkonzeption aufsetzen“ und sich weiter mit der Innenstadtentwicklung beschäftigen werde. „Es ist nicht purer Zufall, dass das jetzt alles so zusammentrifft“, unterstrich der Verwaltungs-Chef. Zur „Mobilitätswende“ gehöre mehr als Ladesäulen vor dem Rathaus und am Burghof. Sie wirke sich auch auf die Gestaltung von Innenstadt und Wohngebieten aus. Die sind aktuell noch stark von  – herkömmlichen – Autos geprägt. „In unserem Wohngebiet haben alle Familien zwei Autos“, bestätigte ein Albecker. Die Fahrzeuge stehen laut Berechnungen auf Grundlage von Daten des Kraftfahrtbundesamts zwar im Durchschnitt 22 Stunden am Tag irgendwo am Straßenrand, in der Garage oder auf einem Firmen- oder Innenstadt-Parkplatz herum, würden mangels Alternativen aber dennoch benötigt.

Der geplante Stadtbus, aber insbesondere auch Car-Sharing und Lastenfahrräder könnten Abhilfe schaffen und die Lebensqualität verbessern, so die Vorschläge beim Workshop. Gerade für die kurzen Fahrten vom Wohngebiet in die Stadtmitte eigneten sich Strom-Autos. Für sie müsse die Infrastruktur ausgebaut werden, lautete eine Forderung. Er würde es sehr begrüßen, wenn er etwas  Energie tanken könnte, während er in Langenau einkauft, sagte ein Westerstetter.

Wegen der noch geringen Nachfrage sei das Aufstellen einer Ladesäule für ihn bisher kein Thema gewesen, räumte Edeka-Inhaber Ralf Dörflinger ein. Hinzu kommt: Die Parkplätze bei seinem Markt seien knapp. Er stelle seinen Mitarbeitern E-Bikes zur Verfügung, damit sie die Kundenplätze nicht zuparken. Ein günstiger Standort für eine Ladestation wäre seiner Ansicht nach zwischen Kaufland und seinem Geschäft. Zu ermitteln wäre auch, wie die vorhandene Photovoltaik-Infrastruktur – etwa auf landwirtschaftlichen Gebäuden – fürs Stromtanken genutzt werden könnte, so ein weiterer Vorschlag.

Einig waren sich Referenten, Workshop-Teilnehmer und Vertreter der Stadtverwaltung, dass über Elektro-Autos noch viele „Märchen und Mythen“ kursieren und daher Aufklärung sowie auch Anreize zum Umsteigen nötig seien. Deshalb steht auf dem Fahrplan ganz oben ein „Mobilitätstag“ am 15. September. Erfahrungsberichte, aber auch eine Ausstellung der Bandbreite von Elektrofahrzeugen sollen nicht nur Infos liefern, sondern die Stromer auch „erlebbar“ machen, wie Angela Imdahl sagte.

Nächster Workshop am 13. November

Ergebnisse Angela Imdahl und Christian Klaiber werden die Ergebnisse der ersten Veranstaltung aufarbeiten bis zum nächsten Bürger-Workshop am Dienstag, 13. November.

Konzept Am 12. Februar 2019 wollen sie das Mobilitätskonzept vorstellen. Planer und Stadt seien jederzeit offen für Anregungen, Ansprechpartner bei der Stadt Langenau ist Bauamtsleiter Gerd Bühler, er ist per Mail an nauMobil@langenau.de erreichbar.

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