"Ich hoffe, dass ich mich irre", sagt Markus Hafner. Der Milchbauer in Schwaighofen im Kreis Neu-Ulm setzt zur Zeit auf das Prinzip Hoffnung. Der Preis für die Milch, die seine 85 Kühe hergeben, liegt zwar noch bei etwa 31 Cent pro Kilogramm. Allerdings fürchtet Hafner, dass der Preis demnächst fallen könnte. Und dass er in diesem Jahr dann nochmal die 30-Cent-Marke auf dem Weg nach oben durchbricht, hält er für eher unwahrscheinlich.

Seit am 1. April die Milchquotenregelung europaweit auslief, unterliegen Milchbauern innerhalb der Europäischen Union keiner Abgabenbegrenzung mehr. Jeder kann so viel Milch produzieren, wie seine Kühe hergeben - und der Markt aufnimmt. Der aber scheint unter Druck zu stehen.

Laut den aktuellsten Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) lag zwar in Deutschland die Milchmenge bis vor wenigen Wochen unter Vorjahresniveau (siehe Grafik), allerdings deutet sich europaweit - vor allem in Irland und den Niederlanden - ein Anstieg der Milchmenge seit April an. Diese Entwicklung in Verbindung mit dem russischen Importstopp für Milch und der schwächelnden Nachfrage auf dem chinesischen Markt drückt den Preis.

"Wenn alle melken wie die Weltmeister, musst du das Gegenteil machen", sagt Hafner. Statt seine Milchproduktion weiter hochzufahren, will der Landwirt versuchen, mehr Jungkühe zu verkaufen. Denn so mancher Milchbauer dürfte versuchen, seinen Tierbestand zu erweitern, um auf sinkende Preise mit mehr Milch zu reagieren. Alle Verluste wird Hafner damit jedoch nicht kompensieren können.

Sein Stall in Schwaighofen ist voll belegt. Um mehr Kühe melken zu können, bräuchte Hafner einen neuen Melkroboter. Dazu müsste er kräftig investieren, den Stall ausbauen und nochmal 40 oder 50 Tiere anschaffen, damit sich der zusätzliche Roboter lohnt. Angesichts der Marktlage für ihn undenkbar. "Viele sind jetzt bei Investitionen zurückhaltend." Gespart wird in der Branche derzeit bei der Anschaffung von Landmaschinen. Hafner selbst spart beim Kraftfutter.

Zusätzlich zu sinkenden Erlösen kommt auf viele Bauern noch eine Strafzahlung zu, die ein letztes Mal für zu viel gelieferte Milch im Milchjahr 2014/15 von der EU erhoben wird. 22 Cent pro Kilogramm wurden als Superabgabe festgelegt. Allein in Deutschland müssen Bauern, die ihre Abgabegrenze vor dem 1. April nicht eingehalten haben, knapp 310 Millionen Euro bezahlen. Hafner selbst ist nicht betroffen. Er hatte noch im Herbst sein Kontingent aufgestockt.

Und warum suchen sich die Milchbauern keine neuen Absatzmärkte? Nord-Amerika, Australien und Neuseeland haben einen Überschussmarkt. "Das Ziel ist halt Asien", sagt Hafner. Und selbst wenn man irgendwo eine Nische gefunden habe, springe sofort jemand mit hinein. "Und dann wird es eng." Die Milchwerke Schwaben, an die Hafner selbst liefert, hatten das mit entmineralisiertem Milchpulver geschafft. "Das war auch sehr lukrativ", sagt Hafner. Dann aber hat die Konkurrenz nachgezogen.

Auch Milchbauer Gerhard Wolf hofft auf bessere Zeiten und setzt darauf, dass sich der Markt schnell dreht. Die Preise waren zwar 2009 bereits auf 22 Cent gefallen. Damals seien die Futterpreise allerdings noch deutlich günstiger gewesen. Inflationsbereinigt koste das Kilogramm Milch heute um die 28 Cent in der Herstellung. Dazu kommen Festkosten, wie der eigene Lohn. Für den Bauern geht es deshalb ans Eingemachte. "Wir verbrauchen derzeit unser Eigenkapital. Das ist nicht okay."

Die Situation kann sich Wolf nicht erklären. Seit dem Quotenende habe sich nichts verändert. Allein die Nerven aller Beteiligten seien angespannt. "Und kein Akteur versteht, was momentan abgeht", sagt Wolf mit Blick auf den Milchmarkt und China.

Dennoch versucht sich der Milchbauer in Erklärungen. Viele hätten geglaubt, nach dem 1. April komme die Milchschwemme. Das wiederum habe am Markt zu Kaufzurückhaltung geführt und damit ein Überangebot verursacht. "Alles wartet ab, eigentlich total unbegründet. Und das ist die Krux", sagt Wolf.

Die Milcherzeugergemeinschaft Langenau, der Wolf angehört, konnte den Preis mit Molkereien auf 30 Cent festlegen - vielleicht bald höher als der erwartbare Durchschnitt, aber eben höher.

Für Wolf steht fest, dass die Gewinner die Lebensmitteleinzelhändler sind. "Die haben derzeit eine richtig gute Wertschöpfung." Falls sie die Einsparungen im Einkauf nicht an die Kunden weitergeben.