Gesellschaft Langenau diskutiert über Wege aus der Armut

Haben über Wege aus der Armut diskutiert: Wilmar Jakober (links), Birgit Mack und Dieter Wetterich.
Haben über Wege aus der Armut diskutiert: Wilmar Jakober (links), Birgit Mack und Dieter Wetterich. © Foto: Barbara Hinzpeter
Langenau / Barbara Hinzpeter 05.09.2018

In 14 Jahren als Vorsitzender des VdK-Ortsverbands habe er festgestellt: „Es gibt Armut in Langenau. Aber man sieht sie nicht auf der Straße, sondern findet sie hinter geschlossenen Türen und Fenstern.“ Das sagte Dieter   Wetterich beim „Politischen Stammtisch“ des Initiativkreises 8. Mai in Langenau.

Die Runde war sich einig: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Hauptsächlich Alleinerziehende, Rentner, chronisch Kranke und Geflüchtete seien Kunden im Langenauer DRK-Tafelladen, berichtete dessen ehrenamtliche Leiterin Birgit Mack. „Sie kommen ursprünglich aus allen Schichten“, betonte sie. „Denn nach einem Jahr Arbeitslosigkeit ist man Hartz-IV-Empfänger.“

Nicht zuletzt Pflegebedürftigkeit werde zunehmend zum Armutsrisiko, so Wetterich. Seiner Erfahrung nach schämten sich viele Menschen, zum Sozialamt zu gehen oder ihre Ansprüche einzuklagen. Denn Armut werde als individuelles Versagen betrachtet und nicht als gesellschaftliches Problem, bestätigte Diskussionsleiter Wilmar Jakober: „So entsteht keine Solidarisierung.“

In diesem Zusammenhang erinnerte Thomas Mahr an die „erschreckende Diskussion“ um den Bau von Sozialwohnungen in einem Langenauer Neubaugebiet, gegen den sich massiver Widerstand geregt hatte. Die heftige Kritik von Ulrich Eckle an den Tafelläden als „glorifizierte Müllschlucker“, die dazu dienten, die „kapitalistische Überproduktion zu entsorgen“, wies Birgit Mack zurück. Die Menschen, die im Tafelladen günstig einkaufen, seien auf die konkrete Hilfe angewiesen. Allerdings seien auch die Mitarbeiter und Verantwortlichen im Tafelladen der Meinung, dass der eigentlich gar nicht notwendig sein dürfte, betonte sie. Auch sie sehe den Zwiespalt, dass solche Einrichtungen den Staat von seinen Aufgaben entlasteten, und die Ehrenamtlichen „die nächsten armen Rentner“ seien.

Mack wies darauf hin, dass in den Tafelläden in Baden-Württemberg die Kunden einkaufen  wie in einem normalen Laden – sie suchen die Waren, die sie mögen oder brauchen, selbst aus. Die Tafelläden böten aber nicht nur günstige Lebensmittel, sondern seien auch Orte der Begegnung – von Kunden untereinander und mit Ehrenamtlichen, die aus vielen verschiedenen Ländern sowie aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammten.

„Das ist wichtig, denn Armut macht einsam“, so Birgit Mack. „Der Skandal ist, dass die Politik nichts tut“, sagte Regina Mittnacht vom Diakonieladen. Sie forderte – unterstützt von einigen Diskussionsteilnehmern –  die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens.

Das Fazit der lebhaften Diskussion war, dass Armut nachhaltig bekämpft werden und dabei auch über die Sozialpolitik und strukturelle Veränderungen nachgedacht werden müsse.     

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