Dietenheim Landwirte könnten mehr tun

Dietenheim / Karin Mitschang 12.02.2019

Während andernorts Nabu, Schwäbischer Albverein, Naturfreunde und weitere Verbände im ausgerufenen „Bündnis für Artenvielfalt“ mitmachen, ist in Dietenheim der örtliche Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Alleinkämpfer. „In Regglisweiler war aber die Aufstellung der drei Obstbäume durch den Schwäbischen Albverein eine super Aktion“, sagt BUND-Regionalchef Ulrich Müller (wir berichteten). Der Dietenhemer zeigt sich zufrieden mit den Fortschritten vor Ort, denn seit der Ausrufung des Bündnisses vor 2017 habe sich auch die Stadt Dietenheim mit vielen Aktionen als Partner eingebracht. Sie hatte vorausschauend mit der Flurbereinigung viele Gewässerrandstreifen durch Flächentausch in ihren Besitz gebracht. „Dietenheim ist wirklich ein Vorbild, was die umweltverträgliche Bewirtschaftung auf öffentlichen Flächen angeht“, lobt er. Denn Mulchgeräte seien „Kleintier-Schredder“ für Amphibien, Eidechsen und Insekten.

Auf Dietenheimer, Balzheimer und Illerrieder Gemarkung wird der Iller-Hochwasserdamm seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband, dem Balzheim möglicherweise noch beitritt, mit Balkenmesser gemäht, und zwar nur zweimal im Jahr. „Das macht der Balzheimer Landwirt und Bauernobmann Jürgen Gerster optimal insektenschonend“, freut sich Müller.

Ganz neu in Dietenheim sei seit 2018, dass Gewässerschutzstreifen der Stadt auf fünf bis zehn Metern Breite per Balkenmesser artgerecht gemäht werden. So bleiben fast alle Lebewesen am Leben. Wo es steinig ist, kommt ein Scheibenmähwerk zum Einsatz – nicht zu verwechseln mit dem Kreiselmähwerk, das von einigen Landwirten genutzt werde. Müller: „Das entwickelt eine Sogwirkung, wobei meist die Hälfte der Lebewesen umkommt.“ Beim Scheibenmähwerk liege die Todesrate dagegen bei nur etwa einem Viertel.

Ein Vorteil gegenüber dem Mulchen ist auch, dass nach dem Mähen per langsamerem Balkenmähwerk das Mähgut abgeräumt wird und nicht als Dünger liegen bleibt oder bei Starkregen Abflüsse und Brücken zu verstopfen droht. Ein magerer, nährstoffärmerer Boden begünstigt eine bessere Blumen- und Kräutervielfalt.

Denn in der Landwirtschaft fehlen die Blüten im Sommer. Zuerst blühen Löwenzahn, später Obstbäume und Raps, doch „dann geht das Hungerleiden der Insekten los, zwischen Juni und September blüht nichts, erst im Herbst kommen Ackersenf, Phacelia und Blühmischungen als Gründüngung in der Fruchtfolge heraus, das kommt zu spät. Das prangern wir an“, sagt Müller für das Bündnis für Artenvielfalt.

Besonders in Dietenheim gebe es keine Landwirte, die sich mit Blühstreifen freiwillig für die Insekten engagieren. Drumherum gibt es dagegen positive Beispiele: in Regglisweiler bei den Kreuthöfen etwa, oder in Balzheim bei Jürgen Gerster. In Illerrieden gebe es auch einen Landwirt, der größere Flächen blühen lässt, freut sich Müller, der nicht nur Ortsvereinschef ist, sondern auch Vorsitzender des Regionalverbands Donau-Iller mit dem Gebiet der Stadt Ulm, des Alb-Donau-Kreises sowie des Landkreises Biberach im BUND. Er hofft, dass sich bei den Landwirten etwas tut, denn man sehe in Bayern mit dem Bürgerbegehren, das weitreichende Forderungen an die Politik stellt, was sonst eine Folge sein kann.

Der BUND tut freilich auch selbst einiges: Es wird im April hochkarätige Vorträge geben, und zwischen Balzheim und Wangen betreiben Mitglieder die Handmahd mit einem Balkenmesser an der Sumpfwiese südlich von Wangen. Ebenso pflegen sie Moorwiesen bei Dietenheim und den Illerdamm beim Dietenheimer Badesee. Derzeit werden Flyer vorbereitet, um alle Bürger zu erreichen und ihnen Tipps für naturschonendes Verhalten an die Hand zu geben. Müller: „Auch eine wilde Ecke im Garten bringt den Tieren schon viel.“

Dietenheim als Vorbild in Sachen Grünflächen

Vorreiter Dietenheim hat schon früher als andere Städte an den Ortseingängen großflächig Blühstreifen angelegt. Der Illerdamm ist auf rund 1,6 Kilometern mit einer Magerrasen-/Blühmischung gestaltet, wobei eine aufwendige Pflege den Artenschutz gewährleistet. Laut Bürgermeister Christopher Eh hat Dietenheim 2017 und 2018 entlang des Riedgrabens einen etwa 1,1 Kilometer langen und 10 Meter breiten Gewässerrandstreifen zur Blumenwiese umgewandelt.

Zukunft Im Rahmen des Hochwasserschutzes am Gießenbach wird ebenfalls ein Magerdamm erstellt werden, wo wieder große Blühflächen eingesät werden. Der Bauhofleiter Jürgen Peter und die Gärtnerin Ulrike Widmann bilden sich ständig zur artengerechten Bewirtschaftung des öffentlichen Grüns fort.

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